03.2025 Hochdorf, Deutschland. Das schmale, langgestreckte Chile an der Pazifik Westküste beeindruckt uns mit der magischen Atacama Wüste im Norden, das an europäische Landschaften erinnernde fruchtbare, von deutschen Siedlern geprägte Zentrum, den teils unreal erscheinenden Andenpässen und der abenteuerliche Carretera Austral im Süden. Das südöstlich der Andenkette liegende Argentinien fasziniert uns mit der scheinbar grenzenlosen Pampa, den beeindruckenden Gletschern und grandiosen Spitzen des Fitz Roy Massivs in Patagonien, sowie den Spitzenweinen der Weinbauregion Mendoza. Unsere treuen Motorräder transportieren uns 74.930 km von Halifax, CA über Alaska in 689 Tagen unversehrt an unser Ziel "Ushuaia/Estancia Moat", dem südlichsten "Ende der Welt". Ein lang ersehnter Traum ist in Erfüllung gegangen. Danke...
07.11.2024-07.02.2025 Pozo Almonte_Tocopilla_Antifagasta_San Pedro de Atacama_Tilcara_Salta_Cafayate_Belen_Chilecito_San Jose de Jachal_La Consulta_Malargue_Talca_Conception_Recinto_Temuco_Valdivia_Frutillar_Ancuid_Quellon (Fin de Panamericana)_Puerto Montt_Puerto Natales_Punta Arenas_Porvenir_Rio Grande_Ushuaia_Estancia Moat (Fin del mundo)_Rio Grande_Rio Gallegos_EL Calafate_El Chalten_Gobernado Gregors_Chile Chico_Cayhaique_Puyuhuapi_Chaiten_Puerto Mont_Frutillar_San Carlos de Bariloche_San Martin de los Andes_Pucon_Talca_Malargue_Mendoza_Valparaiso_Santiago de Chile_Houston_London_Stuttgart
Km 0 - Km 16.830/34.130/50.960/57.529/62.948/74.930
Am 6. November 2025 überqueren wir bei "Arica" die Grenze nach Chile. Die südlichste Stadt unserer Reise: "Ushuaia" erscheint in erreichbare Nähe zu rücken, obwohl uns noch mehrere tausend Kilometer davon trennen. Wegen der Regenzeit in Südperu und Bolivien von November bis März angeln wir uns auf der "Panamericana Sur" die Küste bis "Antofagasta" entlang. Ab 9. Dezember 2025 wollen wir auf der "Navimag Fähre Esperanza" durch die traumhafte Inselwelt und Fjorde Südchiles von "Puerto Montt" nach "Puerto Natales" crusen, um unser südlichstes Ziel "Ushuaia" rechtzeitig vor Weihnachten zu erreichen. Unsere Route von "Arica" nach "Pozo Almonte" führt uns auf der "Panamerica Sur" zunächst durch das fruchtbare "Azapa-Tal" mit seinen großen Olivenhainen. Am Ausgang von "Arica" informiert uns ein Schild, dass die nächste Tankstelle 259 km entfernt sei. Unsere Tanks sind randvoll und 7 l Ersatzbenzin führen wir zusätzlich mit. Daher beunruhigt uns die Einsamkeit der Passstraße und der starke Gegenwind kaum. Wir sind in der rauen Schönheit der "Atacama- Wüste" angelangt und überqueren über die Pässe "Cuestas de Acha", "Chaca" und "Camarones" nahezu vegetationslose, zerklüftete Gebirge. Die Ausblicke auf tiefe Schluchten und ausgetrocknete Täler sind absolut spektakulär. Nach "Cuya" wird die Landschaft zunehmend flacher und karger, eine schier endlose Weite breitet sich vor uns aus, die nur von Salzpfannen und gelegentlichen kleinen grünen Oasen unterbrochen wird. Diese monotone Kargkeit der Landschaft, die wir in diesem Ausmaß bisher noch nicht erlebt haben, überwältigt uns trotz der unmenschlichen Hitze durch ihre fast surreal wirkende, an eine Marslandschaft erinnernde Schönheit. Kurz vor "Pozo Almonte" zeigt Brigittes Tank Null km an. Wir passieren mehrere Geisterstädte, die der Salpeterbergbau hinterlassen hat und sehen uns schon in der Hitze bei extrem böigem Wind gedanklich im Nirgendwo verloren im Sand. Buchstäblich mit dem letzten Tropfen Benzin erreichen wir eine Tankstelle am Rande von "Pozo Almonte". Das Leben der Einwohner scheint sich in dieser Ansiedlung auf die zentrale Einkaufsstraße zu fokussieren, die uns mit ihren eingeschossigen Holzgebäuden, vorgesetzten überdachten Veranden und - fast stilecht-, einer Pferdekutsche stark an eine amerikanische Westernstadt erinnert. Im "General Store" besorgen wir uns die für Chile notwendigen Elektrostecker und SIM-Karten und erfahren, endlich wieder online, vom Ende der Ampelregierung in Deutschland. In der kargen Wüstenlandschaft entdecken wir immer wieder Bauruinen ehemaliger Salpeterwerke und verlassener Arbeitersiedlungen. Durch den Besitz reicher Salpetervorkommen als Ergebnis der Salpeterkriege und der Friedensabkommen mit Peru (1883) und Bolivien (1904), erreichte Chile beträchtlichen wirtschaftlichen Wohlstand. Mit der Entwicklung neuer Verfahren zur Salpetergewinnung und der Entdeckung des synthetischen Düngers zu Beginn des 20. Jh. verlor der Salpeterabbau seine Bedeutung im internationalen Handel und fand als Devisenbringer in Chile ein Ende. Wir durchqueren die trockene Ebene der "Reserva Nacional Pampa del Tamarugal ", eines der trockensten Gebiete der Welt, bevor wir in "Iquiquen" nach abenteuerlichen Serpentinen wieder den Pazifik erreichen, um entlang der schroffen und steilen Felsenküste der Küstenkordillere "Tocopilla" anzusteuern. Unterwegs beobachten wir Berge nasser und getrockneter "Cochayuyo-Algen", die von Frauen und Männern mühsam aus dem Meer gefischt werden. Für ganze Familien ist das Sammeln und Verkaufen der Algen neben dem Fischfang in diesem strukturarmen Gebiet die einzige Lebensgrundlage. Die Algen, die reich an Nähr- und Ballaststoffen, Mineralien und Vitaminen sind, werden in der Kosmetik- und Nahrungsindustrie verarbeitet. Die "Cochayuyo-Alge" ist ein traditionelles Nahrungsmittel, das schon die "Mapuche"-Ureinwohner kannten und als Superfood nun auch in der Haute Cuisine Einzug gehalten hat. Je mehr wir uns "Tocopilla" nähern, desto dichter ist der Strand mit Bretterbuden, die teils kleine Ansiedelungen ausbilden, verbaut. Als Schutz vor dem starken Wind sind die verlassen