Zentralamerika 01.-05.2024

05I24 Bogota, Kolumbien. Die Sicherheitslage der sieben Länder: Belize, Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama beschäftigte uns im Vorfeld. Doch dann überrascht uns die Freude und Offenheit der Menschen, die meist viel weniger besitzen als wir, mit der sie uns begegnen. Im Maya geprägten Guatemala büffeln wir an der Spanish School und  besteigen den Vulkan Acatenango. In Utila, HN tauchen wir mit Haien und Schildkröten im Karibischen Meer. León und Granada, NI verzaubern uns mit ihrem kolonialen Charme. Affen, Faultiere, Krokodile etc., die Tiervielfalt in den Nebelwäldern, CR ist faszinierend. Der  Überfall auf unsere Motorräder schockiert uns. Von Panama verabschieden wir uns wehmütig mit dem Boot und segeln nach Kolumbien, SA.

Mobirise

02.01.2024-17.05.2024  Belize-Placencia-San Ignacio-El Remate (Guatemala)-Coban-Quetzaltenango-San Pedro La Laguna-Antigua-Jalpatagua-Santa Ana (El Salvador)-San Salvador-Santa Rosa de Lima-Lago de Yojoa (Honduras)-La Ceiba-Utila-San Esteban-Danli-Matagalpa (Nicaragua)-Leon-Granada-Ometepe-San Carlos-La Fortuna Costa Rica)-Nuevo Arenal-Monteverde-Montezuma-Paquera-Tacoles-Manuel Antonio N.P.-Guapiles-Tortuguero-Guapiles-San Jose-Ciudad Neily-Penonome (Panama)-Panama City-San Blas Islas-Cartagena Kolumbien)-Bogota

Km 0 - Km 16.830/50.960

Zentralamerika bezeichnet im geographischen Sinn die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika. Zentralamerika weist ohne Mexiko eine Größe von 510.000 km² (im Vergleich mit USA: 9.834.000 km²) mit ca. 45,5 Mio. Ew. auf. Die mexikanischen Bundesstaaten "Chiapas", "Campeche", "Quintana Roo", "Tabasco" und "Yucatán" sowie Teile der Bundesstaaten "Oaxaca" und "Veracruz"  werden ebenfalls Zentralamerika zugerechnet. Die C-4 Länder "Guatemala", "El Salvador", "Honduras", "Nicaragua", dazu Costa Rica waren politisch bereits in der Vergangenheit eng miteinander verbunden und bildeten nach der Unabhängigkeit 1821 die "Zentralamerikanische Konföderation". Zwischen 1823 und 1838 bestand die "Zentralamerikanische Konföderation" als Staatenbund zwischen den Einzelstaaten, deren Zusammengehörigkeit sich bis heute in der einheitlich blau-weiß-blauen Nationalfarben widerspiegelt. Seit den 1950er Jahren forcierten die Staaten mit Blick auf internationale Vorbilder einen weiteren Integrationsprozess, um durch einen gemeinsamen Handel die Abhängigkeiten vom Weltmarkt zu relativieren. Die Ende der 1970er Jahre auftretenden Revolutionen bzw. Bürgerkriege in "Nicaragua", "Guatemala" und "El Salvador" führten jedoch zu Rückschritte bei der Intensivierung der Integration. Die Zunahme von Kriminalität und Gewalt verursacht zusätzlich schwerwiegende Folgen für die politische Stabilität und die wirtschaftliche Entwicklung Zentralamerikas. Grenzüberschreitend organisierte Banden erzielen mit Schmuggel enorme Gewinne. Dies geht mit einer der weltweit höchsten Mordraten einher: 40 Tote/100.000 Ew. In "Honduras", "Guatemala" und "El Salvador" kontrollieren lokale Organisationen die Umschlagplätze für Drogen und organisieren den Weitertransport nach Mexiko. Die "Transportistas", die überwiegend in schwer zugänglichen Landesteilen agieren, verfügen über Verbindungen in die Politik, Justiz und Sicherheitsapparate.  Die schwachen staatlichen Institutionen haben diesen kriminellen Strukturen nur wenig entgegenzusetzen. Andere kriminellen Netzwerke beteiligen sich an: Waffenschmuggel und Geldwäsche, Menschen- und Kinderhandel, Schleusen von Migranten, Handel mit exotischen Tieren, illegalem Holzeinschlag sowie Raub, Mord und Entführungen. Zusätzlich agieren in den urbanen Zentren kriminelle Straßenbanden. Die Angst vor Gewalt ist neben Armut und Perspektivlosigkeit zu einer der zentralen Fluchtursache für viele Menschen geworden. Rund 7,5 Mio. illegal Eingewanderte aus Mexiko und Zentralamerika leben heute bereits in den USA. Mit diesen Fakten im Hinterkopf reisen wir am 09.01.2024 in Guatemala ein und verlassen nach knapp 4,5 Monaten am 17. 05. 2024 Panama. Auch wenn sich die Kleinkriminalität gegenüber Touristen auf niedrigem Niveau bewegt, so sind wir durch den dreisten Überfall auf unsere Motorräder in der Nacht vom 24.4 auf 25.4. in Costa Rica selbst Opfer krimineller Strukturen geworden.

Mobirise

Belize

02.01.2024-"Chetumal" Wir:  stehen vor der Grenzstation nach Belize und dürfen doch nicht ausreisen, da diese Grenze kein TIP (Temporary Import Permission) ausstellen kann. Nachdem wir uns durch mehrere Baustellen gequält haben, landen wir auf mexikanischer Seite an einem kleinen Häuschen für den Ausreisestempel und einem Bankschalter für die Rücküberweisung der 400,00 USD Kaution für unsere Motorräder, die Mexiko bei der Einreise eingezogen hat. Doch zuvor werden unsere Motorräder penibel abfotografiert und zweifelsohne mit den Fotos von der Einreise verglichen. Sehr hilfsbereit sind die Belizer Zollbeamten, die uns persönlich von Station zu Station begleiten. Anschließend kaufen wir uns noch die obligatorischen KFZ-Versicherungen und nach ca. 2 Stunden rollen wir knapp 150 km über eine weitestgehend kerzengerade, gut ausgebaute, ebene Straße nach "Belize City".  Die Häuschen stehen am Wegesrand nicht mehr so dichtgedrängt wie in Guatemala. Doch auch in Belize entdecken wir Blechhütten und erneut sehr viel Müll an den Straßenrändern. Die eher dunkelhäutige Bevölkerung nimmt ohne großen Enthusiasmus von uns Notiz. Sehr zuvorkommend und hilfsbereit ist die eher verschriene, weil korrupte Polizei, als wir unser AirnB trotz langer Suche nicht finden können. Kriminalität und Gewalt in Belize sind dafür verantwortlich, dass "Belize City" einen eher zweifelhaften Ruf genießt- doch das gilt für ganz Zentralamerika. Reisende wie wir sind davon weniger betroffen, denn die kriminellen Aktivitäten betreffen mehr rivalisierende Banden. Dennoch fallen uns bei unserem morgentlichen Kurzbesuch der wenig attraktiven Innenstadt viele, meist dunkelhäutige Obdachlose und Betrunkene auf, die eventuell bei betuchten Touristen auch mal zulangen könnten, um ihren minimalen Lebensunterhalt kurzfristig zu verbessern. "Belize City" ist keine sehenswerte Stadt und bald verlassen wir sie bei wolkenlosem Himmel und schweißtreibenden Temperaturen durch ein völlig heruntergekommenes Industriegebiet. Wir folgen einer sehr guten, nahezu kerzengeraden Straße durch eine flache, eintönige Landschaft, in der immer mal wieder Rinderherden grasen. Doch dann schälen sich bewaldete Berge aus dem Dunst und Hinweisschilder warnen vor Panther und Tapire. Nach großen Ölpalmenplantagen taucht die Straße in undurchdringbar wirkendes Dschungelgebiet ein. Aus roter Erde besteht der Weg nach "Gailes Point". Dabei holpern wir an heruntergekommenen Holzhütten vorbei, vor denen uns nicht nur die spielende Kinder, sondern auch die herumlungernden Erwachsenen mit Rastalocken freundlich zuwinken. Zurück auf der Hauptstraße biegen wir nach "Riversdale" auf einen Damm ab. Statt mit Holzhütten ist der schmale, mit Palmen bewachsene, weiße Sandstrand zum Karibischen Meer bzw. zur Lagune hin mit hochwertigen, modernen Wohnhäuser im internationalen Stil bebaut. Je mehr wir uns "Placencia" mit seinen ca. 1.500 Ew. nähern, desto kleiner und ärmlicher werden die mit Wellblech gedeckten Holzhütten. Über unbefestigte Gassen erreichen wir unser Hotel, das vor allem durch seine Lage direkt am Wasser punktet. Nur über einen Steg erreichen wir die nahe strohgedeckte Bar, an deren Tischen tätowierte und überwiegend scheintote, laut palavernde amerikanische Expads pokern und literweise Bier verdrücken. Doch der gigantische Sonnenuntergang ist überwältigend. "No Woman, No Cry" dröhnt es aus den Kneipen im Dorf, Songs vom Reggae-Pionier "Bob  Marliey" werden rauf und runtergespielt. Und die kreolische Jugend wiegt sich dazu rhythmisch und freudig strahlend im Takt. Wir genießen diese unbeschwerte Stimmung in diesem scheinbar intakten Paradies sehr. Im Oktober 2001 verursachte Hurrikan "Iris" schwere Schäden an fast 95 % der Gebäude in "Placencia". Immobilienentwickler nutzten den gesunkenen Immobilienwert, kauften im großen Stil Grundstücke und sind dabei, den ursprünglichen Charme des ehemaligen Fischerdorfs mit großen Hotelanlagen zu zerstören. "Steve", unser Guide von "Go Sea" schippert uns und eine Familie aus Colorado in einer einstündigen Bootsfahrt zu den ca. 36 km östlich von "Placencia" im Karibischen Meer liegenden "Silk Cayes", einer handtuchgroßen Insel mit 3 Palmen und einer Strandbar für ein Barbecues-Mittagessen. Sie dient ausschließlich der Versorgung von uns Touristen. Denn direkt vom Boot aus springen wir ins warme, kristallklare Wasser. Da wir in einem 2003 gegründete Meeresschutzgebiet schnorcheln, müssen wir dicht unserem zertifizierten Guide "Steve" entlang des "Barrier Reefs" in die faszinierende Unterwasserwelt folgen. Er zeigt uns mit geschultem Auge ein Kaleidoskop aus bunten Fischen, darunter Ammenhaie und Stachelrochen und faszinierende Korallenstrukturen des noch erstaunlich intakten Riffs. Wir tuckern zu einem im offenen Meer ankerten Fischerboot. Die Mannschaft putzt "zufälligerweise gerade jetzt" Hummer und wirft die Reste ins Meerwasser. Dass sie das nicht zum ersten Mal an dieser Stelle tut, beweisen eine prächtige "Karettschildkröte", mehrere große "Stachelrochen", ein halbes Dutzend mächtiger "Ammenhaie" sowie ein Schwarm "Barrakudas", die sich an den Hummerresten laben. Aus nächster Nähe beobachten wir fast ungläubig dieses Treiben. Erst als die Anzahl schnorchelnder Touristen die der Tiere übertrifft, fahren wir sehr glücklich zurück nach "Placencia". Ein lohnenswerter, wenn auch leicht manipulierter Einstieg in die faszinierende Unterwasserwelt der "Silk Cayes". 

Belize (22.966 km², 0,45 Mio. Ew., Hauptstadt Belmopan, Sprache Englisch) ist eine parlamentarische konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist Karl III., der König von Belize. Das Land besitzt eine Gesellschaft aus vielen Kulturen und Sprachen. Offizielle Amtssprache ist Englisch, Kreolisch der am weitesten verbreitete Dialekt. In Belize besteht Schulpflicht im Alter zwischen 6 und 14 Jahren. Die  Alphabetisierungsrate liegt bei 79,7 %.  Das Land verfügt über eine kleine, privatwirtschaftliche Wirtschaft mit Schwerpunkt Landwirtschaft und Tourismus. Das Belize Barrier Reef mit über 450 Cays und eine reiche Vielfalt an Wildtieren sind attraktive Reiseziele. Der Großteil der Gewalt in Belize ist auf (Drogen-)  Bandenaktivitäten zurückzuführen. Eine ungleiche Verteilung von Reichtum, Macht und Ansehen prägt die soziale Struktur.

Mobirise

Wir: entdecken am Straßenrand ein Schild: "Leopard Nursery" und freuen uns drauf, kleine Leopardenbabies beobachten zu können. Doch "Wolf", erklärt uns, dass es sich bei seinem Betrieb um eine Gärtnerei namens "Leopard" handle. Im weiteren Gespräch stellt sich heraus, dass sein Urgroßvater aus "Beutelsbach im Remstal" nach "Belize" ausgewandert war. Ab "Hope Creek" kurven wir durch grüne, mit Palmen und Bananenstauden bewachsene Hügel. Auffällig ist der fehlende Müll am Straßenrand. Wir vermuten, dass die gepflegten Felder neben aufgeräumten Anwesen mit großen Farmhäusern von Mennoniten bewirtschaftet werden. Denn je mehr wir uns "Belmopan" nähern, desto größer wird wieder die Mülldichte. Im belanglosen "San Ignacio" buchen wir eine Tour zu den "ATM" Höhlen, die als eine der heiligsten Stätten in Belize gelten.  "Actun Tunichil Muknal" (ATM) aus der Maya-Sprache übersetzt, bedeutet "Höhle des steinernen Grabes" und hat nichts mit einem Bankautomat gemein. Die Tour befindet sich im "Tapir Mountain Nature Reserve" im Westen von "Belize" und dauert insgesamt etwa vier Stunden. Die Kalksteinhöhle wurde im Jahr 1989 entdeckt und hat eine Ausdehnung von ca 5 km. Wir werden mit Schwimmwesten, Helmen und Stirnlampen ausgestattet. Zuerst durchwaten wir 3 wasserführende Flüsse, bevor wir den Höhleneingang über ein 1 m tiefes Becken schwimmend erreichen. Wir klettern, schwimmen, zwängen uns durch die enge, meist wasserführende Höhle immer tiefer in den Berg hinein, bis wir ihren heiligsten Teil der erreichen. Die Höhle öffnet sich zu einem riesigen "Saal" mit See, aus dessen Decke unzählige Stalaktiten ragen und im Licht der Lampen wie Edelsteine glitzern. 1.408 alte Maya-Artefakte wie Keramiken und Steinzeug, aber auch erste Skelettreste sind mit dem Untergrund verschmolzen. Da auffallend viele Fundstücke (ca. 400 Keramikgefäße) als Wasserbehälter genutzt wurden, meint die Wissenschaft, dass die Höhle Zeremonien diente, die sich auf das Wasser bezogen und an den Regengott "Chac" gerichtet waren.  Bisher wurden 14 Skeletten gefunden, darunter sieben Erwachsene und sieben Kinder (alle unter fünf Jahre alt). Es handelt sich dabei nicht, wie bei Funden in nahe gelegenen Höhlen, um Grabstätten, sondern um Opferungen, die dazu dienen sollten, die Götter zu besänftigen oder um Regen zu bitten. Noch einmal steigen wir, nur in Socken, eine steile Wand bis zum gut erhaltenen Skelett eines ca. 20 jährigen Maya-Mädchens empor, das vor Jahrhunderten Teil eines Maya-Opferrituals gewesen sein soll. Wegen der verkalkten Knochen, die wie Diamanten glänzen, wird es auch das "Crystal Maiden" genannt. Die Überreste sind definitiv unheimlich und lassen uns kurzzeitig in eine lang vergangene, uns fremde Welt blicken, deren Rituale bis heute nicht vollständig gelöst sind.