wirkenden Häuser mit blickdichten Bastzäunen umschlossen. Was für ein unvorstellbar hartes Leben der Fischer und "Algensammler"! Surreal wirkende, karge Wüstenlandschaften vor felsigen, zerklüfteten Hügeln und gelegentlichen Salzpfannen, mit Farbnuancen von hellem Beige bis zu Rot- und Brauntönen mit dem blauen Pazifik im Hintergrund, schaffen eine außergewöhnliche Kulisse. Wir biegen kurz vor "Antofagasta" ins Landesinnere ab. Wie eine Fata Morgana tauchen aus der flirrenden Hitze der "Atacama Wüste" die riesigen Umrisse mehrerer Industrieanlagen auf. In "La Negra" konzentrieren sich an der "Panamericana Sur" seit der Jahrtausendwende Unternehmen der Bergbauindustrie, u.a. Kupferhütten sowie Produktionsanlagen für Lithiumbatterien. Wegen des hohen Strombedarfs dieser Industrien bedecken gigantische Solarkraftwerke die Wüstenflächen. Die gesamte Stadt ist mit einer feinen weißen Pulverschicht bedeckt, die sowohl von dem örtlichen Zementwerk, als auch von den Verarbeitungsprozessen der Bergbau- und Metallverarbeitungsindustrien herrührt. Die Umweltverschmutzung und die Belastung der hier tätigen Menschen ist erheblich: Giftstoffe wie Schwermetalle belasten Boden, Luft und Wasser. LKW-Konvois verstopfen die 4-spurige Durchgangsstraße und wirbeln den Pulverstaub auf, die ganze Atmosphäre wirkt extrem apokalyptisch. Schnell füllen wir unsere Benzintanks auf, bevor wir wieder in die lebensfeindliche Monotonie der heißen Wüstenebene eintauchen. Von Weitem zeichnet sich am Horizont die Großskulptur "Mano del Desierto" des chilenischen Bildhauers Mario Irarrázabal ab, ein "must-see" und beliebtes Fotomotiv in der dramatischen Schönheit der chilenischen Wüstenlandschaft - gerade auch für Motorradfahrer. Die 1992 geschaffene, 11 m hohe Eisen- und Zementhand soll Gefühle von Einsamkeit, Verwundbarkeit und menschlicher Isolation ausdrücken. Darüber hinaus mahnt sie, mit den Umweltsünden aufzuhören, damit die Erde nicht überall zu einer Wüste wird. Wir genießen kurzzeitig die stille Atmosphäre rund um die ausdrucksstarke Skulptur, bis eine Gruppe brasilianischer Motorradfahrer mit lauter Sambamusik energiegeladen ihre Ankunft an dem Mahnmal ausgelassen feiert. Wir fotografieren uns gegenseitig und tauschen Sticker und Informationen über unsere Reisen aus. Fernreisende Motorradfahrer gehören zu einem familiären Netzwerk, in dem wir, trotz mancher Sprachbarrieren, uns stets freundlich begegnen, in dem Geschichten und Ratschläge ausgetauscht werden und aus dem nicht selten langanhaltende Freundschaften entstehen. Von der "Wüstenhand" aus verlassen wir die Nähe des Pazifiks und steuern ein weiteres Wunschziel an: "San Pedro de Atacama"...
Chile Teil 1
Chile (756.102 km², ca. 19,6 Mio. Ew., Hauptstadt Santiago de Chile) erstreckt sich am Westhang der Andenkodillere in N-S-Richtung über 4.275 km, in W-O Richtung über weniger als 200 km. Dadurch weist es eine große Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen auf. Der moderne souveräne Staat Chile gehört zu den wirtschaftlich und sozial stabilsten und wohlhabendsten Ländern Südamerikas mit einer einkommensstarken Wirtschaft, einem hohen Lebensstandard und einer auf 12 Jahre begrenzten Schulpflicht. Chile gilt als sicheres Reiseland und weist nach Kanada die niedrigste Mordrate in Amerika auf. 1848 begann die deutsche Kolonisierung, die von der chilenischen Regierung gefördert wurde, um den Süden des Landes zu bevölkern. Durch Landflucht leben heute etwa 50% der Bevölkerung in der "Región Metropolitana de Santiago".
Wir: schrauben uns von den salzigen Nebeln des Pazifiks um "Antofagasta" in die staubige Welt aus Felsen, Sand und gleißendem Licht. Der Himmel weitet sich, sein Blau wird intensiver, die Luft trockener. Über 5.000 m hohe Vulkane tauchen am Horizont auf, die lebensfeindliche Landschaft beginnt in Ocker, Zinnober und dem Weiß von Salz zu leuchten. Wir passieren das Kupferbergwerk "Chuquicamata", das nach Fördermengen den 15. Platz der Welt belegt. Der Tagebau ist unglaubliche 4.300 m lang, 3.000 m breit und über 1.000 m tief. In unmittelbarer Nähe entdecken wir verlassene Salpetertagebaustätten und die Überreste verfallener Steinmauern der ehemals dazugehörigen Dörfer, die ihre Blütezeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jh. erreichten und anschließend zu Geisterdörfer mutierten. Einige der verlassenen Siedlungen sind Weltkulturstätten wie "Humberstone" oder "Santa Laura", stumme Zeitzeugen der einst goldenen Epoche der Salpeterzeit. "San Pedro de Atacama" mit knapp 2.000 Ew. und 700 Häusern ist eine Oase auf ca. 2.500 m, die im Westen von der "Cordillera Domeyko" und im Osten von der "Andenkordillere" begrenzt wird. Durch die von den spanischen Kolonialherren angelegten staubigen Straßen entlang eingeschossiger Adobegebäude mit Dutzenden von Reisebüros, Souvenirläden und Kneipen bummeln jährlich etwa 50.000 Wüsten-Touristen aus aller Welt. Die schlichte Adobekirche von "San Pedro de Atacama" mit einem Dachstuhl aus Kaktusstämmen und einem Altarbereich, der an einen Adventskalender erinnert, ist eine der ältesten in Chile. Wir lassen uns mit 15 Backpackerinnen in einem Transporte viehähnlich in das "Valle de Luna" mit den Sehenswürdigkeiten "La Gran Dunja", "Tres Marias" und dem "Mirador de Poedra" chauffieren. Die vegetationslose Landschaften mit ihren mächtige Sanddünen und bizarren Salzformationen erinnert an Bilder der Mondoberfläche. Von einer Felsklippen aus beobachten wir mit Hunderten von Touristen die untergehende Sonne, die die Wüstenlandschaft in ein bezauberndes rötlich schimmerndes Lichtermeer verwandelt. Kaum ist der rote Sonnenball am Horizont verschwunden, werden wir hastig zurück in den Transporter getrieben und zum Hotel zurückgebracht. Wie gerne hätten wir stattdessen die einbrechende Stille der Wüste und den sich tiefrot färbenden Himmel (in unserem Expeditionsmobil) genossen. Aber wir wollen an diesen magischen Ort zurückkehren, versprechen wir uns, als wir uns im exklusiven und hochpreisigen Gourmet-Restaurant "Adobe" ein leckeres, aber sehr scharfes "Pollo al Pil-Pil" gönnen. Stetig windet sich die asphaltierte Straße von "San Pedro de Atacama" mit bombastischen Ausblicken auf Wüstenlandschaften, Salzebenen, Vulkane und bunten Bergformationen bis auf über 4.800 m in die Anden hoch. Bereits bei der Auffahrt auf den "Paso de Jama" entdecken wir mehrere "Vikunjas", die unser Näherkommen misstrauisch beäugen. Wie ein kitschiges Postkartenmotiv erhebt sich dahinter der bei der indigenen Bevölkerung als heiliger Berg verehrte Vulkankegel des 5.920 m hohen "Licancabur", der auch die Grenze zwischen Chile und Bolivien markiert. Wir überqueren eine endlos erscheinende Hochebene mit unzähligen gelben Grasbüscheln auf rötlichem Sand, zwischen denen weitere Vikunjaherden grasen. Dazwischen glitzern weißblaue Salzseen, in denen rosafarbene Flamingos vor einer nahezu unwirklichen Kulisse eines rotbraunen "Kesselrandes", nach Nahrung suchend, herumstelzen. Diese Landschaft gehört zu den eindrucksvollsten Szenerien, die wir bislang auf unserer langen Reise erleben durften. Die Passstation des "Paso de Jama" liegt auf 4.200 m und wieder einmal haben die Zöllner die Ruhe weg. Um die Grenzkontrollen zu beschleunigen und die Verwaltung zu vereinfachen, verzichtet Argentinien auf Einreisestempel und erfasst Grenzgänger "nur" elektronisch. Dieser "Bürokratieabbau" würde sich dann positiv bemerkbar machen, wenn die "Beamten" nicht vor der Türe über 30 min. rauchen und uns keines Blickes würdigen würden. Die langwierige Zollabfertigung und unzählige Fotostopps haben viel Zeit verschlungen. Mit dem essentiell wichtigen TIP (Temporary Import Permission) in der Tasche verschieben wir die Besichtigung der etwa 212 km² großen "Salinas Grandes" mit ihrer 30 cm dicken, meist aus Natriumchlorid bestehenden Salzschicht auf "später". Noch einmal führt uns die serpentinenreiche Straße auf den spektakulären, 4.170 m hohen Pass "Cuesta de Lipán", bevor wir 17 km in vielen steilen und engen Kurven nach "Tilcara", unserem ersten Übernachtungsort in Argentinien, abfahren. Wir besitzen weder argentinische Pesos noch eine Telefon-SIM. Der offizielle "Claro"-Telefonladen verkauft uns zwar den Chip, aber erst in einem vollgestopften Krämerladen funktioniert die Aktivierung. Alle drei Western Union Büros verfügen über kein Geld. Deshalb tauschen wir notgedrungen zu einem Wucherkurs chilenische in argentinische Pesos um. Nach jedem Grenzübertritt beschäftigt uns dasselbe Prozedere: Geld einwechseln bzw. abheben, Telefonkarte besorgen und aktivieren lassen. Das Abheben argentinischer Pesos vom Bancomat ist immens kostspielig. Wie kommen wir an ausreichendes Bargeld?
Die Atacama Wüste erhält sehr wenig Niederschlag (<1 mm/Jahr in einigen Regionen). In bestimmten Gebieten hat es seit Jahrzehnten nicht mehr geregnet. Die Wüste ist eine einzigartige Landschaft mit Salzseen, Vulkanen, Sanddünen und faszinierenden Felsformationen (u.a. das "Valle de la Luna"). Trotz der extremen Bedingungen überleben in der Atacama eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, die sich an die Trockenheit angepasst haben. Aufgrund der klaren Himmel und der geringen Lichtverschmutzung ist die Atacama ein beliebter Standort für astronomische Observatorien. Die Region hat eine reiche Geschichte, die von indigenen Völkern wie den "Atacameños" geprägt ist. Es gibt viele archäologische Stätten, die Einblicke in die Kultur und Lebensweise dieser Völker geben. San Pedro de Atacama ist ein malerisches, touristisch überlaufendes Dorf in der Wüste.
Der Jama Pass ist ein bedeutender Grenzübergang in den Anden zwischen Chile und Argentinien. Er liegt auf einer Höhe von etwa 4.200 m und verbindet die chilenische Region Antofagasta mit der argentinischen Provinz Jujuy. Der Pass bietet wirklich atemberaubende Ausblicke auf die umliegenden Anden mit beeindruckenden Berglandschaften, Vulkanen und Salzwüsten.
Er ist eine wichtige Route für den internationalen Verkehr und ist in der Regel ganzjährig geöffnet. In der Nähe des Passes gibt es zahlreiche touristische Ausflugsziele, darunter die "Salinas Grandes", eine große Salzwüste sowie beeindruckende Lagunen wie z.B. die "Laguna de Pozuelos". Der Pass besitzt auch kulturelle Bedeutung, da er als historische Handelsroute zwischen den beiden Ländern bereits von indigenen Völkern genutzt wurde.
Argentinien Teil 1
Argentinien (2.780.400 km², ca. 46,3 Mio. Ew., Hauptstadt Buenos Aires) galt bis ca. 1950 als eines der reichsten Länder. Wirtschaftlich spielten traditionell die Landwirtschaft, Viehzucht und der Rohstoffabbau eine große Rolle. Politisch und kulturell war das Land bis Mitte des 20. Jh. stark durch die Einwanderung aus Europa (Italien und Spanien) geprägt. Anfang der 20er Jahre lebte fast die Hälfte der Argentinier wegen des Verlust der Kaufkraft des argentinischen Peso und hoher Inflation (2023 220%) unterhalb der Armutsgrenze. Präsident Milei versprach 2023 den Staatsapparat zu verkleinern, Regulierungen abzubauen, Subventionen und Sozialleistungen zu kürzen sowie Staatsbetriebe zu privatisieren. Trotz eines Haushaltsüberschuss und sinkender Inflation prägen auch 2025 weiterhin hohe Armut und Arbeitslosigkeit das liebenswerte Land.