Guatemala

09.01.2024-"San Ignacio" Wir: verlassen Belize problemlos, doch die Zollformalitäten bei der Einreise nach Guatemala sind mit Desinfektion unserer Motorräder und mehreren Gängen für Kopien von den Visastempeln bis zu den Zahlungsscheinen etc. sehr umständlich. Nach zwei Stunden starten wir endlich unsere Reise durch die "C4-Länder": "Guatemala", "El Salvador", "Honduras" und "Nicaragua". Insgesamt wird uns dafür ein Aufenthaltsrecht von 90 Tagen bewilligt. Im ersten Dorf hinter der Grenze, "Melchor de Mencos", besorgen wir uns Claro SIM-Karten. Nur mit Smartphone Navigation finden wir Unterkünfte und Adressen. Nach 90 km erreichen wir die kleine Inselhauptstadt "Flores" auf der Insel "San Andrés" im südwestlichen Teil des "Petén-Itzá-Sees", die von multikulturellem Tourismus dominiert wird. In wenigen Minute durchfahren wir bunte Häuserfronten, die an Spanien oder Italien erinnern. Uns nervt die Gringodichte, daher umfahren wir durch einen wunderschönen Regenwald mit Seeblick den "Petén-Itzá-See" ins authentischere "El Remate". Als uns der Bus zu den Maya Ruinen in "Tikal" um 5.30 abholt, nieselt es. Für den Ticketverkauf benötigen wir unsere Ausweise, die wir nicht dabei habe. Glücklicherweise werden unsere Kreditkarten stattdessen akzeptiert. Auf dem Weg durch den Dschungel zu den beeindruckenden Tempeln und Pyramiden, begrüßt uns lautstark eine Herde von Brüllaffen. Bei bedecktem Himmel erscheinen die Tempel, die über die Baumkronen ragen, seltsam mystisch. Kein Wunder, dass wir, völlig alleine auf der Spitze des architektonischen Meisterwerks Tempel IV ruhend, darüber sinnieren, welchen Ehrfurcht und welchen Respekt das einfache Volk der Mayas ihren Herrschern, die oft als göttlich betrachtet wurden, wohl entgegengebracht haben? Vermischt auch mit Furcht vor deren Autorität und Macht? Die Planung der Tempel stützt sich auf Himmelphänomene und Äquinoktien (Tagundnachtgleichen). Unter Einsatz großer Arbeitskraft wurden die Materialien je nach Verfügbarkeit aus Steinbrüchen gewonnen. Die Plattformen bestehen aus massiven Steinschichten, die Fassaden wurden aus behauenen Steinen aneinandergefügt (Trockenmauerwerk). Farbig bemalter Kalkmörtel erhöht die Stabilität. Immer war die Errichtung eines Tempels mit tiefen religiösen Hingaben und zeremoniellen Bedeutungen verbunden, die die kosmische Ordnung und die Macht der Herrscher widerspiegelten. Faszinierend, aber für uns unmöglich, sich in dieses gesellschaftliche System hineinzudenken. Die teilweise mit Moos bewachsenen, hohen Tempel in "Tikal "verteilen sich nach einem Ordnungsprinzip im Regenwald. Meist stehen die Bäume so nahe, dass es schwer ist, die wahre Größe der mächtigen Bauwerke richtig einzuschätzen. Im Gegensatz zu "Chichenitza" ist "Tikal" für den Tourismus nicht schön herausgeputzt, sondern wirkt noch sehr archaisch. Eine wirklich sehenswerte Anlage der Maya, stellen wir nach 8 Stunden Besichtigung fest. Zusammen mit den Dorfjugendlichen von "El Remate" hüpfen wir zur Erholung in den warmen "Petén-Itzá-See", während die Sonne blutrot in der glatten Wasseroberfläche untertaucht.

Mobirise
Mobirise

Tikal war eine der bedeutendsten Städte der klassischen Maya-Periode (3. bis 9. Jh.) mit bis zu 100.000 Ew. und ist eine der am besten erforschten Maya-Städte. Es erstreckt sich über ein Gebiet mitten im Petén-Dschungel von etwa 65 km², wovon der zentrale Bereich ca. 16 km² einnimmt und über 3.000 Bauten aufweist. Ca. 10.000 Gebäude sind noch nicht ausgegraben. Das Zentrum Tikals bildet der "Große Platz". Er wird u.a. eingerahmt von den Tempeln I und II, die mit 47 m und 40 m Höhe zu den höchsten Stufentempeln Zentralamerikas zählen. In der Ausrichtung und Dimensionierung der Gebäude finden sich Hinweise auf eine Codierung der Mayakalender.  Die Ursachen für den Kollaps der gesamten Maya-Zivilisation um das 9. Jh. ist bis heute nicht  geklärt.  Dieser mystische, geschichtsträchtige Ort gehört seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe. 

Mobirise

Guatemala  (108.888 km², 17,4 Mio. Ew., Hauptstadt Guatemala-Stadt) erklärte 1821 seine Unabhängigkeit und ist der bevölkerungsreichste Staat Zentralamerikas. Von einer bereits stark angeschlagenen Demokratie entwickelt sich das Land immer weiter in Richtung Diktatur. 56,0 % der Guatemalteken sind Mestizen, 41,7 Prozent Maya, 1,8 % Xinka. Über 20 indigene Volksgruppen zählt das Land, 53 verschiedene indigene Sprachen werden gesprochen, davon sind 22 Maya-Sprachen. Guatemala ist ein Auswanderungsland. Es besitzt die größte Volkswirtschaft in Zentralamerika, aber auch eine der ärmsten mit sehr ungleich verteiltem Einkommen. 59% der Bevölkerung leben in Armut, 13%  in extremer Armut. Die Hälfte der Kinder sind chronisch mangelernährt. Die Schulpflicht beträgt sechs Jahre, deren Missachtung  jedoch nicht bestraft wird.

Mobirise

 Wir:  erreichen "Sayaxché" über "El Subin". Dort endet abrupt die Carretera 5 und geht in einen steilen, mit Schutt bedeckten Abhang über. Brigitte und ich können die schweren Motorräder auf dem losen Untergrund kaum bewegen und fahren jeweils auf die Fähre, vor der wir zufällig gelandet sind. Getrennt lassen wir uns über den ca. 50 m breiten "Río La Pasión" transportieren, drehen schweißnass unsere Motorräder auf den schmalen Fähren um die Achse und werden dabei  gefühlt von der halben Stadt neugierig bei diesem Kraftakt mit unseren "Big Bikes" beobachtet. Auf kerzengerader Straße durchqueren wir erst viele Kilometer lang große Acker- und Weideflächen, gespickt mit grünen Hügeln, die uns an die noch nicht ausgegrabenen Stätten in "Tikal" erinnern, später gigantische Ölpalmenplantagen. Endlich kurven wir in die grünen Berge, vorbei an kleinen Dörfern, in denen die indigene Bevölkerung in ihren farbigen Trachten direkt am Straßenrand jede erdenkliche Ware verkauft, Essen brutzelt und verspeist oder in den Bächen Wäsche wäscht und plantscht. Beim Abheben von GTQ in "Cobán" verschwindet meine Visakarte im ATM und Geld gibt es auch keines. Nach viel Stress erhalte ich meine Karte zurück und Visa annulliert Tage später den nie abgehobenen Betrag. Eine schmale, durchlöcherte Straße führt uns weiter durch die Berge nach "San Cristobal Verapaz", dann offroad, später auf exzellentem Asphalt bis "San Miguel Uspantán". Bis auf 2.000 m folgen wir einer "Schweizer-Käse-Straße" durch eine herrliche Berglandschaft mit ärmlich wirkenden, fast ausgestorbenen Dörfern, vielen abgemagerten, wilden Hunden und unzähligen "Túmulos". Kurz vor "Santa Cruz del Quiché" leiten uns unsere Navis auf einen extrem steilen, mit feinem Sand gepuderten und doch steinigen "Feldweg" mit unzähligen Haarnadelkurven ins tief gelegene Tal der "Sierra Madre". Wir sind irgendwo im Nirgendwo, unsere Navis zeigen keine Route mehr an, vor uns führen mehrere Wege erneut steil in die Berge. Wir sind völlig einsam und können uns bei niemandem nach der korrekten Richtung erkunden. Im bunten Wochenmarkt von "Santa Maria Chicimula"  tauchen wir, ohne Umfaller nach über 30 km, unerwartet aus der Einsamkeit wieder auf. Vor uns lösen sich aus dem ständigen Dunst die beeindruckenden Spitzen der Vulkane  "Cerro Quemado", "Santa María" und "Siete Orejas" und unter uns erblicken wir Guatemalas zweitgrößte Stadt "Quetzaltenango", kurz "Xela" genannt. Im Jahr 1902 zerstörte der jetzt ruhende Vulkan "Santa María" die Stadt fast vollständig. Beim Wiederaufbau wurde architektonisch versucht,  an die Größe des vergangenen Jahrhunderts anzuknüpfen. Die neoklassizistischen Gebäude in der Altstadt um den "Parque Centroamérica" erinnern an vergleichbare Kolonialstädte, zumindest was den fehlenden Bauunterhalt betrifft. Doch anstatt das Zentrum näher zu besichtigen, versacken wir mit Francesco und Marvin im Cafe von Max, diskutieren viel über das Leben in Guatemala und verabschieden uns von dem intellektuelle Trio erst, als wir unser Hotelzimmer räumen müssen. Auf vierspuriger Straße verlassen wir "Xela", tauchen übergangslos ins hektische "Almolonga" ein und werden vor einem Unfall gewarnt, bei dem ein junger Motorradfahrer kurz vorher tödlich verunglückt sein muss. Die Autofahrer in Guatemala sind teilweise extrem aggressiv unterwegs und auch wir haben schon die eine oder andere Schrecksekunde erlebt. Unsere Navis leiten uns erneut über kleine, schlechte Sträßchen, mal mit, oft auch ohne Teerbelag, durch wuselige Maya Dörfer mit unendlich vielen, kreuz und quer rasenden Mopedfahrern. Erst ab "Mazatenango" können wir wieder Strecke machen, in "Cocales" biegen wir ab und erklimmen erneut die Berge auf bis zu 2.400 m und kalten 18 Grad C. Plötzlich taucht vor uns der "Lago de Atitlán" auf und viele Kurven später holpern wir über die gepflasterten Gassen von "San Pedro la Laguna". Ein schmaler, ungepflegter Fußweg führt zur  "Spanish Community School". Freundlich begrüßt mich "Lorenzo", mein späterer Lehrer, in einem gepflegten Garten. Wenige Minuten später folgen wir "Edgar" auf seiner kleinen Honda in die steilen Dorfgassen und parken unsere schweren Motorräder mühsam auf einem ebenen Stück Erde. Seine Frau "Ana" zeigt uns unser Zimmer mit Dachterrasse und Coachgarnitur, in dem wir die nächsten drei Wochen leben und lernen werden.

Wir:  wohnen in einem mächtigen 3-geschossigen Haus zusammen mit "Egdar", "Ana" und "Ysenia", die aus einem entfernten Mayadorf stammt und "Ana" bei der täglichen Arbeit unterstützt. Neben unserem Zimmer vermietet die Familie 3 weitere Räume an Schüler der "Spanish Community School". Wir werden in den drei folgenden Wochen das große Vergnügen haben, uns mit den Backpackern Sophia, Leonie, später Charly, Jana, Alexandra und Silas aus Bern anzufreunden, auszutauschen und sie auf ihren weiteren Reisen medial begleiten zu dürfen. Der Tagesablauf während der Woche ist klar gegliedert: 6:45 aufstehen, 7:15 Frühstück, 8-12:15 Schule, 13:00 Mittagessen, mittags meist Hausaufgaben erledigen und Vokabeln büffeln, 18:30 Abendessen. Die Schule befindet sich auf einem schmalen, schön eingewachsenen Grundstück direkt am "Lago de Atitlán". In ca. einem Dutzend, teils 2-stöckigen, offenen "Stationen", ausgestattet mit Tisch, zwei Stühlen und Tafel, wird gelernt. In einem Funktionsbau sind Anmeldung, "Cafeteria" sowie die sanitären Anlagen untergebracht. Mein Unterricht ist sehr Grammatik lastig. Meine vordere linke Gehirnregion für das Merken von Vokabeln und meine rechte für deren Wiedergabe sind wohl im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entweder außer Übung gekommen oder überlastet. Lorenzo und ich reiben uns aneinander auf. Denn seine hohen Erwartungen, mir rasch das spanisch Sprechen mit korrekter Grammatik beizubringen, mag ich beim besten Willen nicht erfüllen. Und das wiederum frustriert mich. Ähnlich geht es Brix, die nach einer Woche das Handtuch wirft, um sich autodidaktisch, in ihrer Geschwindigkeit, Spanisch anzueignen. "San Pedro la Laguna" liegt am südwestlichen Ufer des mit ca. 130 km² zweitgrößten guatemaltekischen Sees "Lago de Atitlán" und ist in den letzten Jahren aufgrund mehrerer Spanischschulen, seines Nachtlebens und seiner Nähe zum See und zu den Vulkanen zu einem attraktiven Touristenziel geworden. Die Stadt teilt sich in ein Touristenviertel mit der "Calle des gringos" und den Wohngegenden der meist indigenen Bevölkerung auf. Von der Schule werden Ausflüge angeboten: mit einem offenen Truck werden wir ins Nachbardorf "San Juan" zu einer Imkerei transportiert.  Wir nehmen an einem Kochkurs für authentisch guatemaltekisches Essen teil und lernen in einer Schokoladenfabrik die Herstellung von Schokolade kennen. "Edgar" und "Ana" sind um unser Wohl sehr bemüht. Unser Essen ist schmackhaft, gesund und wiederholt sich in den drei Wochen nicht. Mit "Ana" besuchen wir einen örtlichen Gottesdienst, bei dem wir persönlich vorgestellt werden.  Per Tuk Tuk "tuckern" wir nach "San Juan" zum "Casa del Tejido" einer "Colectiva" von 15 Frauen, die in Handarbeit ihre eigenen Stoffe sowie Kleidung, Schals, Taschen etc. herstellen. Sehr ausführlich werden uns die umfangreichen Arbeitsprozesse erläutert. Um 3:50 läutet der Wecker, denn heute besteigen wir gemeinsam "The nose of the Maya", dessen Bergprofil dem eines schlafenden Indianers ähnelt. Von der Nasenspitze aus erleben wir einen herrlichen Sonnenaufgang über dem "Lago de Atitlán" mit Blick auf die Vulkankegel von "Tolimán", "Atitlán" und "San Pedro". "Ana" hat die örtliche Tracht für "ihre" Mädels auf den Gipfel hochgeschleppt. Die hübschen  "Gringas" werden auch von den Guatemalteken bewundert und vielfach fotografiert. Brigitte und ich schippern ins gegenüberliegende "San Pablo", wo seit Tagen gefeiert und "bombas" gezündet werden. In kurzen Stahlrohren stecken in braunes Packpapier eingewickelte "Sprengsätze", die an der Lunte angezündet werden. Die Explosionen sind ohrenbetäubend laut. Die "bombas" werden auch zu Ehren eines mit einer Maria und vielfarbigen Blumen geschmückten schweren "Sargs" gezündet, der zentimetergenau und mit der Muskelkraft von ca. 20 Jünglingen durch das Portal der "Saint James Apostel Kirche" gehievt wird. Die schmalen Gassen sind neben vielen Verkaufs- und Fressständen mit Hüpfburgen, Riesenrädern und Karussells zugestellt. Nicht minder ohrenbetäubend dröhnt die Musik zu den in kreativ schrillen Farben und mit starren Holzmasken verkleideten, tanzenden Maya. Ganz anders präsentiert sich dagegen "San Marcos", das sich der Ruhe, dem Yoga und der Spiritualität verschrieben hat. Die Hauptgasse vom Landesteg in den kleinen Ort ist durch Yogastudios und vegane Restaurants geprägt, der ganze Vibe spiegelt den Charakter dieses auch von Aussteigern besiedelten Ortes wieder. Doch der Höhepunkt unserer Zeit am "Lago de Atitlán" ist sicherlich der Besuch des größten traditionellen Marktes in ganz Zentralamerika, in  "Chichicastenango", liebevoll auch "Chichi-Markt" genannt.