Wir: buchen in "Tilcara" die Fähre von "Puerto Montt" nach "Puerto Natales" und schlängeln uns anschließend durch schmale, enge Schluchten farbenfroher Berge. Die Umgebung des Dorfes "Maimara" ist berühmt für die "Paleta del Pintor", einer Gebirgskette mit leuchtend farbigen Felsen. Weiter südlich passieren wir das Dorf "Purmamarca", dessen bunte Berglandschaft als "Cerro de los Siete Colores" bezeichnet wird. Über die "Cuesta de Bárcena", einer steilen Serpentinenstraße mit spektakulären Ausblicken auf eine gewaltige Bergkulisse, erreichen wir das grüne "San Salvador de Jujuy" auf 1.200 m. Krasser kann sich die Landschaft innerhalb so kurzer Zeit kaum verändern: statt Stein und Fels umgibt uns nun die üppige Vegetation subtropischer Yungas-Wälder mit teils sehr exotischen Pflanzen, die wir auf einer schmalen, oft sehr kurvigen und anspruchsvollen Straße durchqueren. "La Cornisa" nennt sich der abenteuerlichste Streckenabschnitt mit spektakulären Panoramen, die sich entlang steiler Hänge zu dem grünen und fruchtbaren "Valle de Lerma" öffnen und wenig später in der Kolonialstadt "Salta" (1582) enden. Gegen Ende des 19. Jh. und im frühen 20. Jh. ließen sich viele Einwanderer aus Italien, Spanien, dem heutigen Syrien und Libanon in der Stadt nieder und belebten spürbar den Handel mit Bolivien, überwiegend mit Produkten aus der Landwirtschaft. Die Stadt ist vor allem für ihre Bauten aus der Kolonialzeit bekannt. Die Regierung erließ ein Gesetz, wonach im Zentrum der Stadt Bauten, die im typischen spanischen Kolonialstil gebaut wurden, günstigere Steuertarife bekamen. Der zentraler Platz "Saltas" heißt "Plaza 9 de Julio" mit der ab 1858 erbauten "Catedral de Salta". Unter den Arkaden der angrenzenden Kolonialbauten reihen sich mehrere Restaurants, von denen wir, wie so häufig in größeren Städten, das alltägliche Treiben auf dem mit hohen Bäumen überkrönten Platz beobachten. Staunend stehen wir vor der bemerkenswert blauen Fassade der "Iglesia la Viña", die im italienisch neobarocken und neobyzantinisch Stil 1873 bis 1886 erbaut wurde, um die "Jungfrau von Candelaria de la Viña" zu beherbergen. Ihr Architekt "Noé Macchi" hat zur Realisierung des Bauwerks "Spenden in Höhe des Wertes von fünf neu errichteten Häusern im Zentrum Saltas" beigesteuert. Außerhalb der "Plaza 9 de Julio" verliert "Salta" zunehmend an Charme. Viele Gebäude sind, vermutlich wegen der Wirtschaftskrise Argentiniens, heruntergekommen und selbst der "Paseo de los Poetas", der der Literatur und den Dichtern mit Skulpturen, Wandmalereien und Denkmäler gewidmet ist, wirkt verlassen und abgewirtschaftet. Im Hotel lassen wir unsere Wäsche waschen. Normalerweise zahlen wir für ca. 5 kg zwischen 8-10 Euro. Doch das Hotel verlangt über 50 Euro. Zu unserem Glück wurde die Wäsche auf einer Unterlage voller Flusen zusammengelegt, so dass wir wiederum "Schadensersatz" verlangen. Unser Streit endet sang- und klanglos wie's "Hornberger Schießen”, ohne dass wir für das Waschen bezahlen. Von nun an sind wir auf der Hut, denn Argentiniens Preise, insbesondere beim Essen, sind durchaus mit deutschen vergleichbar. Mit der "Teleférico" schweben wir auf den "Cerro San Bernardo (seit 1987). 300 m über der Stadt wird der Blick auf das "Valle de Lerma" und die dahinter aufragenden südlichen Anden durch Bäume und Buschwerk bedauerlicherweise sehr erschwert. Abendessenszeit in Argentinien ist zwischen 20:00-22:00 Uhr, eine kulturelle Tradition, die auch mit den langen Mittagspausen und der insgesamt entspannten Lebensweise der Argentinier zusammenhängt. Abends sind die Straßen voll, lange Schlangen bilden sich vor den Restaurants und den Sandwichbuden, von der nach wie vor hohen Inflation und Arbeitslosigkeit ist zumindest im Zentrum der Stadt nichts zu spüren. Die Glocken der Kathedrale läuten traditionell jeden zweiten Mittwoch im Monat etwa 30 min. zur Erinnerung an die Opfer der Militärdiktatur und weisen eindrucksvoll auf die Bedeutung von Menschenrechte und die Notwendigkeit von Frieden hin. Eine berührende Geste, die für uns die schöne abendliche Atmosphäre in Salta zusätzlich bereichert. Wir fühlen uns in Salta außergewöhnlich wohl, doch der anstehende Fährtermin lässt uns keine andere Wahl als weiterzufahren...
Salta ist eine wunderschöne Stadt im Nordwesten Argentiniens, bekannt für ihre beeindruckende Architektur, reiche Kultur und atemberaubende Landschaften. Sie liegt inmitten der beeindruckenden Bergregion der Anden, die von trockenen Wüsten bis hin zu fruchtbaren Tälern reicht. Die Stadt weist eine lange Tradition auf, die sich auch in ihrer kolonialen Architektur widerspiegelt (u.a. die Kathedrale von Salta, 18. Jh. und der "Cabildo", historisches Rathaus). Die lokale Küche ist ein Highlight mit Spezialitäten wie "empanadas, locro" (ein traditioneller Eintopf) und den hervorragenden Weinen aus der Region, insbesondere dem "Malbec". Die "Plaza 9 de Julio" ist das Herz der Stadt und ein beliebter Treffpunkt für Einheimische wie Touristen. In den vielen Cafés und Restaurants rund um den belebten Platz lassen sich das Treiben der Stadt beobachten und die Küche genießen.
Die Quebrada de las Conchas, ca. 60 km südlich von Salta und kurz vor dem schnuckeligen Weindorf "Cafayate" ist eine beeindruckende Schlucht in der Provinz Salta. Sie gehört zu den wohl spektakulärsten Natursehenswürdigkeiten Argentiniens. Ihre einzigartigen geologischen Formationen sind durch Erosion und Wind über Millionen von Jahren entstanden sind. Die charakteristischen rötlichen Felsen und Böden stellen eine wirklich atemberaubende Kulisse dar. Die markanten Farben stammen hauptsächlich von oxidiertem Eisenoxid innerhalb der verschiedenartigen Sedimentgesteine. Ein sehr trockenes Klima und wenig Vegetation tragen zur Erhaltung der Farben bei. Zu den bekanntesten Formationen gehören die fantastische „Garganta del Diablo“ (Teufelsschlucht), die „Tortuga“ und die „Silueta del Hombre“.
Wir: befahren eine der schönsten Routen Argentiniens durch das spektakuläre "Valle de Calchaquí". Unterwegs bewundern wir die faszinierenden Felsformationen des "Quebrada de las Conchas", einer etwa 75 km langen, relativ engen Schlucht des "Río Guachipas" mit Hängen aus leuchtend roten Konglomeraten sowie Sand-, Silt- und Tonsteinen. Die bizarren Felsformationen haben phantasievolle Namen wie "El Sapo" (Die Kröte), "El Fraile" (Der Mönch), "El Obelisco" (Der Obelisk) oder "Garganta del Diablo" (Teufelsrachen). Mit unserem Hilux würden wir in dieser faszinierenden Landschaft sicherlich übernachten. So aber reicht es nur für viele Fotostopps und, nachdem wir "Los Medanos", ein kleines aktives Dünenfeld durchquert haben, treffen wir am Ende der "Ruta Nacional 68" auf die berühmte "Ruta Nacional 40". Sie ist mit 5.301 km die längste Fernstraßen der Welt und neben der "Panamericana" die bekannteste Transitstraße auf dem südamerikanischen Kontinent. Einigen Streckenabschnitte sind bis heute nur mit geländegängigen Fahrzeugen befahrbar, was ihren Mythos festigt und ihre Bezwingung zu einer besonderen Herausforderung bei Abenteuertouristen wie uns macht. Wenige Kilometer später erreichen wir bereits den touristischen Weinort "Cafayate" (1840), das mit 360 Sonnentage und weniger als 250 mm Niederschläge mitten in den "Valles Calchaquíes" liegt. Sein Markenzeichen sind prämierte Weißweine aus der "Torrontés-Riojano-Traube", die von der geringen Luftfeuchtigkeit bei praktisch ganzjährig sonnigem Wetter und hohen Tag-/Nacht Temperaturunterschieden auf durchschnittlich 1.700 m Höhe profitieren. Die Bodega "Domingo Hermanos", wirbt mit "hoch gelegenen Weinbergen und Weinen mit gutem Körper, Ausgewogenheit und Harmonie" (https://www.domingohermanos.com/). Tatsächlich munden uns die 6 ausgewählten Weine, die mit einer kleinen Käseplatte serviert werden so ausgezeichnet, dass wir den ungenützten Raum in unseren Alukisten mit Weiß- und Rotweinen für die bevorstehenden Reisehöhepunkte auffüllen. Das "Museo del Vino" bietet Einblicke in die Geschichte des Weinanbaus von den präkolumbischen Kulturen über die spanische Kolonialzeit bis hin zur modernen Weinproduktion. Die verschiedenen Weinsorten und die Weinherstellung werden multimedial präsentiert und historische Werkzeuge und Weinfässer ausgestellt. Die Restaurants um den "Plaza Principal" sind am Abend vor allem von gutbetuchten Amerikanern sowie lautstarken jungen Backpackern so sehr überflutet, dass wir fast fluchtartig unsere Reise auf der "Ruta Nacional 40" durch die "Valles Calchaquíes" nach "Belén" fortsetzen...
Wir: durchqueren zuerst atemberaubende Schluchten und Berge in sanften Rottönen, später die topfebene, wüstenhafte Hochebene "Campo de Belén", in der wir gegen heftige Windböen ankämpfen müssen. Anschließend schlängelt sich die "Ruta Nacional 40" durch das mit Kakteen bewachsene Tal des "Río Santa María". Kurz vor "Belén", das für seine qualitätvolle Teppichwebereien bekannt ist, prägen weite Täler einer kargen, aber faszinierenden Wüstenlandschaft mit roten Felsformationen und Steppen sowie der beeindruckende "Monte Catamarqueno" die Landschaft. Auf schnurgerader Strecke fotografieren wir uns am Schild: „Kilometer 4040“ der "Ruta Nacional 40". Die 4.040 km bis zum Leuchtturm vom "Cabo Vírgenes" an der Atlantikküste bei "Río Gallegos" führen uns die vielen Kilometer vor Augen, die in den kommenden 4 Wochen bis Ushuaia noch vor uns liegen werden. Nach dem ebenfalls mit Kakteen bewachsenen, trockenen Tal des "Rio Abaucán" begleiten uns endlich wieder grüne Weinberge, Olivenhaine und Obstplantagen. Wir fahren an vielen Gedenkstätten der "Difunta Correa" zu Ehren von "María Antonia Deolinda y Correa" vorbei, die 1841 auf der Suche nach ihrem Mann angeblich in der Wüste Argentiniens verdurstet ist. Ihr Kind jedoch war dank der Muttermilch nicht gestorben, es lag saugend an der Brust der toten Mutter. Vor allem gläubige LKW-Fahrer bitten darum, sicher ans Ziel zu gelangen und verehren sie als Schutzheilige der Reisenden mit kleinen Schreinen und Unmengen an gefüllten Wasserflaschen für die Verdursteten. Ebenso häufig entdecken wir kleine Schreine mit roten Fahnen, die dem sehr populärer Volksheiligen "Gauchito Gil" gewidmet sind. Der Landarbeiter "Antonio Mamerto Gil Núñez" geriet wegen eines echten oder angeblichen Verhältnisses mit einer reichen Witwe in große Schwierigkeiten. Deshalb schloss er sich der Armee an und kämpfte im "Tripel-Allianz-Krieg" gegen die Streitkräfte Paraguays. Im späteren argentinischen Bürgerkrieg desertierte er, um nicht eigene Landsleute umbringen zu müssen. Nach manchen Legenden war er in dieser Zeit so etwas wie der argentinische Robin Hood – bestahl die Reichen und gab das Geld den Armen. Als er gefangen wurde, teilte "Gauchito Gil" seinem Henker mit, dass sein kranker Sohn gesund würde, wenn er zu ihm betete. Der Sohn wurde tatsächlich gesund, daraufhin errichtete der Henker ein kleines Heiligtum und erzählte allen Leuten vom wundersamen "Gauchito Gil". Heute gilt er als Patron von Auto-, Bus- und Lastwagenfahrern, die hupen, wenn sie an einem Schrein vorbeifahren, um im Gegenzug auf eine unbeschwerliche und unfallfreie Reise zu hoffen. "Chilecito" (1715) liegt auf 1.076 m in einem breiten Tal zwischen der bis zu 4.920 m hohen "Sierra de Velasco" im Osten und der bis zu 6.250 m hohen "Sierra de Famatina" im Westen. 200 Stufen, die an 200 Jahre argentinische Unabhängigkeit erinnern, führen zu dem in Weiß erstrahlenden, eher grimmig dreinblickenden 16 m hohen "Cristo del Portezuelo" hinauf, von dessen Plattform aus wir einen herrlichen Blick auf die umgebende Landschaft genießen. Der spektakuläre Abschnitt der legendären "Ruta Nacional 40" windet sich zwischen "Chilecito" und "Villa Unión" auf den 2.000 m hohen Gebirgspass "Cuesta de Miranda" hoch und durchquert dabei das bis zu 6.200 m hohe "Fatamina-Gebirge". Dessen Berge sind reich an Gold, Silber, Kupfer und Wismut. Diese wertvollen Bodenschätze werden aus zahlreiche Minen wie "San Tomas del Espino", "Santo Domingo" oder "La Mejicana" gefördert. Uns beeindrucken jedoch eher die atemberaubende Ausblicke auf die roten Berge, die ihre markante Farbe dem hohen Gehalt an oxydiertem Eisenoxyd in den Sedimentsteinen zu verdanken haben. Die Region war einst Teil eines urzeitlichen Flusssystems, das Sedimente in unterschiedlichen Schichten ablagert, die sich heutzutage in den vielfältigen Farbvarianten abbilden - ein typisches Merkmal vieler Gebiete im Nordwesten Argentiniens. Nachdem wir die Bergregion verlassen, prägt wieder eine trockene, aride rötliche Landschaft