Mobirise

Wir:  frühstücken früh, denn um 7:00 fahren wir bei regnerischem Wetter in einem "Colectivo" knapp 60 km durch eine bergige Region zum  farbenfrohsten  Markt Amerikas, der jeweils  donnerstags und sonntags stattfindet. Die Maya kommen aus ganz Guatemala an diesen Ort, um eine Fülle unterschiedlichster, meist handgemachter Produkte zu verkaufen. Der Markt findet in den Gassen rund um die weiße Kirche "Iglesia de Santo Tomas"  (1540) statt. Die Kirche selbst ist karg und ohne Sitzbänke, die Kerzen und Weihrauchrituale, die in und um die Kirche herum durchgeführt werden, sind sehr mystisch und erinnern uns an die Zeremonien in "Chumula, Mexiko". Busladungen an Einheimischen, Touristen und natürlich wir ziehen in dem Gewimmel vorbei an den eng gestellten, mobilen Holzständen der Maya. Dort stapeln sich bunte Stoffe, die als Rohmaterial oder als Tischdecken, Platzsets und Wolldecken gekauft werden. Insbesondere die "huipils", traditionelle Kleidungsstücke, die von indigenen Frauen und Mädchen in Guatemala getragen werden und für deren Herstellung bis zu 12 Monate benötigt werden, sind in "Chichi" von Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt. Angeboten werden Holzschnitzereien, vor allem die hölzernen Zeremonienmasken, die bei traditionellen Maya-Tänzen verwendet werden, sowie Lederwaren wie Schuhe, Stiefel, Gürtel und Hüte, handgefertigter Schmuck (vor allem Jade und Silber), Räucherstäbchen und Kerzen, Heilpflanzen und weiteren Souvenirs. Auch die Töpferei ist ein wichtiger Bestandteil des Marktes in "Chichicastenango" mit handgefertigten Terrakotta-Vasen, Krügen, Schüsseln, Kerzenhalter und sonstigen Haushaltsgegenständen. Manch eines dieser Gefäße sind seit Tausenden von Jahren Teil der Maya-Kultur. In zwei überdeckten Hallen wird Mais, Gemüse, Obst und Blumen, am Rande des Marktes Tiere, vor allem mit Netzen gesichertes Federvieh, feilgeboten. Viele Einheimische nutzen den Markt für ihre wöchentlichen Einkäufe. Den ereignisreichen Tag lassen wir im "Panorama Cafe" hoch über "San Pedro la Laguna" mit atemberaubenden Blick auf den "Lago de Atitlán" ausklingen. In wenigen Tagen nehmen wir Abschied von unserer ins Herz geschlossener Familie, den liebgewonnene Backpackern und dem stressigen "Lorenzo" von der "Spanisch Community School, um in die von Vulkanen umschlossene Kolonialstadt "Antigua Guatemala" (1541) zu reisen.

WIR:  fotografieren den strahlend auf unseren Motorrädern sitzenden "Edgar". "Ana" warnt uns noch, dass auf der Route um den "Lago de Atitlán" immer mal wieder "Colectivos" angehalten und ausgeraubt werden. Tolle Aussichten! Doch unbeschadet schlängeln wir uns durch die Berge um den See nach "San Antonio Palopó". Wir verlassen den See in Richtung "Patzún", als abrupt die bisher hervorragende Straße endet. Der reißender Fluss muss die Straße in der Regenzeit weggerissen haben, seither wurde daran nichts mehr repariert. Die Umfahrung hätte uns viel Zeit gekostet. Wir lenken doch GS (Gelände/Straße), also nichts wie durch das tiefe, steinige Bachbett! In "Patricia" vespern wir Pizza, danach springt Brigittes 750 GS zum wiederholten Male nicht an. Wir checken alle Kontakte, ein letzter Versuch und die Lichter blinken auf, als gäbe es nie ein  Problem. Um "Antigua Guatemala" ragen die drei Spitzen der Vulkanen "Agua", "Acatenango" und dem aktiven "Fuego" eindrücklich in die Höhe. Den Stadtkern des sehr touristischen "Antiguas" bildet der für eine koloniale spanische Stadt typische "Parque Central", von dem die schmalen Straßen rechtwinklig wegführen. Viele Straßenverkäufern bieten laut und oft aufdringlich ihre typischen, guatemaltekischen Souvenirs an. Die Stadt wurde im Juni 1773 durch ein schweres Erdbeben völlig zerstört.  1976 richtete ein schweres Erdbeben erneut große Schäden an, nach wie vor zeugen zahlreiche halbzerstörte Barockkirchen von dieser Naturkatastrophe. Doch nicht umsonst ist "Antigua" seit 1976 UNESCO Weltkulturerbe: Dutzende von historischen Kirchen, Klöstern, beeindruckende spanische Kolonialbauten mit teils sehr bunten Fassaden und kunstvoll verzierten Holzschnitzereien, interessante Museen, urige Gärten, bunte Märkte, aber auch viele Cafés, Restaurants und Souvenirshops laden uns zum entspannten Bummeln durch die kopfsteingepflasterten Gassen ein. Das Wahrzeichen und das wohl meistfotografierte Motiv in der Stadt ist der gelbverputzte Bogen "Santa Catalina". Nach einem ca. 20 minütigen Aufstieg offenbart sich vom Aussichtspunkt  "Cerro de la cruz"  ein großartiges Panorama über Antigua und die umliegende (Vulkan-) Landschaft, insbesondere des in kurzen Abständen Vulkanasche ausstoßenden "Fuegos".  In 3 Tagen haben wir die Besteigung des "Acatenango" gebucht. Doch auf unserer Reisen kommt es mal wieder anders als gedacht: zuerst erwischt mich die Grippe mit Fieber und starkem Husten, dann folgt mir Brigitte mit ähnlichen Symptom. Erst nach 11 Tagen wagen wir, Brigitte noch immer Antibiotika schluckend, die herausfordernde 2-tägige Besteigung des "Acatenangos".

Der "Acatenango" ist ein Stratovulkan (aus einzelnen geologischen Schichten von Lava und Lockermassen aufgebauter Vulkan, erkennbar an der spitzkegeligen Form) mit zwei Hauptkratern nahe der Stadt "Antigua" mit 3.976 m Höhe. Er  bildet zusammen mit seinem Zwilling, dem "Volcán de Fuego", den Vulkankomplex "La Horqueta".  Die einzigen in historischer Zeit beobachteten Eruptionen erfolgten von 1924 bis 1927 sowie im Dezember 1972 mit Aschefall bis in 25 km  Entfernung. Der Vulkan bedroht mit riesigen Gerölllawinen bis zu 300.000 Einwohner. Ablagerungen solcher Ereignisse lassen sich noch in einer Entfernung von 50 km um den Vulkan feststellen und bedecken ca. 300 km². Der benachbarte  "Volcán de Fuego" ist einer der aktivsten Vulkane in Guatemala. Sein letzter große Ausbruch fand im Juni 2018 statt. Dabei starben 114 Menschen.

Mobirise

WIR:  haben die Besteigung des Vulkans wegen unseres Gesundheitszustandes mehrfach umbuchen müssen. Nach fast 30 min Warterei seit 7:00 Uhr vor unserem Hotel werden wir nervös: wurde unsere Abholung vergessen? Endlich sitzen wir in einem klappriger VW-Bus mit 8 Jugendlichen und heben mal wieder den Altersdurchschnitt deutlich an. Nach 60 min. Fahrzeit durch die Außenbezirke "Antiguas" landen wir bei "Asoava Tours", einer hiesigen Organisation, die wir uns bewusst ausgesucht haben. Nach einem herzhaften Frühstück werden wir und 18 weitere "Bergbesteiger" mit unserer Leihausrüstung (Rucksack, Wanderstöcke) auf 2.400 m transportiert. Sofort führt ein mit Vulkangestein sehr rutschiger Weg steil bergan. Untrainiert und von der Grippe geschwächt fragen wir uns, wie wir heute die anstehenden 1.200 Höhenmeter ins Basislager schaffen sollen? Ein langer Zug an Wanderern quält sich mit uns die durch den Wald führenden, steilen  Serpentinen nach oben. Die Höhe macht sich zunehmend bemerkbar und die Verschnaufpausen häufen sich. Auf 3.300 m stürzen wir uns auf unser Mittagessen, doch anschließend zittern die Beinmuskeln wie Wackelpudding. Nach fünfeinhalb harten Stunden erreichen wir unser Basislager, das aus einem überdachten Gemeinschaftsbereich und acht mit Wellblech gedeckten Zeltstrukturen für je 4 Personen besteht. Wir teilen unser archaisches Nachtlager mit zwei jungen Amerikanerinnen. Die Luftmatratzen sind löchrig, ergo, wir werden auf dem harten Erdboden schlafen und die Schlafsäcke sind uralt, mit kaputten Reisverschlüssen und seit langem ungewaschen. Doch diese traumhafte Aussicht auf den Rauch, im Dunkeln Feuer und Lava speienden "Fuego" entschädigt für alles. Lange sitzen wir staunend in der wärmenden Nachmittagssonne  und sind von dem Schauspiel völlig hingerissen. Kaum verschwindet die Sonne, wird es eisig kalt. Am knisternden Feuer werden wir mit Reis, Guacamole und -wie kann es anders sein- Linsen verwöhnt, ein Glas billiger Whiskey rundet das Abendmahl ab. Wir sollten schlafen, denn morgen brechen wir früh zum Gipfel des "Acatenango" auf. Doch der Funkenflug der ausgestoßenen Lava, die in rotglühenden Strömen spektakulär den Hang hinunter fließt, fasziniert uns bis tief in die Nacht. An erholsamen Schlaf ist auf dem harten Boden sowieso kaum zu denken. Um 4.00 werden wir geweckt, um die restlichen 400 Höhenmeter zum Sonnenaufgang auf den Gipfel zu erklimmen. Wir stapfen durch loses, rutschendes Vulkangestein einen sehr steilen Pfad hinauf. Es ist noch stockdunkel und über uns glitzert ein gigantischer Sternenhimmel. Nach 30 min. kehrt Brigitte zurück zum Basislager. Noch immer ist sie sehr geschwächt durch die kürzlich überstandene Grippe. Zu ihrem Glück, denn nachdem ich mich 90 min lang auf den 3.976 m hohen "Acatenango" hinaufgeschleppt habe, empfangen mich und viele andere erwartungsvolle Frühaufsteher nicht nur eiskalte Temperaturen und ein stürmischer Wind, sondern auch eine dichte Nebelwand, durch die weder die aufgehende Sonne, noch der "Fuego" zu sehen sind. Brigitte erlebt dagegen unterhalb der Wolken einen spektakulären Sonnenaufgang mit dramatisch über den "Fuego" dahinziehenden Wolkenbänke, die die Spitze des Vulkans wie mit Watte umhüllen. Nachdem ich vom Gipfel zum Basislager durch das Vulkangestein vergleichbar zum Tiefschneesurfen hinabgeschlittert bin, erwartet uns ein Frühstücksmüsli, bevor mit unseren vollgepackten Rucksäcken den Heimweg antreten. Mehr rutschend als gehend und mit schmerzenden Oberschenkelmuskeln erreichen wir am Nachmittag unser Hotel in "Antigua". Geschafft!  Voller Stolz aber unglaublich müde, feiern wir am Abend die harterkämpfte Gipfelbesteigung des "Acatenangos" mit einem kühlen Sauvignon Cabinet in einer hervorragend bestückten Weinbar in der wunderschönen Altstadt.

Mobirise
Mobirise

Wir:  wollen uns trotz unseres gigantischen Muskelkaters die eindrucksvolle Prozession "Jesús nazareno de la Salvación" in der heute beginnenden "Semana Santa" nicht entgehen lassen. Seit dem 17. Jh. wird der Tod und die Auferstehung Jesus nachgestellt. Die Prozession beginnt in der Kirche "Escuela de Christo" und führt vom frühen Morgen bis in den späten Abend durch die gesperrten Straßen der verschiedenen Stadtteile, vorbei an den wichtigsten Kirchen "Antiguas". Hunderte von "Cucuruchos" (Gläubigen) tragen, in lila Roben mit Kapuzen und weißen Handschuhen (Männer-lila ist die Farbe der Buße und Reue) oder schwarzen Kostümen (Frauen) gekleidet, mit großer körperlicher Hingabe die schweren "Andas"  (Plattformen), die mehrere Tonnen wiegen können und auf der u.a. die Statue des "Jesús nazareno de la Salvación" thront. Begleitet wird die Prozession von melancholischer Musik spielenden Musikgruppen und Teilnehmern in traditioneller Kleidung, die biblische Szenen darstellen. Die Prozession ist ein Symbol für die Opferbereitschaft und Buße und lässt die Teilnehmern ihren Glauben und ihre Hingabe auf eindrucksvolle Weise demonstrieren. Die Luft ist getränkt von Weihrauch. In kurzen Abständen zieren kunstvolle  "Alfombras" (Blumenteppiche) mit religiösen Symbolen, geometrischen Mustern oder Bilder von Heiligen die Straßen, über die die Prozession hinwegzieht. Die wunderschönen, aufwändig erstellten Teppiche sind ein Opfer und eine Ehrerbietung an den Glauben, da sie nach dem Durchzug der Prozession zerstört und von der städtischen Reinigung unmittelbar entfernt werden. Vor der "Catedral San José" kommt der Zug ins Stocken und die Statuen sowie die Teilnehmer und Zuschauer werden gesegnet. Wir erleben eine für uns äußerst eindrucksvolle Darbietung der tiefverwurzelten Religiosität in Guatemala. Wehmütig entfernen wir die mit einer feinen Vulkanstaubschicht bedeckten Abdeckplanen über unseren Motorrädern. Der Abschied von Jorge und seiner Frau ist äußerst herzlich, denn sie haben uns, mit großer Anteilnahme an unseren angeschlagenen Gesundheitszuständen, über zwei Wochen in ihrem gemütlichen Hotel beherbergt. Über grobes Kopfsteinpflaster hoppeln wir ein letztes Mal durch das liebgewonnene "Antigua" nach "Escuintla", lange begleitet von dem Blick auf die drei Vulkane "Aqua", Acatenango" und "Fuego". Auf einer breiten Straße bewegen wir uns auf Meereshöhe bei Temperaturen weit über 30 Grad C parallel zum Pazifik zur Grenze El Salvadors. Kurz davor biegen wir auf schmaler, kurviger Straße bis auf 1.250 m in die braungelben Berge nach "Jalpatagua" für unsere letzte Übernachtung in Guatemala ab. 

El Salvador

El Salvador (21.041 km², 6,5 Mio. Ew., Hauptstadt San Salvador) erklärte 1821 seine Unabhängigkeit. Das Land entspricht der Größe Hessens und ist durch eine Kette von Vulkanen geprägt. Höchster Vulkan ist "Santa Ana" mit 2.365 m. Ca. 90 % der Bevölkerung sind Mestizen. 48 % der Bevölkerung El Salvadors leben unterhalb der Armutsgrenze. In der Zivilgesellschaft besteht, wie in vielen Ländern Lateinamerikas, ein großes und nicht mit Europa vergleichbares Wohlstandsgefälle. Hohe Korruption behindert das Funktionieren der demokratischen Institutionen und die volle Wahrung der Bürgerrechte. Juni 2024 wurde der Ex-Bürgermeister San Salvadors, "Nayib Bukele", zum Präsidenten wiedergewählt. Er ließ ca. 70.000, vor allem junge Männer per Notrecht verhaften, die kriminellen Banden angehören sollen. Seine Popularität gründet sich auf der verbesserten Sicherheitslage.

Mobirise

21.02.2024-"Las Chinamas" Wir:  stehen in einer langen Schlange und warten auf unsere Ausreisestempel aus Guatemala. Für die Ausfuhr unserer Motorräder verlangt die junge Beamtin immer wieder neue Kopien unserer offiziellen Dokumente. Das ist nervig, vor allem da die Temperaturen bereits früh am Morgen die 30 Grad C überschritten haben. Über die "El-Jobo-Brücke" oberhalb des "Rio Paz" erreichen wir El Salvador. Wieviel Zeit wollen wir im kleinen El Salvador verbringen? Zack, 180 Tage stempelt die nette Zollbeamtin in unsere Visa. Nach knapp zwei Stunden rollen wir nach "Ahuachapán" und damit dem Auftakt der "Ruta de las Flores". Die hervorragend ausgebaute kurvige Blumenroute durch das "Apaneca-Ilamatepeq-Gebirge" ist berühmt für ihre großen Kaffeefelder, Wasserfälle und kleinen, blumengeschmückten Dörfer mit vielen Märkten, auf denen Kunsthandwerk oder lokale Speisen angeboten werden. Vor allem im Mai soll die Straße wegen der blühenden Kaffeebäume spektakulär in Weiß erstrahlen. Wir besuchen das ruhige Dorf "Juayua" mit der zentralen weißen Kirche "Santa Lucia" und ihrem Lebensmittelmarkt, auf dem traditionelle Gerichte wie Suppen, Yuca mit Schweinefleisch, Meeresfrüchte, Ananas mit Rum oder Tamales serviert werden. Von "Sonsonate" aus fahren wir auf kurviger Bergstraße  in das historische "Santa Ana" mit schöner kolonialer Architektur, das bereits im 5. oder 6. Jahrhundert n. Ch. von den Mayas gegründet wurde. Südlich der Stadt lockt der Vulkan "Santa Ana" oder "Ilamatepec" (2.356 m) mit seinem smaragdgrün schimmernden Kratersee. Mit dem Chickenbus rollen wir und ca. 20 weitere Gringos in Richtung Vulkan. Wer am Straßenrand den Finger hebt, darf mitfahren und drängt sich rein. Da sich keiner in die Busmitte bewegt, "ertrinken" wir auf unseren vorderen Plätzen in schwammigen Bäuchen und Busen. Der in die Jahre gekommene ehemalige amerikanische Schulbus ächzt zu einem Berggrat hoch. Von dort eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf den runden Vulkansee  "Lago de Coatepeque". In ca. 1.800 m Höhe leert sich der Bus schlagartig und in Kleingruppen wandern wir den staubigen, später mit losen Lavasteinen bedeckten Pfad zum Kraterrand hoch. Der Blick in den mit ca. 45-55 Grad heißen, brodelnden  "Lago de Coatepeque", über den dünne Dunstwolken schweben und auf das gelbbraune Vulkangestein ist wahrlich atemberaubend. Doch auch die Aussicht über den Nationalpark "Cerro Verde mit gleichnamigem Vulkan sowie auf die benachbarte "Calatea Coatepeque" und den Vulkan "Izalco" ist trotz des ständigen Dunstes einzigartig. Ein erlebnisreicher Tag klingt vor der Kulisse der 1913 fertig gestellten und von  neugotischen Kathedralen Europas inspirierten "Catedral de Santa Ana" bei heißer Reggae-Musik aus. Auf staubiger, löchriger Piste chauffiert uns "Eric" zum "Salto Malacatiupán mit den ca. 12 m hohen Wasserfällen. Der Fluss führt heißes Thermalwasser. Doch kleine schwarze Würmer, die das warme Wasser gleichfalls schätzen, lassen uns rasch die nächste Sehenswürdigkeit aufsuchen: die Ruinenstätte von "Tazumal", die wichtigste Maya-Stätten in El Salvador. Sie wurde in den 1950er Jahren restauriert bzw. rekonstruiert und in Erinnerung an den ehemals vorhandenen Stucküberzug mit Zementputz verkleidet. Nach den vielen überwältigenden Maya Ruinen in Mexiko sind wir von der kleinen Anlage wenig  beeindruckt. Wie viele der Einheimischen verbringen wir einen gemütlichen Sonntag am kühleren Vulkansee  "Lago de Coatepeque", zu dem wir wieder mit dem Chickenbus schleichen. Bei ohrenbetäubender Rock ’n’ Roll Livemusik der 50er Jahre, aber mit herrlichem Ausblick auf den blauen See, vespern wir ortstypische "Pupusas", Maistortillas, die mit verschiedenen Zutaten wie Käse, gebratenen Bohnen oder Schweineschwarte gefüllt sind. Dazu wird  "Curtido", ein eingelegter Krautsalat mit Chili und Tomatensoße serviert. Und weil wir den Tag wie die Einheimischen verbringen, gönnen wir uns noch eine Schifffahrt auf der 2-stöckigen "El Ferry de las Palmeras". An den ehemaligen Kraterwänden kleben moderne und für den Großteil der Bevölkerung unerschwingliche, architektonisch durchaus anspruchsvolle Wochenendhäuser.

Wir: folgen kleinen, kurvigen Landstraßen durch eine vertrocknete Berglandschaft, bevor wir uns in den heftigen Verkehr im heißen "San Salvador" stürzen. Bei "Mototech" montiert uns Pedro und seine Crew fachmännisch den 3. Satz "Heidenau K60 Scout", liest unsere Motorräder zur Fehlersuche aus und, was die deutschen Kollegen nicht schafften, montiert trotz Brigittes Spezialspeichenfelgen ein RDS (Reifendruckmesssystem) das er mit der BMW Software verbindet. Chapeau! Der Heidenau und Touratech Vertreter Mario folgt uns zum Hotel und chauffiert uns anschließend  mit seinem 4-Wheel auf den inaktiven, 1.820 m hohen, unspektakulären "San Salvador Vulkan". Spektakulärer ist dagegen seine blutjunge, hübsche Freundin "Claudia", die uns Mario bei dem gemeinsamen Fischessen stolz präsentiert. Das Uber Taxi lädt uns an der "Catedral metropolitana de San Salvador" ab und während einer Free-Walking Tour führt uns Eric durch die historische Altstadt von "El Salvador" (1525). Zwischen die heruntergekommenen Kolonialgebäude wurden oft unsensibel moderne Bürogebäude reingezwängt. Am zentralen "Parque Nacional El Boqueron" stehen sich die Kathedrale (1956-96) und die von China mit Spenden finanzierte, moderne, siebenstöckige "Biblioteca Nacional de El Salvador" (seit 2023, 24.000 m², 360.000 Bücher) gegenüber. Abseits von traditionellen Lesebereichen stellt sie Flug- und Drohnensimulationen, Robotik, 3D-Scanner sowie einen Simulationsbereich für angehende Medizinstudenten zur Verfügung. Architektonisch tief beeindruckend ist die "Iglesia del Rosario" mit ihren chromatischen Buntglasfenster, die ab 1962 von dem Architekten und Bildhauer Rubén Martínez entworfen und 1971 fertiggestellt wurde. Zum Abschluss unseres "San Salvador" Besuchs nehmen wir an einer Führung durch den neoklassizistischen "Palacio Nacional" (1911) teil, dessen harmonische Architektur sich durch eine Kombination der hellenischen, ionischen und korinthischen Ordnung erklärt. Die verwendeten Materialien wurden überwiegend aus Europa importiert. Bevor wir die Hauptstadt bei hohem Verkehrsaufkommen schwitzend verlassen, senden wir unsere Drohne mit DHL nach Panama City, da ihre Mitnahme in Nicaragua strengstens untersagt ist. Wir sind auf der teils vierspurigen, öden Panamericana unterwegs. Im Süden zeichnen sich mehrere Vulkane im Dunst der hügeligen, vertrockneten Landschaft ab. Das Angebot der Straßenhändler ändert sich ständig: Kaffeebohnen folgen Mangos, nach Maiskolben werden Schaukelstühle oder farbige Betonfiguren etc. angepriesen.  Unser Hotel in "Santa Rosa de Lima" überrascht uns mit einem zwar warmen, aber ungeheuer entspannenden Swimmingpool. Als wir nachts durch die leeren Gassen zurück zum Hotel schlendern, attackiert uns eine Meute aggressiver Straßenköter. Prompt ist die Spannung zurück! Glücklicherweise lassen sich die Hunde durch angedeutete Steinwürfe und Schreie einschüchtern. Das hätte böse enden können...

Honduras

Honduras  (112.492 km², 10,5 Mio. Ew., Hauptstadt  Tegucigalpa) erklärte 1821 seine Unabhängigkeit. Der überwiegende Teil der honduranischen Bevölkerung sind Mestizen. Honduras ist neben Haiti eines der ärmsten Länder Mittelamerikas. Der größte Teil der Bevölkerung (80 %) lebt an oder unter der Armutsgrenze. Viele Honduraner wandern ins Ausland aus, vornehmlich in die USA. Nahezu 20 % des honduranischen Staatshaushalt entfallen auf Bildung- und Erziehung.  Der Analphabetismus  liegt bei 11,5 %. Es besteht eine Schulpflicht für Kinder zwischen 7-12 Jahren. Das Land verfügt zwar über ein Mehr-Parteien-System, die politische Stabilität wird durch Korruption, institutionelle Schwächen und die allgegenwärtige Gewalt bedroht. Heute ist Honduras von (Jugend-) Bandengewalt geprägt, deren Ausmaß einen kriegsähnlichen Zustand erreicht hat.

Mobirise

01.03.2024-"Santa Rosa de Lima" WIR:  wachen durch lautes Hundegebelle und Hahngekrähe auf und fahren früh am Morgen die 16 km an die Grenze nach Honduras. Stets bieten sich Helfer an der Grenze für die Formalitäten an, die wir heute nutzen. Nach der unproblematischen Ausreise aus El Salvador, fällt auf honduranischer Seite der Strom aus. Die Zollbeamtin schnappt sich unsere Papiere und läuft kurz nach El Salvador, um der Bürokratie genüge zu tun. In weniger als zwei Stunden besitzen wir Visa (30 Tage) und TIP.  Auf einer komplett neuen, vierspurigen Überlandstraße rollen wir durch eine gelbbraune Hügellandschaft mit geringer Besiedelung nach Norden. Von der alltäglichen Gewalt insbesondere in den Großstädten Honduras haben wir gehört. Die meisten Reisenden durchqueren das gefährliche Land zwischen El Salvador und Nicaragua in einem Tag. Doch stimmen die Gerüchte? Ein wenig mulmig ist uns schon zumute, als wir am Straßenrand frühstücken. Doch wir werden sofort fröhlich angelacht, lachen zurück und das Eis mit Honduras ist gebrochen. Von "Comayagua" - "Siguatepeque" erreichen wir über eine vierspuriger, sehr kurvige Straße "Peña Blanca" nahe des "Lago de Yoipa". In einem "Dschungel" verstecken sich mehrere Hütten. Unter einem offenen Dach speisen wir an mit Kerzen romantisch dekorierten Tischen neben einer großen Feuerstelle. Abends, bei leiser Jazzmusik, treffen sich am funkensprühenden Feuer Backpacker und Expats (inkl. zwei deutsche Motorradfahrer) aus aller Welt und tauschen ihre oft abenteuerlichen Erlebnisse aus. Durch Zufall begegnen wir erneut der belgischen Barbara aus "Santa Ana/Gent", mit der wir auf dem wunderschönen "Lago de Yoipa" herumpaddeln. Kilometerlang quälen wir uns auf staubiger Straße zurück zur Überlandstraße CA 5, nur um in "El Progreso" bei über 40 Grad C in einem zweistündigen Stau dahinzuschmelzen. Nach "Teila" durchqueren wir eine wunderschöne Landschaft mit riesigen Bananen- und Ananasplantagen sowie Palmenhainen unterhalb einer bizarr bewaldeten Berglandschaft. Ausgerechnet in "La Ceiba", das eine der höchsten Mordraten der Welt aufweist, lassen wir unsere Motorräder und unsere  Motorradausrüstung (abgesichert in einem Hotel) zurück, um per Schnellboot auf die kleine karibische Insel "Utila" mit ca. 3.000 Ew. zu schippern. Heute bietet der ehemalige Piratenunterschlupf viele Tauchschulen vor allem für die junge, überwiegend weibliche Bachpacker Community an. Schöne Strände sind dagegen rar. Doch der private "Bando Beach" mit weißem Sandstrand, schattenspendenden Palmen und azurblauem, klarem Wasser besitzt dieses "Bacardi-Flair, wären da nicht die Sandflöhe, die vor allem Brigitte massiv attackieren. Eine Herde an Delfinen begleitet unsere knapp 30 minütige Bootstour zu der "Utila" vorgelagerten und  unbewohnten Insel  "Water Cay", die nicht viel größer als ein Fußballfeld ist. Einen halben Tag schnorcheln wir entlang eines leider auch schon dem Untergang geweihten Riffs mit dennoch farbenprächtigen Fischen im irreal durchscheinend wirkenden warmen Wasser der Karibik. Oder wir entspannen, Sandfloh frei, unter dem satten Grün der Palmen und saugen diese malerische Atmosphäre des winzigen Paradieses in uns auf. Zum letzten Mal taucht die Sonne hinter "Utila" ab, so dachten wir, und ihre Strahlen verwandeln die Wolken in eine glühend rote und orangene Silhouette. Wow!!! Überpünktlich stehen wir am Fährhafen, wundern uns, dass wir die einzigen Reisenden sind und entdecken das sich rasch entfernende Schnellboot am fernen Horizont. Ohne uns zu informieren, wurde die Abfahrtszeit vorverlegt und "zwingt" uns, eine weitere Nacht im "Paradies" zu verbringen. 