mit Büschen und Kakteen auf sandigem Boden diese Zone, die zur "Monte-Halbwüste" gezählt wird. Selten wird sie durch kleine Oasen mit Ansiedlungen wie "Guandacol" oder "Villa Unión" unterbrochen. Die kerzengerade Route ist in ihrer Einsamkeit und scheinbar unendlichen Ausbreitung sehr beeindruckend und bietet einen reizvollen Kontrast zu den bewaldeten oder landwirtschaftlich genutzten, Gebieten weiter südlich. Mal wieder geht unser Benzin zur Neige und der Blick auf die "Tanknadel" macht uns zunehmend nervöser. Mitten in dieser Unendlichkeit kreuzen sich in "Santa Clara" plötzlich zwei Straßen, von denen eine zu den "Termas de El Palmar" führt und die zwei Zapfsäulen erklärt. Kurz vor "San José de Jáchal" verlassen wir die "Ruta Nacional 40", um über die kurvige Bergstraße "Routa 491" auf die Felsformation "Sillón del Gigante", einem großen, sitzähnlicher Felsen, der an einen riesigen Sessel erinnert, zu stoßen. Vom darüberliegenden Mirador entfaltet sich ein fantastischen Blick zurück über die bunte Felslandschaft mit dem braunen meandernden Flusstal und den grünen Oasen, die wir heute durchquert haben. In "San José de Jáchal" plagt uns der Hunger, aber kein Restaurant öffnet vor 19:30 Uhr. Immerhin zügeln flüssige Kalorien am "Plaza San Martin" die ersten Heißhungerattacken. Es ist Schulschluss und Horden von Schulkindern in weißen Hemden/Blusen, blauen Hosen/Röcken und weißen Strümpfen amüsieren sich, stets das Smartphone greifbar, auf dem Hauptplatz. Wird ihnen die aktuelle Politik des ambitionierten argentinischen Präsidenten "Javier Milei" mit seinen radikalen wirtschaftlichen und unkonventionellen politischen Herangehensweisen eine hoffnungsvollere Perspektive eröffnen? Wir passieren die "Sierras Pampeanas", eine Kette niedriger, "zerknittert" aussehender Berge, die mit Buschwerk und Kakteen bedeckt sind. Den "Rio Jáchal" begleitet ein grüner, fruchtbare Streifen in einer ansonsten ariden Wüstenlandschaft. Kleine traditionelle Dörfer mit Häusern und Mauern aus Adobe, die sich der Farbigkeit der umgebenden Landschaft anpassen, säumen die "Ruta Nacional 40". Ihre Bewohner leben meist von der Landwirtschaft, insbesondere vom Oliven- und Weinanbau auf kleinen bewässerten Parzellen. Eine Rennstrecke und mehrere Sportkomplexe empfangen uns in "San Juan", das nach einem verheerenden Erdbeben 1944 nahezu komplett neu aufgebaut wurde. In dem fruchtbaren Tal des "Rio San Juan" mit heißen und trockenen Sommern und milden Wintern wird intensiv Weinbau u.a. mit der "Torrontés-Riojano-Traube betrieben. Die Dichte an Weingütern nimmt stetig zu, je mehr wir uns dem Herz der argentinischen Weinproduktion um "Mendoza" nähern. Die Region ist reich an natürlichen Ressourcen und neben dem Weinbau tragen Steinbrüche mit Kalkstein, Granit oder Marmor zum wirtschaftlichen Reichtum der Provinz bei. Wir umfahren "Mendoza" und genießen die reizvolle Fahrt durch das "Valle de Uco" mit seinen endlosen Rebenfeldern, hinter denen sich im Westen die Silhouette der schneebedeckten Andengipfel im Dunst abzeichnet. Der "Rio de Tunuyan" durchzieht das Tal, der neben Schmelzwasser aus den Anden das für die Bewässerung notwendige Wasser liefert, ohne das in dieser Wüstenregion eine landwirtschaftliche Nutzung nicht möglich wäre. Wir erreichen die Bodega "San Polo" und werden von dem Esslinger "Friedhelm" freundlich empfangen...
Die Weinregion um Mendoza zählt zu den bedeutendsten Weinbauregionen, auch weltweit. Die Region ist von beeindruckenden Berglandschaften der Anden umgeben, die die einzigartige Kulisse für den Weinbau prägen. Das Klima ist trocken und sonnig, mit heißen Tagen und meist kühlen Nächten. Diese Temperaturunterschiede sind ideal für den Anbau von Trauben, da sie die Aromen und die Säure der Weine fördern. "Malbec" ist neben "Cabernet Sauvignon", "Chardonnay" und "Torrontés" die am meisten angebaute Traube. Malbec-Weine sind oft vollmundig, mit Aromen von dunklen Früchten, Schokolade und Gewürzen. Mendoza ist für etwa 70% der gesamten Weinproduktion Argentiniens verantwortlich. Die Region hat eine Vielzahl von Weingütern, von großen kommerziellen Betrieben bis hin zu kleinen familiengeführten Weingütern mit sehr hochwertigen Weinen.
Wir: sind eingeladen, uns in der Bodega zu entspannen, schrieb "Friedhelm", der auf dem Weingut "San Polo" preisgekrönte Weine erzeugt und uns gleich zur Begrüßung durch den zweistöckigen Weinkeller mit gemauerten quadratischen und mit Epoxidharz abgedichteten "Raumfässern" führt. Darin lagern vor allem Malbec-Weine, deren Trauben in etwa 1.000 m Höhe bei reichlich Sonne und mineralhaltigen, gut durchdrainierten Böden des "Rio de Tunuyan ideale Bedingungen vorfinden. Außerdem produziert die Bodega "San Polo" u.a. das beliebte Weinsortiment "Auka Malbec" und "Zentas Gran Reserve Malbec", das für seine kräftigen, fruchtigen Aromen und weiche Tannine geschätzt wird. "Friedhelm" zeigt uns die professionell gepflegten Rebenfelder, die Olivenhaine, die Aprikosenfelder oder die Wurmbehälter, deren Ausscheidungen dem Tröpfchenwasser als natürlicher Dünger beigefügt werden. Beim Metzger, dessen Fleisch für unsere Nasen eher schon verrottet riecht, kaufen wir Berge von Fleisch mit dickem Fettrand und deftige Würste ein. Das kann ja heiter werden. Geübt entfacht "Friedhelm" das Feuer und grillt die Fleischstücke und "Chorizo" sehr langsam auf dem Rost oberhalb der glimmenden Glut. Das Fett tropft ab und wir verlieren uns im Genuss dieses köstlichen "Asado", dazu trinken wir einen nicht minder delikaten "Malbec" und folgen den spannenden Geschichten unseres Gastgebers über den Werdegang seines Weinguts bis tief in die Nacht mit großem Interesse. Zusammen besuchen wir das Denkmal von "José de San Martín" (1778-1850), der neben dem venezolanischen General und Revolutionär "Simón Bolívar" in Argentinien als zentrale Figur der südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung als "Padre de la Patria" (Vater des Vaterlands) verehrt wird. Seine militärischen Erfolge waren u.a. der Sieg Argentiniens über die Spanier in der Schlacht von "San Lorenzo" (1813) und die Befreiung Chiles (1817-18). Er fügte den spanischen Royalisten unter "Mariano Osorio" in der Entscheidungsschlacht von "Maipú" eine vernichtende Niederlage zu und eroberte 1821 "Lima", um anschließend die Unabhängigkeit Perus zu proklamieren. Am 17. August 1850 verstarb er im nordfranzösischen "Boulogne-sur-Mer", viele zentralen Plätze in Argentinien tragen bis heute seine Namen. Nach drei entspannten, aber äußerst weinlastigen Tagen auf der Bodega "San Polo" ziehen wir auf der "Ruta Nacional 40" weiter in den Süden...