Wir: tuckern auf schlechter Piste durch ein breites Tal mit gigantischen Ölbaum- später Bananenplantagen über "Japón"-"Sabá" ins quirlige "Tocoa". Kurz bevor sich der Verkehr zu stauen beginnt, fängt es heftig zu regnen an. Ein Unfall? Mehrere Kilometer lang schleichen wir uns an der Fahrzeugschlange vorbei. Einige Fahrer haben es sich bereits in ihren Hängematten bequem gemacht. Quer über die Straße versperrt ein mit dicken Zweigen abgesichertes blaues Zelt die Weiterfahrt. Drumherum steht eine heftig diskutierende Traube an Männern. Wir erfahren, dass die Straße seit 5:00 Uhr morgens unpassierbar und ein Ende der Blockade nicht absehbare ist. Unser nächstes Ziel "Colonia" hätten wir nach wenigen Kilometern hinter der Sperrung erreicht. Warum gestreikt wird, können uns auch die passiv herumstehenden Polizisten nicht nachvollziehbar erklären. Doch gerne lassen wir uns von und mit den uns sehr freundlich gesinnten Umherstehenden fotografieren und ausfragen. Warten oder einen langen Umweg fahren? Wir bekommen den Tipp einer Abkürzung auf Schotterpiste. Laut Google ist der unbefestigte Teil nur 7 km lang, doch noch immer regnet es. Am Ende holpern wir mehr als 30 km über teils sehr rutschige, rötliche Erde vorbei an kleinen Dorfstrukturen und Ackerflächen. Unterwegs winken uns die Menschen besonders freundlich zu. Vollbepackte "Big Bikes" sind in dieser entlegenen Gegend sicherlich Mangelware. Die weiterführende geteerte Straße windet sich durch eine wunderschöne, teils bewaldete, teils stark abgeholzte, intensiv grüne Berglandschaft. Der im Frühjahr intensiv rosa blühende Trompetenbaum setzt Farbakzente und erinnert uns ein wenig wehmütig an die Kirschblüte in der Heimat. In der Dämmerung erreichen wir das erstaunlich gepflegte "San Esteban". Unser Hotel liegt außerhalb des Zentrums: wagen wir einen nächtlichen, eventuell leichtsinnigen Spaziergang durch die dunklen Straßen zum Restaurant? Ja, und wir haben ihn ohne Zwischenfälle und vielen liebenswürdigen "holas" und "buenas noches" überlebt. Bei strahlend blauem Himmel starten wir in unseren letzten Tag in Honduras. An der modernen Tankstelle in "Telica" begrüßt uns die junge Rebecca mit Handschlag. Erst gestern wurde ihr Betrieb eröffnet, erzählt sie in autodidaktisch erlerntem, fließendem Englisch stolz beim Gratiskaffee und wir seien ihre ersten ausländischen Kunden. Die Landschaft in Richtung der Hauptstadt "Tegucigalpa" mit den kargen Sandböden und vereinzelt stehenden Kiefern wird zunehmend fader. In "Talanga" biegen wir auf eine breite, holprige Sandpiste ab. Nach 70 km bedeckt uns und unsere Motorräder eine dicke, braune Staubschicht. Über hunderte von Metern wirbeln auf dieser stark frequentierten Hauptader entgegenkommende oder überholende Fahrzeuge, darunter auch gigantisch große Trucks, das feine Pulver bei Sichtweiten bis unter 10 m wie Sandstürme auf.  Auf den letzten Kilometern ignorieren wir jeden Gedanken an Geschwindigkeitskontrollen und rasen über eine perfekt ausgebaute, kurvige Straße zu unserem letzten Übernachtungsort "Danli".  Ohne abgesicherten Innenhof stehen unsere mit Planen abgedeckten Bikes auf der Straße, ein immer mulmiges Gefühl!  Noch einmal begeistert uns die in diesem Land häufig erlebte Gastfreundschaft der Honduraner, als ein Hotelgast spontan die Motorräder so zuparkt, dass sie von der Straße kaum mehr wahrnehmbar sind. Und als uns in der nahen Kneipe die Lempiras fürs Bier ausgehen, lädt man uns freundlich lächelnd zum Gerstensaft ein. Die fesselnde Reise durch Honduras wollen wir nicht missen, dabei waren wir uns stets den potenziellen Gefahren bewusst.

Nicaragua

Nicaragua (120.254 km², 6,9 Mio. Ew., Hauptstadt Managua) erklärte 1821 seine Unabhängigkeit. Nicaragua ist eine Präsidialrepublik. Im April 2018 beschloss die Regierung von Präsident Ortega, die Sozialversicherung mit einer 5% Kürzung der Renten zu entlasten.  Demonstrationen im gesamten Land folgten, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Über 300 Menschen starben. Die Wahlen 2021 wurden manipuliert und inhaftierte Oppositionelle in die USA abgeschoben bei Verlust ihrer Staatsangehörigkeit. In Nicaragua kommt es zu indirekter Zensur. Aufgrund von behördlich angeordneter Materialverknappung erscheinen kaum noch gedruckte Zeitungen. Unabhängige Medienschaffende in Nicaragua stehen unter ständigem Druck. Willkürliche Festnahmen, Morddrohungen, Folter und sexualisierte Gewalt sind alltäglich.

Mobirise

Wir: sind von "Danli" aus 30 km von der Grenze Nicaraguas entfernt. In Rekordzeit von 20 min. werden wir frühmorgens aus Honduras ausgestempelt. 200 m weiter durchsuchen die nicaraguanischen Beamten Taschen und Alukoffer auf der Suche nach einer Drohne äußerst gründlich. Meine umfangreiche Fotoausrüstung wird argwöhnisch hinterfragt. Bin ich etwa ein (für das Ortega-System gefährlicher) Journalist? Wir wandern von Schalter zu Schalter und erfahren beim letzten Check, unserem TIP (Temporary Import Permission) fehle noch ein Stempel. Zurück auf Los. Nach dem Kauf der KFZ-Versicherungen öffnet sich nach über 3 Stunden endlich die Schranke nach Nicaragua. Wir fühlen uns verfolgt. Doch beim ersten Tankstopp umarmt uns der begeisterte Motorradfahrer Danny und zeigt uns freudestrahlend das Video, das er von uns die letzten 10 km gedreht hat. Was für ein freundlicher Empfang! Wir durchqueren eine bergige Landschaft und erreichen bei kühlen Temperaturen das ca. 800 m hoch gelegene "Matagalpa" im Hochland von Zentral-Nicaragua. Das "Departemento Matagalpa" ist das zentrale Anbaugebiet für Kaffee. Nicaragua bestreitet 25% seiner Exporteinnahmen mit Kaffee. Über 90% des Rohkaffees wird exportiert. Wir besuchen das Kaffeemuseum und informieren uns über den Ursprung und die Entwicklung des Kaffeeanbaus.  Julio und Jasser von  "Matagapa Tours" chauffieren uns in das ca. 1.200 m hochgelegene Isabelia-Gebirge zur "Finca Loteria". Augustin und seine Frau Guadalupe erläutern uns auf ihrer ökologisch ausgerichteten Kleinfarm in den nächsten Stunden die Kaffeeherstellung vom Samen bis hin zu den in Leinensäcken verpackten Kaffeebohnen. Im Regelfall dauert es drei Jahre vom keimenden Samen bis zur ersten kleinen Ernte. Ein Kaffeebaum kann mehrere Jahrzehnte Früchte geben, wenn er gut gepflegt wird. Doch nur durch Selbstversorgung u.a. mit Mais, Orangen, Zitronen, Avocados, Ananas sowie Eiern von Hühnern und Fleisch von Schweinen überlebt die Familie. Wieder einmal wird uns unser privilegiertes Leben drastisch vor Augen geführt. Ein von Brigitte gemahlener Kaffee rundet unseren informativen Besuch bei dieser liebenswerten Familie ab. Auf der Rückfahrt in die Stadt berichtet Jesser von seinem Vater, der seit 21 Jahren illegal in der USA lebt und arbeitet, jedoch nicht ausreisen kann. Jesser  wiederum verfügt nicht über die finanziellen Mittel, ihn dort zu besuchen. 

Mobirise
Mobirise

Wir: durchqueren in flirrender Hitze auf löchrigen Straßen hügelige, wüstenähnliche Landschaften aus gelbbraunen Grasflächen und ausgetrockneten Flussläufen. Wasser ist in allen zentralamerikanischen Ländern auf Grund des Klimawandels ein Mangelgut geworden und auch ein Grund für die "Migrationskrise" an der Grenze zur USA. Armselige Wellblechhütten säumen die Straßenränder. In der Ferne tauchen die Vulkane "Cerro Negro" und "Telica" auf. Die Kolonialstadt "León" (seit 1524) besitzt die größte Kathedrale Zentralamerikas, auf deren gleißend weißes Dach wir klettern. „Today is gonna be a Volcano Day“, so wird für das Volcano Boarding vom "Cerro Negro" , dem jüngsten Vulkan Mittelamerikas, geworben. Mal wieder heben wir den Altersdurchschnitt deutlich an. Nach der Besteigung des 700 m hohen Vulkangipfels, rasen wir, verpackt in einen gelben Ganzkörperanzug und geschützt durch eine zerkratzte Skibrille und Handschuhe, in wenigen Minuten auf einem Board über das schwarze, feinkörnige Vulkangestein ins Tal. Die Geschwindigkeit wird durch die Sitzposition bestimmt, der Rekord liegt bei 100 km/Std. Den haben wir nicht gebrochen, doch uns hat es viel Spaß gemacht. Mit Discobeleuchtung und ohrenbetäubender -musik sowie billigem Rum "tanzen" wir uns zurück in die Stadt. Die Pazifikküste von León ist nur 20 Kilometer entfernt. Im heißen Chickenbus schaukeln wir in unter einer Stunde zu den menschenleeren Stränden von "Las Penitas". Außer Surfen, Strandspaziergängen und traumhaften Sonnenuntergängen hat das kleine, heruntergekommene Fischerdorf außer einigen einfachen Hostels, Restaurants und Beachbars nichts zu bieten. Viel eindrücklicher ist dagegen die Free-Walking Tour mit "L" aus "León". Er berichtet unverblümt über seine Ablehnung der autoritären "Sandinistischen Nationalen Befreiungsfront (FSLN) unter dem umstrittenen Präsidenten Daniel Ortega und seiner Frau und Vizepräsidentin Rosario Murillo. Im Bürgerkrieg gegen die sandinistische Regierung in Nicaragua (1981 bis 1990) finanzierte und trainierte die CIA die Contra-Rebellen, u.a. über illegale Waffengeschäfte mit dem Iran (Iran-Contra-Affäre). Großflächige über die Stadt verstreute Murals erzählen von dieser unrühmlichen Vergangenheit und der politischen Doppelmoral. Insgesamt hat die autoritäre Regierung der FSLN zu einer starken Polarisierung der Gesellschaft geführt. Noch nie wurden wir mit solch aktuellen, politischen Fakten gefüttert, die uns sehr nachdenklich nach Grenada weiter reisen lassen.

WIR:  reisen über "Izapa"-"Nandayost"-"Diriamba"-"Jinotepe"-"Ticuntepe" und "Masaya" in die Kolonialstadt "Granada" (1524) am Westufer des "Lago de Nicaragua", auch liebevoll "Cocibolca" tituliert. Koloniale und neoklassizistische Architektur prägen das Stadtbild "Granadas", das auch Paris Mittelamerikas genannt  wird. Wir genießen den Kolonialflair der hübschen Stadt mit dem schattigen, zentral gelegene Park vor der imposanten Fassade der "Catedral de Granada", den weißen Pferdekutschen und den schön renovierten Patrizierhäusern.  Unser Hotel liegt außerhalb des Zentrums. Jeden Morgen und Abend durchqueren wir den farbenfrohen und geschäftigen "Mercado Municipal" für die Einheimischen. Dort werden frische Fische, Geflügel, Fleisch, Gemüse, Obst, Milch, Reis oder Käse genauso angeboten wie Eisenwaren, Werkzeuge, Kleidung, Schuhe, Haushaltswaren und natürlich Smartphones mit diversem Zubehör. Dieser Gegensatz zwischen touristisch geschniegelter Innenstadt und dem Alltagsleben in eher heruntergekommener Umgebung mit wenigen hundert Meter Abstand ist faszinierend. Doch auch wir sind Touristen: mit einem Kanu schippern wir auf dem teils wunderschön mit  weißen Seerosen  bedeckten "Nicaraguasee" zwischen einigen der über 300  "Las Isletas" hindurch, die durch einen Ausbruch des nahen Vulkans "Mombacho" entstanden sind. Viele der Inseln sind privat und mit teils monströsen Wohnhäusern oder Hotels bebaut. Kleiner Inseln wiederum sind von Totenkopfaffen besiedelt, die sich unserem Boot neugierig nähern und um Essen betteln oder beherbergen gar einen Friedhof. Bei herrlichem Abendrot nähern wir uns der Stadt und tauchen in die belebte Fußgängerzone "Calle la Calzada" mit ihren unzähligen Restaurants ein. Sie ist das Herz des Nachtlebens "Granadas". Aus nahezu jeder Bar dringt (Live-) Musik, die Tische im Freien sind voller Nachtschwärmer und ständig werden uns Speisekarten unter die Nase gehalten.  Am Kratersee "Laguna de Apoyo", dem saubersten und tiefsten See Nicaraguas, lassen wir zwischen jungen Backpackern einen Tag die Seele baumeln und sortieren die vielen Eindrücke. Ostern steht vor der Tür. Vorher besuchen wir noch die Insel "Ometepe". In "Rivas" biegen wir zum Hafen ab, ohne Wartezeit fahren wir direkt auf die Fähre und nach einer Stunde landen wir in "San Jorge". Unser Hotel liegt nahe des mit Palmen gesäumten "Playa Santo Domingo" , mit imposantem Blick auf die Vulkane "Concepción" und "Maderas". Der Wasserstand des riesigen Sees, dessen andere Ufer nicht zu sehen sind, ist extrem niedrig. Fast 100 m laufen wir in das brühwarme Wasser hinein, bevor Schwimmen möglich ist. 

Ich: stelle mich mit 67 stelle erneut der Herausforderung einer Vulkanbesteigung. Die erste Frage Wilders, meines (blut-) jungen Guides, ist die nach meinem Alter und ob ich für die 5,5 km und 1.300 Höhenmeter gut trainiert wäre. Hmm! Er lässt mich voraus marschieren. Zuerst durchqueren wir Ackerland und Kaffeeplantagen, dann tauchen wir auf schmalem, verwurzeltem und steinigem Weg in den Regenwald ein. Immer steiler und matschiger führt uns der Pfad bergauf, wir kriechen unter umgestürzten Bäumen hindurch oder zwängen uns durch enge Matschpassen, ohne je einen Blick auf den Vulkangipfel erhaschen zu können. Ich bin schweißgebadet und spüre das Ende meiner Kräfte, als wir nach 4 Stunden die braune, schlammige Lagune erreichen. "Der Weg ist das Ziel"-oh ja, Konfuzius! Mit brennenden Oberschenkeln trete ich den Rückweg an. Jede Beobachtung wie die einer Herde Brüllaffen, farbiger Kolibris oder blühender Orchideen, wird als Pause genutzt. Völlig erledigt und gleichzeitig euphorisch, tauche ich bei Sonnenuntergang ins Wasser des "Nicaraguasees" ein. Brigittes Geburtstagsüberraschung zum 68. ist mehr als willkommen: auf einem Quad umrunden wir in Form einer Acht die Insel bzw. die zwei Vulkane über viele staubige Schotterpisten bei teils herrlichen Ausblicken. Wäre da nicht der Nagel in einem der Reifen, der uns ein wenig stresst! Doch die Luft hält und Garnelen zum Abendessen runden einen wunderschönen Geburtstag ab.

Die Insel "Ometepe" liegt im Nicaraguasee und ist mit etwa 276 km² weltweit die größte vulkanische Insel in einem Süßwassersee. Die  beiden Vulkane "Concepción" (ca. 1.610 m) und "Maderas" (1.394 m)  kennzeichnen die Insel in Form einer Acht. Die Insel, so die Fabel und der Nicaraguasee entstanden aus einer tragischen Liebesgeschichte: der angesehene Nagrando verliebte sich in die Häuptlingstochter Ometept. Die zwei Indianerstämme waren verfeindet, eine Liebe verboten. Ihre Liebe blieb nicht geheim, sie wurden von ihren Stammesangehörigen verfolgt. Da entschlossen sie sich zum Selbstmord und öffneten sich die Pulsadern. Das Blut beider füllte das Tal aus und bedeckte ihre Körper: der heutige Lago de Nicaragua. Von Ometepts Körper ragen nur ihre Brüste über den Wasserspiegel, die heutigen Vulkane Concepción und Maderas. Romantisch, oder?

Mobirise

Wir: freuen uns auf eine Osterprozession im katholischen "Granada", wohlwissend, dass das Regime die oppositionelle Kirche unterdrückt. Aber dass 2024 alle religiösen Prozessionen in der Karwoche verboten und Tausende Polizisten im Einsatz sind, um diese Maßnahme aus Furcht vor Protesten durchzusetzen, überrascht uns doch. Am Abend des Ostersonntags besuchen wir die in Dunkelheit gehüllte Kathedrale, in der das flackernde Kerzenlicht der Gläubigen und die tiefe, sonore Stimme des Priesters, der um Erbarmen bittet,  eine ungewöhnlich mystische Aura erzeugen. Uns läuft es kalt den Rücken herab. Einmal wieder erkennen wir, was "Freiheit" bedeutet und welch wichtiges Gut sie darstellt. Viele Kilometer folgen wir dem westlichen Ufer des "Lago Nicaragua" nach Norden, bis wir in "Tecolostate" nach Südosten abbiegen. Beidseitig unserer hervorragenden Straße begleiten uns am Horizont grüne Bergketten. Wir erfreuen uns an einer abwechslungsreichen Landschaft mit Wäldern, Seen und Flüssen, in der immer wieder große Rinderherden grasen. Diese Region ist gering besiedelt, die Menschen beobachten uns und unsere "big bikes" neugierig zurückhaltend aber nicht unfreundlich. Am späten Nachmittag erreichen wir "San Carlos" am Ufer des Nicaraguasees, wo wir unsere letzte Nacht in Nicaragua verbringen werden. In bester 1 A-Lage direkt am See sind die Gebäude schäbig und ungepflegt. Der farbenfrohe, zentrale Platz passt so gar nicht in die eher triste Umgebung. Die blutrote Sonne spiegelt sich dramatisch in der glatten, friedlichen Wasseroberfläche des "Lago de Nicaragua" wider. Was wird uns in Costa Rica, unserem 9. Land dieser Reise wohl erwarten?

Costa Rica

Costa Rica (51.100 km², 5,3 Mio. Ew., Hauptstadt San José), auch  „Schweiz Zentralamerikas“ genannt, erklärte 1821 seine Unabhängigkeit und besitzt seit den 1950er Jahren eine stabile Demokratie. 1948 wurde die Armee zugunsten der Förderung von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft. Das Land gewinnt knapp 100 % seines Strombedarfs aus regenerativen Quellen. Ca. 27 % der Landesfläche mit einer außergewöhnliche Flora und Fauna, stehen u.a. in 26 Nationalparks, unter Naturschutz. Einerseits ist es ein sehr gebirgiges Land mit Höhen zwischen 900 m und 1.800 m und ca. 200 Vulkanen, andererseits weist es eine 1.290 km lange Küstenlinie an Pazifik und dem Karibischen Meer auf. Das Auswärtige Amt warnt vor zunehmender Drogen-Kriminalität.

Mobirise
Mobirise

2. April 2024-"Los Chiles". Wir:  passieren auf dem Weg zur Grenze nach Costa Rica zum zweiten Male nach Guatemala Flüchtlingsströmen in beide Richtungen: einerseits kommen Flüchtlinge aus Venezuela, Ecuador, Haiti, China und afrikanischen Staaten aus dem Süden und sind auf dem Weg in die USA  (2023 haben ca. 350.000 Menschen den lebensgefährlichen Dschungel des Darién Gaps durchquert), andererseits fliehen Nicaraguaner wegen der dort herrschenden repressiven Verhältnisse nach Costa Rica. Knapp 20 km begleiten uns riesige Orangenplantagen, bevor früh am Morgen unsere Taschen durch den Scanner auf nicaraguanischer Seite geschickt werden. Unsere Alukisten werden in sengender Sonne intensiv durchsucht, obwohl wir das Land verlassen wollen. Nach ca. 1,5 Stunde werden unsere Motorräder auf Costa Ricas Seite desinfiziert und wir bemühen uns weitere 1,5 Stunden, bei heißer und stickiger Luft in den provisorischen Zollcontainern um die Immigrationsstempel, die TIP sowie die obligatorische KFZ-Versicherungen. Um möglichst früh an der Grenze zu sein, haben wir auf das Frühstück verzichtet, was sich nun rächt, denn Brigitte erleidet einen kleinen Schwächeanfall. Wenige Kilometer hinter der Grenze ändert sich das Landschaftsbild von vertrocknetem Gelb  zu sattem Grün. Kurz vor "La Fortuna" taucht am Horizont der imposante Kegel des aktiven und nicht besteigbaren Vulkans "Arenal" auf. Von dem sehr touristischen und wenig attraktiven "La Fortuna" aus besuchen wir den mitten im Regenwald eingebetteten, 60 m hohen "La Fortuna Wasserfall" und den "Mistico Hanging Bridge Nationalpark". Auch gönnen wir uns einen entspannten Spa-Tag in den durch geothermische Aktivitäten aufgeheizte Becken der "Baldi Hot Springs". Costa Rica wird nicht nur wegen seiner grünen und bergigen Landschaft, sondern auch wegen der hohen Kosten als "Schweiz Zentralamerikas" bezeichnet. Daher mieten wir uns ein Apartment, um uns selbst versorgen zu können und fahren die touristischen Ziele mit den Motorrädern an. Auf schmalen Straßen kurven wir zum Nationalpark, durch den ein 3,2 km langer Pfad mitten im Regenwald mit mehreren schaukelnden Hängebrücken führt. Eine große Kapuzineraffen-Herde begrüßt uns, doch dann starren wir vergeblich auf der Suche nach weiteren Tieren in das dichte, teils durchaus imposante Grün des Regenwaldes. Erst im "Butterfly Garden" in "La Fortuna" beobachten wir u.a. die Morpho Schmetterlinge mit einer Flügelspannweite von bis zu 20 cm. Vom Ei über die Raupe bis zum Schmetterling mit seinen metallisch glänzenden, leuchtend blauen Flügeln als Abschreckung vor Fressfeinden und seiner braunen Unterseite mit Augenflecken als Tarnung,  erkunden wir seinen gesamten Lebenszyklus. Die Regenzeit beginnt spürbar und unter einem tiefschwarzen Wolkenhimmel  nähern wir uns auf einer herrlich gewundenen Straße entlang des im dichten Dunst liegenden "Arenal Sees" dem "Hotel Rana" in "Nuevo Arenal".  Der vor ca. 30 Jahren ausgewanderte 74 jährige Deutsche Reinhard Becker, bettete das Hotel in einen wunderschönen Park oberhalb der "Laguna de Arenal" ein. Unterwegs gönnen wir uns  "Schwäbisches": echte Butterbrezeln und Mohnschnecken in der "German Bakery", im Kühlschrank lockt ein Erdinger Weißbier. Das wiederum genießen wir am Abend bei Reinhard zusammen mit einem hervorragenden Wiener Schnitzel. Nicht nur das verlockende deutsche Essen, sondern auch anhaltende sintflutartige Regenfälle verzögern unsere Weiterreise zum Nebelwald von "Monteverde". Kaum verlassen wir das Gebiet um den See, ändert sich das Landschaftsbild drastisch: die leicht hügelige Landschaft ist wieder mit gelbbraunem, vertrockneten Gras bedeckt, auf dem abgemagerte, weiße Kühe grasen. Die teils vierspurige Carretera 1 in Richtung "San José"  ist mit viel Verkehr, Müll und unerwarteten Schlaglöchern wenig attraktiv. Erst als wir in die Berge abbiegen wird es spannend: wie in einer Achterbahn führt das schmale Sträßchen rauf und runter. Mit überraschend steilen Haarnadelkurven winden es sich immer tiefer in eine raue Bergwelt hinein. Sturmartigen Windböen drängen uns von der Straße ab. Wir übernachten in einem Hostel. Die überwiegend jungen Rucksackreisenden beäugen uns "Alte", als kämen wir von einem anderen Stern. 

WIR: lassen uns bei bedecktem Himmel per Shuttle zum "Monteverde Cloud Forest" chauffieren und stellen uns für die Tickets in einer Traube von Wartenden an. Der Zutritt ist auf 450 Personen/Tag begrenzt, die sich jedoch in dem 10.500 Hektar großen Nebelwald mit seinem faszinierenden Ökosystem und seiner Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten  schnell verlaufen. Einsam stapfen wir über 3 Stunden auf teils abenteuerlich schmalen und rutschigen Pfaden durch den feuchten Nebel. Von den Bäumen und vom Himmel tröpfelt ständig Wasser. Wir fühlen uns wie in einer Feenlandschaft oder wie im Film "Herr der Ringe", denn die Konturen unserer Umgebung lösen sich in den Nebelschwaden nahezu gänzlich auf. Die hohen, krummen, vielastigen Bäume sind gänzlich mit epiphytischen Pflanzen übersät und wirken dadurch völlig irreal. Uns bekannte (Haus-) Pflanzen wie z.B.  Farne weisen gigantische Ausmaße auf, der gesamte Wald scheint um ein Vielfaches aufgeblasen. Auch ohne die angepriesene Tiervielfalt zu Gesicht zu bekommen, fasziniert uns ist diese mythische Atmosphäre in dem Nebelwald außerordentlich. Am Abend werden uns Tiere bei einem "Nightwalk" versprochen: ausgerüstet mit Taschenlampen wagen wir uns erneut in den Nebelwald. Und werden im Lichtkegel fündig: sich paarende Skorpione, Taranteln, Faultiere, "Kingajous" (nachtaktive "Kleinkatzen", mit Wasch- und Nasenbären verwandt, in den Baumkronen lebend, als Bestäuber und Samenverbreiter fungierend), schlafende Vögel und Frösche stehen nach 1,5 Stunden auf unserer Liste. Bei blauem Himmel erneut ungläubiges Staunen des überwiegend jungen Klientel der ZipLine "100% Adventure", als wir am dünnen Stahlseil hängend, keineswegs ängstlich, durch die Bäume sausen. Bei jeder Station werden (nur wir) besorgt gefragt, ob wir "weitersegeln" wollen. Klar wollen wir das, denn wir haben riesigen Spaß. Nur blöd, dass ich beim Filmen mit der GoPro ausgerechnet bei der längsten ZipLine über 1.500 m wegen "schlechter Haltung" nicht auf der Endplattform lande, sondern wieder rückwärts in Richtung Tiefpunkt des Seils rolle. Aufwändig werde ich zurückgeholt, behindere dabei die drängelnden Nachkommenden und erhalte nach meiner "Rettung" eine ungewohnte Standpauke. Die hält uns jedoch nicht davon ab, auch den 45 m hohen "Tarzansprung" zu wagen. Wir spüren beide nach dem abrupten Fall ins Seil unsere Lendenwirbel, aber erstaunlicherweise quälen uns unsere permanenten Rückenschmerzen einige Stunden später, wie nach einer Traktionstherapie, über einen längeren Zeitraum nicht mehr. Bei erneut stark böigen Winden fahren wir kurvenreich aus der mit Abenteuern gespickten Bergwelt und über die langweilige Carretera 1 nach "Puntarenas" an den Pazifik.

Wir:  stehen in einer 20 minütigen Schlange an, um Tickets für die Fähre nach "Playa Naranjo" auf der Halbinsel "Nicoya" zu kaufen, nachdem wir frech mit unseren Motorrädern eine ca. 2 km lange Fahrzeugschlange überholt haben, um uns in Poleposition zu platzieren. Wo unsere Parktickets seien, fragt der Ticketverkäufer? Wir irren nach einem Ticketverkäufer suchend herum, finden Gnade bei einem der Fahrzeugeinweiser und erhalten zwei Parktickets für Motorräder, um uns damit erneut in die Schlange einzureihen. Zwischenzeitlich hat sich die Fähre gefüllt, doch wenige Minuten vor deren Ablegen werden unsere Bikes noch zwischen zwei LKW's reingequetscht. Nach 16 km Färfahrt in etwa 1 Stunde steuern wir über die gefährlich schwankende Anlegerampe zurück aufs Festland. Durch "Paquera" führt uns eine herrlich kurvenreiche, gut ausgebauten Straße ins bohemienhafte "Montezuma" mit seinen wunderschönen Stränden. Wir wohnen nahezu einsam ca. 2 km außerhalb des Dorfes in einem mit exotischen Pflanzen und vielfarbigen Schmetterlingen paradiesisch angelegten Tal mit eigenem Miniswimmingpool. Die alternative Szene mit Künstlern und Musikern in "Montezuma" ersparen wir uns, denn die steile, teils unbefestigte Abfahrt ins Dorf bei Nacht zu fahren, ist uns zu riskant. Stattdessen kehren wir an mehreren Feuern vorbei zurück nach "Paquera" in den Dschungel zu Wilma, einer holländischen Auswanderin. Sie baut mit ihrem Freund Franco das "Latino Glamping & Tours" auf. Einige Kilometer von der Zivilisation entfernt, mitten im Regenwald, ziehen wir in eine der drei einfachen (Zelt-) Hütten, deren Moskitonetze eine Attacke der Quälgeister mildern helfen sollen. Die Infrastruktur besteht aus einer offenen, nur mit Blechdach geschützten Küche, Bio-WC und kalten Dusche. Frühmorgens und bei Einbruch der Dunkelheit erschrecken uns die Brüllaffen. Doch richtig gruselig wird es in der Nacht, wenn die blau bis rot gefärbten Krebse wie im Horrorfilm aus ihren unzähligen Löchern kriechen und sich im Licht der Fusellampe der Erdboden zu bewegen scheint. Wir balancieren auf einem Baumstamm über einen krokodilverdächtigen Fluss, um durch Mangrovenwälder an den ca. 2 km entfernten, menschenleeren Strand zu gelangen. Das Wasser des Pazifiks ist brühwarm und lange lassen wir uns in dem salzhaltigen Wasser unter strahlend blauem Himmel einfach nur dahintreiben. Herzlich verabschieden wir uns von Wilma und Franco und diskutieren bei der Rückfahrt zur Fähre in "Playa Naranjo" intensiv darüber, was eine jüngere Europäerin an einem solch elementaren Leben wohl wertschätzt? Knapp 60 eher langweilige km sind es von "Puntarenas" bis "Tacoles" mit dem ursprünglich edlen Hotel "House of the Macaws"  (Haus der Aras), dessen Gebäude und Garten einen sichtbar großen Renovierungsstau aufweisen. Die Algen des Swimmingpool reflektieren dunkelgrün das gleisende Sonnenlicht, die Klimaanlage benötigt Stunden für eine minimale Temperaturänderung. Dafür entschädigen uns mehrere kreischende Papageien der meist paarweise fliegenden, vielfarbigen Aras sowie ein herrlicher Sonnenuntergang des Pazifiks am nahen Strand. Frühmorgens fahren wir zum Treffpunkt unserer "Crocodile Tour- The Original". Kaum sitzen wir im Boot, paddelt auch schon das erste "amerikanische Krokodil" heran, das wir ausgiebig fotografieren. Drei weitere Krokodile schwimmen fotogen vor unsere Linse, darunter ein geschätzt 80 jähriges, blindes Krokodil, das dem Zuruf unseres Guides José folgt. Auch die unterwegs gesichteten Kapuzineräffchen sind wie die Krokodile angefüttert. Nur die erblickten Vögel sind zufällig und "wahres Abenteuer", ansonsten ist diese "Krokodiltour" eine teure Mogelpackung für fotogeile Touristen (wie wir). Umso mehr freuen wir uns auf unser nächstes Ziel: den "Manuel Antonio Nationalpark".

Wir:  folgen der schönen Carretera 34, teils entlang des Pazifiks. In der Touristengegend um "Jaco" kleben viele moderne, teure Wohnhäuser am Hang mit Blick zum Wasser. Unzählige Schilder weisen auf Strände und Restaurants, aber auch Vergnügungsparks hin. Unterwegs trinken wir ein Cola, doch anschließend verweigert das Motorrad von Brigitte trotz neuer Schlüsselbatterie mal wieder seinen Dienst und lässt unseren Adrenalinspiegel schlagartig ansteigen. Was könnte die Ursache dafür sein, dass das noch warme Motorrad mit guter Batteriekapazität unterwegs immer mal wieder nicht anspringt? Und dann gehen doch unerwartet alle Lichter wieder an, so dass wir rechtzeitig kurz hinter dem quirligen "Quepos" unserer luxuriöses Apartment direkt am Eingang zum "Manuel Antonio Nationalpark" erreichen. Noch auf dem Weg zum herrlich weißen Strand erblicken wir eine erste Familie von Totenkopfäffchen, die unsere Erwartungen an den Nationalpark in die Höhe schrauben. Mit "deutscher Pünktlichkeit" zeigen wir um 7:00 die bereits vor 10 Tagen bestellten digitalen Tickets vor und orientieren uns an den vielen geführten Touren und den Ausrichtungen der monströsen Ferngläser der Guides. Wohin die Menschentrauben blicken, dahin blicken auch wir. Nicht immer erfolgreich, aber ausreichend, um Dutzende von Kapuzineräffchen, Faultiere, Echsen, Leguane und weiteres Kleingetier in freier Wildbahn zu erspähen. Wir kommen den Kapuzineräffchen so nahe, dass ich im Teleobjektiv den Angriff des sein Baby verteidigendes, die Zähne fletschendes  Äffchen auf mich "vergrößert" miterlebe und den "Fausthieb" deutlich spüre. Bingo! Neben den vielen Tieren beeindruckt aber auch der Regenwald mit einer Vielzahl unterschiedlicher Baumarten, Farnen und blühenden, weißen Orchideenarten. Am angeblich schönsten Pazifikstrand Costa Ricas, dem "Playa Manuel Antonio" werfen wir uns in die blaugrün schimmernden glasklaren, an die Karibik erinnernden Fluten. Während wir im warmen Wasser treiben, beobachten wir alarmiert, wie sich ein neugieriges Kapuzineräffchen an unseren Rucksäcken zu schaffen macht. Körperlich völlig erledigt  bei Temperaturen deutlich über 35 Grad C, verlassen wir nach 7 Stunden diesen sehr touristischen, aber dennoch besuchenswerten Nationalpark. Am nahen Sandstrand mieten wir uns Liegen und Sonnenschirm und verarbeiten die mannigfaltigen Eindrücke der letzten Tage. Eine lange Reiseetappe liegt vor uns: in "Dominical" biegen wir bei blauem Himmel in die grünen Berge ab, die wir in Richtung Norden überqueren. Immer höher schraubt sich die gut ausgebaute, kurvige Straße, die Wolken kommen näher und näher und weit vor dem 3.335 m hohen Pass des "Cerro de la Muerte" (Berg des Todes) verschluckt uns der kalte Nebel mit Sichtweiten unter 50 m bei gerade mal 12 Grad C. Vor Kälte bibbernd fahren wir zurück ins Tal nach "Cartago", irren lange durch dessen überfüllte Straßen, verfahren uns in einer herrlichen, gepflegten Landschaft und erreichen über "Santa Cruz" die Stadt "Siquirres". Schlagartig fängt es zu schütten an. Weit und breit entdecken wir kein Hotel auf unseren Apps. Doch kaum haben wir uns umständlich in unsere Regenklamotten gequält, hört der Regen ebenso schlagartig wieder auf. Vierspurig rasen wir bei Einbruch der Dunkelheit und Vollmond nach "Guapiles". Die Stadt ist der Ausgangsort für den Besuch des 56 km entfernten "Tortuguero Nationalparks", auf dessen Erkundung wir uns seit langem besonders freuen. 

Wir:  folgen kleinen Straßen, die selbst Google nicht kennt im Konvoi mit zwei Tourbussen nach "La Pavona". Hier endet die Straße und zwei mit Zäunen, Kameras und Wachpersonal gesicherte Parkplätze bieten sich zur Unterstellung unserer Motorräder unter einem Schutzdach an. Wieder ist es unmenschlich heiß. Wir entscheiden uns für den neu angelegten Parkplatz mit höherer Abzäunung, der schon seit einigen Kilometern für seine Sicherheit wirbt. Unsere schwere Klim-Motorradkleidung, die Ortema Protektorenjacken, die Helme, die Motorradstiefel, drei Enduristan-Taschen mit unseren Sommerkleidern sowie unsere Tankrucksäcke befestigen und sichern wir mit Stahlkabeln und Schlössern am Motorrad und den massiven Aluminiumkoffern. Abdeckhauben verbergen unsere Motorräder und das Gepäck vor neugierigen Blicken. Wenig später transportiert uns eine überdachte Lancha auf dem mäandernden Seitenarm des "Rio Tortuguero" bei oft extrem niedrigen Wasserständen ca. 5 km flussaufwärts. Unterwegs beobachten wir Kaimane, Leguane und Brüllaffen. "Tortuguero" ist ein kleiner, autofreier Ort mit ca. 700 nicht immer freundlich gesinnten Einwohnern, das sich auf einer schmalen Insel zwischen "Rio Tortuguero" und Karibischem Meer erstreckt. Eine ca. 1 km lange, schmale "Hauptstraße" mit teils sehr heruntergekommenen Hostels, Restaurants und kleinen Läden sowie zwei Parks verläuft entlang des Flusses . Davon zweigen Gassen ab, die zum Karibischen Meer und zu weiteren Hostels und kleinen Blech-/Holzhütten der Bewohner führen. "Tortuguero" ist vor allem als Eiablageplatz für die riesigen, überwiegend vor dem Aussterben bedrohten Meeresschildkröten bekannt, die ihre Eier von Juni bis September zu hunderten in den Sand buddeln.  Aber auch als Eingangstor zum "Tortuguero Nationalpark". Früh am Morgen legen wir mit einem von einem Elektromotor angetriebenen Kanu nahezu lautlos ab. Das Boot überquert den "Rio Tortuguero" und gleitet nahezu lautlos in einen seiner Seitenarme, der von dichtem Regenwald mit vielfältiger Flora und Fauna gesäumt ist. Doch unsere Ausbeute an gesichteten Tieren ist überschaubar: Leguane, Kaimane, Brüllaffen, Morpho Schmetterlinge. Aber wir genießen die Ruhe in der Abgeschiedenheit des Regenwaldes. Am Nachmittag schlendern wir, gepeinigt von Moskitos, den 2,5 km langen "Jaguartrail", der auf der Meerseite durch den Regenwald führt, entlang. Uns zeigen sich weitere Brüllaffen, eine grüne, gefährlich wirkende Schlange, Eidechsen und Leguane. In einem Restaurant mit Blick auf den "Rio Tortuguero" lassen wir bei herrlichem Sonnenuntergang diesen spannenden Tag gemütlich ausklingen. Nachts weckt uns heftiger Gewitterregen, der auf das Blechdach unserer Unterkunft niederprasselt und bis zu unserer Bootstour zurück zu unseren Motorrädern anhalten soll.

Mobirise
Mobirise

Wir: lassen uns zurück nach "La Pavone" schaukeln und entdecken unterwegs nahezu ein Dutzend amerikanische Krokodile (mehr als wie auf unserer Crocodile-Tour). Brigitte läuft zu unseren Motorrädern voraus.  Als ich mich dem Parkplatz nähere, kommt sie mir, schneeweiß im Gesicht, entgegengerannt: "unsere Motorräder sind überfallen worden", ruft sie panisch aus, "unser gesamtes Gepäck ist gestohlen"! Die Täter hatten in der vergangenen Nacht alle Stahlkabel zerschnitten und vermutlich die Abdeckhauben als "Transporthüllen" missbraucht. Einer meiner Aluminiumkoffer war aufgebrochen und die erste Lage fehlte. Sie bestand aus allem, was sich normalerweise im ebenfalls gestohlenen Tankrucksack befand: GoPro Kamera und Insta360, jeweils mit Zubehör. Auch bei einem von Brigittes Alukoffer fehlte bereits das Schloss. Wir vermuten, dass unsere schrillen Alarmanlagen die Täter fluchtartig vertrieb, als sie mit Gewalt die Koffer öffnen wollten. Das wäre auch die Erklärung dafür, dass ein Seesack mit meiner (teuren)  Klim-Motorradjacke und Brigittes Hecktasche zurückgelassen wurden. Unsere Diskussionen mit den Betreibern des Parkplatzes führt zu nichts. Stecken sie mit den Tätern eventuell unter einer Decke? Die Kameras haben die bewaffneten Täter aufgezeichnet, teilen uns die zwei freundlichen Polizisten mehrere Stunden später mit, die den Überfall bereits frühmorgens aufgenommen hatten. Wir erhalten ein Protokoll. Selbstverständlich könnten wir den Betreiber auf Schadensersatz verklagen. Doch diese Verfahren könnten bis zu einem Jahr dauern. Die Polizei geleitet uns zu einem kleinen Motorradausrüster. Dort müssen wir uns (unnötigerweise) Ersatzhelme kaufen, um überhaupt weiterfahren zu dürfen. In unseren Tankrucksäcken sind Apple AirTags, einfache GPS-Sender, versteckt. Wir müssten nach "Guapiles" zur übergeordneten Polizei (OIJ = Organismo de Investigacion Judical). Randall, der örtliche Polizist, darf in kein Haus ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl eindringen und somit ist es vorerst sinnlos, die AirTags zu verfolgen. Langsam senkt sich die Dämmerung herab und die seit Stunden drohenden Gewitterwolken entladen sich mit aller Macht. Wir flüchten unter das Dach einer Bushaltestelle, doch der starke Wind kennt kein Erbarmen. Völlig durchnässt und unterkühlt, denn wir sind nur in kurzen Hosen und T-Shirts unterwegs, landen wir knapp 50 km später wieder in unserem Hotel in "Guapiles". Ich lasse vier gestohlene Kreditkarten sperren, die in meine Motorradhose eingenäht waren und informiere die deutsche Botschaft über den Verlust meines Reisepasses. Nach einer schlaflosen Nacht checken wir die Standorte unserer AirTags: Brigittes AirTag befindet sich am Ort des Überfalls, meiner weitab von jeglicher Siedlung oder Gebäude an einer Straße. Was tun? Wir müssen davon ausgehen, dass die AirTags gefunden und entsorgt wurden und entscheiden, knapp 90 km in die Hauptstadt San José zu fahren, um uns aufs Erste notdürftig auszurüsten. So spärlich bekleidet wie wir, sind nicht einmal die einheimischen Motorradfahrer unterwegs. Bis auf 1.600 m bei 19 Grad C führt uns die kurvige Überlandstraße durch einen Nebelwald nach Costa Ricas Hauptstadt, die wir ursprünglich umfahren wollten. Wir steuern direkt BMW Motorrad, anschließend weitere Motorradshops an. Taschen, Helme, Stiefel, Handschuhe, lange Hosen und Pullover können wir bis zum Abend erwerben, bevor wir erschöpft in unser heruntergekommenes Hotel in einer eher unsicheren Gegend einbuchen. Am nächsten Morgen checke ich unsere AirTags und siehe da, meiner hat sich bewegt. Die OIJ in San José rät uns, zusammen mit der OIJ in  "Guapiles"  den AirTag zu verfolgen. 90 km später rasen wir dem blauen Pickup mit Jorge und seinem Kollegen zu den Koordinaten des AirTags hinterher. Nach langer Diskussion mit einer Frau durchsuchen die Polizisten das blauen Haus, das mit einem hohen Zaun abgesichert ist. Unsere zwei leeren Tankrucksäcke, drei Kreditkarten, mein Reisepass und Brigittes Hose konnten neben anderem Diebesgut sichergestellt werden. Vom jetzt bekannten Zwischendealer wurde die Ware bereits "in alle Winde zerstreut", meint Jorge. Wir verbringen eine 3. unruhige Nacht in "Guapiles". Während der kommenden drei Tage legen wir in San José über 150 km auf der Suche nach Ersatzkleidung bei teils völlig chaotischem Verkehr und meist heftigen Regengüssen ziemlich erfolglos zurück. Insbesondere Motorradkleidung für Frauen generell sowie meine Hosengröße sind nirgends selbst in geringerer Qualität zu finden. Wie machen wir weiter? Vom "die Reise abbrechen" bis "unsere Route wie geplant fortsetzen" diskutieren wir unsere Optionen durch. Wir entscheiden, mit zwei Zwischenstopps in "Ciudad Neily" und "Penonomé", auf kürzester Strecke die knapp 900 km nach Panama City durchzufahren. Mit unserer provisorischen Ausrüstung überqueren wir nicht nur erneut den 3.335 m hohen, nebeligen Pass des "Cerro de la Muerte", auch heftige Regenfälle und viele Radarkontrollen begleiten unsere "Flucht" in das 10. Land unserer Reise. Am frühen Nachmittag des 3. Mai sehen wir unter uns den Panama Kanal und vor uns die beeindruckende Hochhaus-Silhouette von "Panama City". Noch schöpfen wir Hoffnung...

Der dreiste Überfall auf unsere Motorräder  in der Nacht vom 24. auf 25. April 2024 hat bis heute deutliche psychische Spuren bei uns hinterlassen. Zuerst übertünchten der Tatort-ähnliche Polizeieinsatz und die ruhelose Suche nach adäquater Motorradausrüstung sowie eine ständige Übermüdung unsere Gedanken. Doch je mehr wir feststellten, wie kompliziert, umständlich, zeitaufwändig und teuer der Ersatz werden würde, desto mehr verfielen wir in negative Gedanken. Wollen wir unsere Reise fortsetzen? Tagelang hingen wir am Smartphone, um zu organisieren, zu fragen oder um Antworten zu bitten. Wir fühlten uns in einer echten Notlage. Umso dankbarer sind wir, dass uns spontan in Costa Rica,  Kolumbien und aus Deutschland so viel Hilfe angeboten wurde. Noch warten wir auf Ausrüstungen, doch heute blicken wir mit neuem Optimismus nach vorne. Danke!

Mobirise

Panama

Panama ( 75.517 km², 4,5 Mio. Ew., Hauptstadt Panama City), erhielt 1903 seine Unabhängigkeit von Kolumbien und stand lange unter dem Einfluss der USA. Der Panamakanal verbindet die Karibik mit dem Pazifischen Ozean, dessen Einnahmen Panama zu dem reichsten Staat Zentralamerikas macht (Staatshaushalt 12,4 Mrd., Überschuss PK: 3,2 Mrd. USD). Das Land verfügt über die globalisierteste Wirtschaft der gesamten Region. Der Kanal besitzt eine Kapazitätsgrenze von 14.000 Schiffen/Jahr. Die Straßenverbindung zwischen Panama und Kolumbien (Panamericana) ist im Urwaldgebiet "Darien Gap" unterbrochen. Die Panamaische Regierung kontrolliert den Zugang zu Medien streng. Panama steht auf der schwarzen Liste der Steueroasen (u.a. "Panama Papers"). In Panama Stadt treffen futuristische Wolkenkratzer auf historische Kolonialbauten. 

Mobirise

Wir:  verbringen am Ende 10 Tage in "Panama City". Das AirnB des Deutschen Simon und seiner Frau Luzdary in der Nähe des Flughafens wird unsere "Kommandozentrale". Von hier aus organisieren wir: 1. die Bestellungen von Ersatzkleidung der Firma Klim aus den USA mit Unterstützung unserer deutschen Klim Partnerin Frauke von "Mash Motorradbekleidung" und Carina von "Klim Europa". 2. Ortema Protektorenjacken mit Unterstützung von Kevin Mikus 3. den Transport unserer Motorräder von Panama nach "Bogota", Kolumbien mit "Cargorider" und der 24/7 hilfsbereiten Veronika. 4. unseren Segeltörn mit "Blue Sailing" von "Panama City" nach "Cartagena", Kolumbien. 5. die Auflistung unserer gestohlenen Gegenstände für die Württembergische Versicherung mit der Hoffnung auf Unterstützung durch Lena Henzler. 6. neue Kreditkarten von der KKH Esslingen mit Hilfe von Markus und der Volksbank Nürtingen. 6. Kontaktadressen von Personen in "Bogota" mit Hilfe von Sabine, an die wir die Pakete und Briefe senden lassen können. 7. USD, um unseren Segeltörn bar bezahlen zu können. Dazwischen klappern wir tagelang weitere Motorradshops ab. Wir besichtigen das farbenfrohe "Biomuseum" von Frank Gehry (2014), die touristische, dennoch schöne Altstadt und den mit seiner holprigen Entstehungsgeschichte beeindruckenden "Panama Kanal". Die 82 km lange Wasserstraße mit je 3 Schleusen und einer Scheitelhaltung von 26 m Höhe durchschneidet die Landenge von Panama und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik . Dadurch ersparen sich die Schiffe ca. 15.000 km um das Kap Hoorn oder durch die Magellanstraße an der Südspitze Südamerikas ein. 25 Schiffe durchqueren täglich das Schleusensystem.  Die  höchste Durchfahrtsgebühr lag 2023 bei knapp 4 Mio. USD.  Die durch den Panamakanal transportierte Warenmenge entspricht etwa fünf Prozent des weltweiten Seefrachtverkehrs. Mit dem Hochdruckreiniger von Simon wollen wir unsere Motorräder für den Flugzeugtransport reinigen. Fünf von zehn Tagen wird das Wasser in unserem Stadtteilen wegen Wassermangels komplett abgestellt. Nachdem unsere Motorräder endlich wieder glänzen, entdecken wir nicht erklärbare Ölspritzer an Brigittes 750 GS. Hört unsere derzeitige Pechsträhne denn nie auf? Am Morgen des 10. Mai 2024 liefern wir unsere zwei Motorräder bei dem Frachtdienstleister "Cargorider" ab, der auch alle Zollformalitäten erledigt. Wann werden wir sie in Bogota in Empfang nehmen? Es regnet, als wir am Morgen des 13. Mai 2024 abgeholt und zusammen mit 4 Rucksackreisenden aus Neuseeland, London und Nairobi 125 km nach "Puerto Lindo" zum Segelhafen chauffiert werden. Dort stoßen weitere 6 Mitsegler aus Lyon, Brüssel, Amsterdam, Wien, London und New York sowie die 3 Crewmitglieder Pauline (französischer Wirbelwind für alles), Veronica (Köchin) und Edwin (Kapitän) zu uns. Die Crew erledigt die Zollformalitäten, wir hängen rum und beobachten interessiert das Treiben und die Menschen im Hafen, in dem auch Reparaturen für Segelschiffe von Weltumseglern durchgeführt werden. Lassen sich, wie bei Motorradreisenden, auch bei Seglern typische Charaktereigenschaften erkennen? Gegen 22.30 sticht die Koala X in die raue, tiefschwarze See. 

Mobirise

Wir:  fahren unter Motor die ganze Nacht parallel zur Küste, von wo aus die Lichter kleinerer Dörfer immer wieder zu uns rüber blitzen. Der Wellengang nimmt für uns Landratten in beängstigender Weise zu, das Boot schwankt kräftig hin und her, auf und ab.  Die "Plastikschale" ächzt und knarrt. Wir klammern uns an den Seilen und Bootselementen fest. Grinsend beobachtet Edwin unsere unbeholfenen Kriechversuche. Schon hängen die Ersten trotz Tabletten gegen die Seekrankheit über der Reling. Während sich Brigitte zum Schlafen wagemutig und unbeeindruckt von den Schaukelbewegungen in die Kajüte verzieht, verharre ich stoisch auf der harten Bank des Cockpits, halb sitzend, halb liegend, immer wieder nicke ich ein, alle "Knochen schmerzen". Dafür werde ich schlaftrunken mit einem wunderschönen Morgenrot vor der Insel "Waisaladup" belohnt, an der wir die nächsten 24 Stunden ankern werden. Sie ist eine von 365 "San Blas Inseln", auch "Guna Yala" genannt, von denen 57 von ca. 30.000 Gunas bewohnt werden. Die Guna sind ein Volksstamm, der vor mehr als einem Jahrhundert auf der Flucht vor Malaria und Gelbfieber vom Festland aus auf die Inseln vor Panama übergesiedelt ist. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird ihnen eine neue Flucht zurück aufs Festland bevorstehen: wegen des Klimawandels und den damit einhergehenden steigenden Meeresspiegeln. Denn der Meeresspiegelanstieg hat sich von einem Millimeter im Jahr 1960 auf aktuell 3,5 Millimeter pro Jahr beschleunigt. Uns präsentiert sich die Insel wie in einem Piratenfilm, in dem sich die Schiffbrüchigen auf einen kleiner Sandhaufen mit einem Palmenwald im endlos großen Ozean retten konnten. Wir schnorcheln entlang eines überwiegend toten Riffs mit wenigen aber doch farbenprächtigen Fischen. Auch Riffe gelten weltweit als besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Mit zunehmenden Wassertemperaturen bleichen Korallen aus, sterben ab und die Fischschwärme finden in den farblosen Ruinen kaum noch Nahrung. Diese einzigartige Symbiose zwischen Korallenpolypen und Algen, die den tropischen Riffen ihre Farbpracht verleihen, geht zunehmend zugrunde. Am Nachmittag landet ein Guna mit seinem aus einem Holzstamm ausgehölten, archaischen Kanu bei und verkauft uns drei Fische, die er noch vor Ort entschuppt. Dieser Ort ist wirklich paradiesisch und wir vergessen darüber kurzzeitig unsere Sorgen um die vielen, noch ungelösten Probleme bis zu unserer Weiterreise in Kolumbien. Nach einer Stunde Fahrt ankern wir am nächsten Morgen an der Insel "Ogopuggi", die von zwei Guna Familien bewohnt ist. Wir verbringen einen weiteren paradiesischen Tag mit Schwimmen und Schnorcheln, entdecken dabei Stachelrochen, Haie, Barracudas und Wasserschildkröten oder liegen faul in den Hängematten der Gunas unter dem Schilfdach. Wir aalen uns in dem weißen Sand, sammeln Muscheln oder erkunden die kleine Insel. Unter einem fantastischen Sternenhimmel verspeisen wir die von der Gunafamilie  auf Holzkohle gegrillten, außergewöhnlich schmackhaften Fische und Lobster. Als das Feuer aus Palmwedeln zu lodern beginnt und der Alkohol fließt, bröckelt die Distanziertheit zwischen uns Gringos und den Gunas. Schade, dass unser Spanisch nach wie vor sehr lückenhaft ist. Radebrechend erfahren wir, welche Bedeutung die rot-gelb-rot horizontal gestreifte Flagge der Gunas Yala mit einem hakenkreuzähnlichen Symbol besitzt: ursprünglich symbolisiert es das Sonnensymbol im Hinduismus und Buddhismus, für die Gunas stellt es eine Krake dar, die nach lokaler Überlieferung die Welt erschuf.  Am nächsten Morgen wechseln wir zur 3. Insel  "Banedup Sur", vor der überraschend viele Segelboote ankern. Wir erkunden die Insel und das Postkarten-Idyll bekommt Risse: die dem offenen Meer zugewandte Inselseite ist mit (Plastik-) Müll übersät, für den sich niemand zuständig zu fühlen scheint. Letztendlich sind wir jedoch alle dafür zuständig, es ist unser aller Müll! Die Unmengen an Plastikmüll, mit denen wir in Mexiko und Zentralamerika täglich konfrontiert wurden, unterstreicht Brigittes These, dass wir nicht am Klimawandel, sondern an unserem eigenen Plastik ersticken werden. Als wir ernüchternd zum Boot zurück paddeln, ist auf Deck die Aufregung der Crew groß: ein angeblich ungefährlicher, 3 m langer "Ammenhai" (Nurse Shark) umkreist ohne jegliche Scheu die Koala X. Der Ungefährlichkeit vertrauend, springen wir mit unserer Schnorchelausrüstung ins Wasser. Der Hai ist ähnlich neugierig wie wir, denn er schwimmt immer wieder direkt auf uns zu mit Abständen, bei denen Streicheleinheiten durchaus möglich gewesen wären.  Was für ein einmaliges Erlebnis! Erst später lesen wir, dass die bodenbewohnenden "Ammenhaie" in Verteidigung durchaus angreifen können, wenn sie sich provoziert fühlen. Wenig später lichten wir den Anker und bei einem unvergesslichen Sonnenuntergang verschwinden die "San Blas Inseln" am Horizont. 

Wir:  zwei Nächte und einen Tag segeln wir auf offenem Meer bei mäßigem Wellengang nach Süden in Richtung Südamerika. Vergeblich halten wir Ausschau nach Walen oder Delfinen. Nur ein großes Containerschiff unterbricht die Monotonie des unendlich scheinenden Meeres, indem es unsere Route kreuzt. In der zweiten Nacht tauchen am Horizont die ersten Lichter auf. Brigitte und ich beobachten, unseren Gedanken an Deck nachhängend, wie sich unsere "Nussschale" der Metropole "Cartagena" nähert. Fast im Hafen angekommen, reißt Edwin schlagartig das Steuer herum: ein mächtiges, dunkles Boot ohne Außenlicht hätte uns fast von rechts gerammt. Um Mitternacht legen wir am Steg des Yachthafens in "Cartagena" an. Gegen 1:00 Uhr weckt uns Pauline. Wir schlurfen schlaftrunken und teils im Pyjama zur Marina, stellen uns in Reih und Glied auf und werden per Smartphone abgefilmt, während uns die Zollbeamtin die Pässe  mit den Visastempeln übergibt. Wir freuen uns auf maximal 90 Tage in Kolumbien.

Am Morgen des 18. Mai 2024 geht für uns zum ersten Mal die gelbe Sonne in Südamerika auf.  Ein riesiger Kontinent liegt ab heute vor uns. Zu schnell hat uns der Alltag wieder:  Veronika (Cargorider) informiert uns, dass unser Paket mit der Klim/USA Ersatzausrüstung durch einen Importeur eingeführt werden muss. Die Steuern betragen 66% des Paketwertes. Dazu kommen Zoll- und Lagergebühren. Insgesamt entsprechen unsere Kosten etwa dem Wert unserer Kleidung.  Wir sind geschockt! Die DHL Express Sendungen werden DHL Parcel übertragen, das in Bogota nicht vertreten ist.  Dadurch ändern sich die Sendungsnummern des neuen Dienstleister 4-72. Unsere vielen Trackingversuche bleiben erfolglos. Ohne die Unterstützung durch Veronika  wären wir im Bürokratiedschungel Kolumbiens komplett verloren. Wir mieten uns für zwei Wochen in einem AirnB in Bogota ein, wartend, hoffend...

Mobirise



Projekt: Geschätzt 4,5 Mio. Kinder in Bolivien leben in Armut. Laut Unicef vegetieren ca. 3.000 Kinder und Jugendliche unter 18 auf der Straße. Von 1.000 Kindern sterben 75 vor ihrem 5. Lebensjahr. Gründe sind u.a. Armut und Mangelernährung. Ca. 1/3 der Minderjährigen (> 300.000 Kinder) müssen arbeiten, um zu überleben. Ca. 10% der wirtschaftlich tätigen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche. Der deutsche Pfarrer Josef M. Neuenhofer gründete 1994 in La Paz das soziale Hilfswerk "Fundacion Arco Iris" (Regenbogen). Es bietet Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen in kritischen Lebenssituationen u.a. ein Zuhause an. Bitte unterstützt das Projekt von tang2south. Vielen Dank für Eure Spenden, ob groß oder klein. Die Bereitschaft zur Hilfe zählt und wir zählen auf Euch!!!


Mobirise

© Copyright 2021  TANGO2SOUTHImpressum / Datenschutz

Free AI Website Maker