Wir: folgen der Ruta Nacional 40 nach "Malargüe", doch je weiter wir in den Süden vordringen, desto mehr nehmen die grünen Rebenfelder ab und schreitet stattdessen die Versteppung voran. Ausländische Investoren, hauptsächlich Franzosen und Holländer, investieren zunehmend im "Valle de Uco" in Weingüter, teure Weinboutiquen und Hotels, die sehr idyllisch in die Bergen der "Cordón del Plata" eingebettet und von der majestätischen Andenkordillere bewacht werden. Wir überqueren den "Rio de Tunuyán" und skurrile Vulkankegel in Lavafeldern prägen zunehmend diese dürre Landschaft. Sie werden später von der typischen semiariden Andenlandschaft mit niedrigen, teils herrlich gelb blühenden Büschen abgelöst. Der "Rio Grande" windet sich durch diese karge Umgebung, bildet kleine Oasen aus oder gräbt sich tiefe Schluchten. Am Horizont zeichnet sich der Vulkan "Payún Matrú" ab, um den sich eines der größten Lavafelder, der "Campo de Piedra Pómez", erstreckt. Kurz vor "Bardas Blancas", der seinen Namen den nahezu weißen Felsklippen verdankt, verlassen wir die Ruta Nacional 40 und biegen auf die Ruta Nacional 145 in die Andenkordillere ab, die Argentinien mit Chile über den "Paso de Pehuenche" verbindet. Etwa 30 km vor dem Pass parken wir vor zwei Containern, um uns und unsere Motorräder aus Argentinien auszuchecken. Schneebedeckte Vulkangipfel, schroffe Hänge, dazwischen grüne Wiesen, auf denen halbwilde Pferde grasen, prägen unsere Auffahrt zum 2.553 m hohen Pass. Vor uns erstreckt sich der geradezu märchenhaft schöne, etwa 70 km² große aufgestaute Stausee "Laguna del Maule". In seiner Caldera befinden sich mehrere kleine Stratovulkane, Lavadome und Pyroklastische Kegel. Die Caldera liegt in dem Vulkanfeld "Laguna del Maule", das eine Fläche von 500 km² umfasst und mindestens 130 Vulkanschlote enthält. Nordöstlich der "Laguna del Maule" zeichnen sich mehrere über 3.000 m hohe Berge ab, viele davon sind erodierte Vulkane. Dieses Panorama mit der blauschimmernden Laguna vor der schneebedeckten Andenkulisse ist absolut spektakulär und beeindruckt uns zutiefst. Nach 25 km erreichen wir den chilenischen Zoll. Wieder werden unsere Taschen und Koffer intensiv nach eventurell unerlaubt eingeführten Lebensmitteln durchsucht und im Gegensatz zur letzten Kontrolle konfiszieren die freundlichen Zöllnerinnen eine verschlossene Tüte mit Nüssen. Vielleicht verspürten sie Gelüste nach den Knabbereien? Wir verlassen diese faszinierende Gebirgslandschaft: vor uns öffnen sich die grünen und fruchtbaren Täler der "Región del Maule", in denen neben Obst und Landwirtschaft intensiv Weinreben angebaut werden, aus deren Trauben 50 % aller hochwertigen Exportweine Chiles gewonnen werden. Aus der im Gegensatz zur grauen argentinischen Seite dichtbegrünten Vegetation erhebt sich kurz vor "Talca" der 3.830 m hohe Vulkan "Descabezado Grande". Unser Hotelzimmer in "Talca" reiht sich auf der Liste unterirdischer Räumlichkeiten sehr weit oben ein: um die zwei Betten in dem fensterlosen Raum ist kaum Platz zum Gehen, geschweige denn, um unser Gepäck unterzubringen. Die externe Toilette teilen wir uns mit 3 anderen Zimmern und wegen der nicht existierenden Schallisolierung durch die papierenen Trennwände nehmen wir intensiv am Leben unserer Zimmernachbarn teil. Aber unsere Motorräder stehen sicher und das hat stets oberste Priorität. Die hügelige, mit gelbem Gras und niedrigem Buschwerk bewachsene Landschaft auf unserem Weg zurück zum Pazifik erinnert uns sehr an Kalifornien. Wir schlängeln uns entlang des Wasser zuerst durch herrliche Felder von in voller Blüte stehender gelber Lupinen, danach entlang des goldgelben Sandes der "Dunas de Putú". Ständig überholen wir mit Holzstämmen schwer beladene LKW's, die ihre Last aus den abgeholzten Berghängen in eines der vielen Sägewerke transportieren. Die Natur ist aus dem Winterschlaf erwacht, die Wiesen sind mit Wildblumen übersät und in den Vorgärten der eher schmucklosen Häusern sprießen farbenfrohe viele Rosen. "Concepción" (1550) am "Rio de Bío-Bío" wurde im Laufe der Jahrhunderte von vielen Erdbeben mit meist massiven Zerstörungen heimgesucht. In der Universitätsstadt sind wir am zentralen "Plaza Perú " die einzigen "Silberhäupter", denn um uns wuselt es nur so von Studenten, die die vielen Kneipen und Bars, aus denen laut "unsere" Musik aus den 60-70ger Jahre erschallt, bevölkern. Die Ruta N-55 windet sich durch ländliche Gebiete mit kleinen Dörfern wieder in eine höhergelegene Bergregion, deren Berghänge intensiv abgeholzt wurden. Wo es Vulkane gibt, müssen wir nach Thermalquellen oftmals nicht lange suchen. Umgeben von den schneebedeckten Andengipfeln des winterlichen, 1.650 m hohen Skigebiets "Termas de Chillán" springen wir nach staubreicher Zufahrt in das durchschnittlich 60 °C heiße Wasser der gleichnamigen Quellen. Über eine steile Wiese verteilen sich 3 runde Becken, an deren Rand ein Container mit Umkleidekabinen steht. Zweidutzend Stühle stehen den Badenden zur freien Verfügung, nirgends entdecken wir ein wenig Schatten und abends sind wir krebsrot. Der Komfort hält sich für teure 27,00 Euro Eintritt/Person doch sehr in Grenzen, aber das heiße Wasser tut unseren vom Motorradfahren verspannten Muskeln gut. Wir übernachten in einer kleinen "Cabaña" mit offenem Kamin, vor dem wir einen unserer "Malbec's" aus "Cafayate", muskulär völlig entspannt, süffeln. Über Stock und Stein werden wir auf dem Weg nach "San Miguel" mit Feinstaub braun überzuckert. Lässig wirbeln wir noch mehr Dreck auf der 60 km langen Baustelle zwischen "Los Angeles" und Angol auf. Endlich lassen wir die stark abgeholzten Waldgebiete hinter uns. Große Weizenfelder, grüne Weiden oder bunte Wiesen überziehen wie ein Teppich die leicht hügelige Landschaft, die uns zunehmend an die Heimat erinnern. Aus dem weiten Tal um "Temuco" tauchen wir in eine noch intakte Waldregion mit Araukarien- und Mischwäldern ein. Die Ruta Nacional 5 schlängelt sich durch satt bewachsene Hügel, vorbei an dunklen Flüssen, an dessen Ufern die weißen Reiher nach Beute suchen. Immer wieder öffnen sich Ausblicke auf bewaldete Anhöhen, in deren Schatten sich kleine Dörfer ducken. Kurz vor "Valdivia" nehmen die Wasserläufe auch von oben zu, es regnet in Strömen. Die ersten Ausläufer des "Rio Calle-Calle" begleiten uns bis zur Stadt, wo er sich mit dem "Río Cau-Cau" zum "Río Valdivia" vereinigt. Ab 1846 besiedelten vor allem deutsche Einwanderer die Region, mit der "Isla Teja" als Zentrum. Sie verhalfen der Stadt seit etwa 1850 zu einem Wirtschaftsaufschwung durch die erste Brauerei Chiles ("Cervecería Anwandter"), dem ersten Stahlwerk, einer Waggonbauindustrie, Holzverarbeitungs- und Lederwarenbetriebe, Werften sowie Valdivia’s "Deutsche Zeitung". Am 22. Mai 1960 wurde die Stadt vom bisher stärksten je gemessenen Erdbeben der Welt (9,5 auf der Richterskala) und von einem Tsunami getroffen, die 40 % der Gebäude "Valdivia's" zerstörten. Das Erdbeben schwächte die wirtschaftliche und politische Bedeutung Valdivias nachhaltig, der wirtschaftliche Einfluss der deutsch-chilenischen Gemeindeverringerte sich nach dem Beben spürbar, da viele ihrer Betriebe zerstört waren. Doch noch heute führen Straßenschilder Namen deutscher Persönlichkeiten, Bäckereien preisen köstlichen „Kuchen“ an, in Restaurants serviert man Wurst und Sauerkraut, Giebeldächer schmücken die Häuser. Die deutsche Schule und die Feuerwehrkompanie Germania haben ihren festen Platz. Wir entdecken einen Schuh- und Outdoorladen der Bata-Gruppe mit Namen "WEINBRENNER", wo ich mich mit meinem Ausweis unter großem Gelächter der Mitarbeiter als "Chef" identifiziere. Doch Gratisschuhe bekomme ich dennoch keine. Wir bummeln durch das lebendige Marktgewimmel der "Feria Fluvial" am Ufer des "Río Valdivia". An zahlreichen Ständen preisen Händler lokalen Fisch, Obst, Gemüse und Gewürze an. Währenddessen stehen fette Seelöwen und Pelikane ungeduldig in den Startlöchern, um sich am Marktende begierig auf die Reste der Fischverkäufe zu stürzen. Wir schippern durch die harmonische Flusslandschaft der drei Flüsse mit schönem Blick auf die Stadtsilhouette. Auf der "Isla Teja" lassen wir einen entspannten Tag auf der Terrasse des "Café Haussmann" mit kleingeschnittenen Fleischstückchen und Würstchen sowie einem "Cerveza Cerro Negro" ausklingen.
Die Panamericana ist ein legendäres System von Schnellstraßen, das, mit wenigen Lücken, Alaska (Prudoe Bay) mit Quellón auf der Insel Chiloé, Chile verbindet. Die Strecke von ca. 25.750 km ist fast komplett befahrbar, nur ein 90 km langes Teilstück zwischen Yaviza (Panama) und Nordwest-Kolumbien, das durch den Isthmus von Darién führen soll ("Tapón del Darién"), ist noch nicht fertiggestellt. Die Panamericana passiert viele Klimazonen, sowohl dichten Dschungel als auch Pässe des Hochgebirges. Außerdem durchquert sie 14 bis 19 verschiedene Staaten und ist deshalb weit entfernt von einer einheitlichen Beschilderung und auch Nutzbarkeit. So lassen sich Teile der Straße nur in der Trockenzeit befahren, in anderen ist die Benutzung das ganze Jahr über gefährlich. Die Durchschnittstemperatur im Jahr reicht vom Gefrierpunkt bis zu > 25 °C.
Wir: durchqueren bei kühlen Temperaturen (um 11° C) durch den frischen Wind eine herrliche Seenregion nach "Paillaco", die in eine sehr malerische Landschaft zwischen sanften Hügeln, dichten Wäldern und großen Viehherden auf grünen Weiden eingebettet ist. "Entre Lagos" ist ein pittoreskes Dorf mit farbenfrohen Häusern am Ufer des "Lago de Puyehue" vor der spektakulären Kulisse der Vulkane "Osorno" und "Puyehue". Die außergewöhnlich gepflegte Landschaft weckt Erinnerungen an das Alpenvorland und erklärt auch, warum sich viele Siedler, zumeist aus Deutschland, im 19. Jh. in dieser Region niederließen und zu ihrem wirtschaftlichen Aufschwung beitrugen. Wir überqueren den Ausfluss des alten, tiefblauen Gletschersees "Lago Rupanco" mit den markanten Spitze des Stratovulkans "Cerro Puntiagudo" (2.498) im dunstigen Hintergrund. Wie ein dichter weißer Teppich überziehen abertausende von Margariten die Wiesen. Wir umrunden den aus den Anden gespeisten "Lago Llanquihue", der zweitgrößte See Chiles und lassen uns von den herrlichen Panoramen der Vulkane "Osorno" mit seinem postkartenreifen 2652 m hohen, schneebedeckten Gipfel und "Calbuco" (2.003 m) regelrecht verzaubern. Entlang der kurvigen Straße leuchtet der tiefgelbe Ginster, dahinter glitzert der tiefblaue See mit den schneebedeckten Gipfeln unter azurblauem Himmel. Unsere Herzen tanzen vor Freude, wir erleben ein nachhaltiges Fest für all unsere Sinne, während wir glücklich dahin gleiten. Ab 1846 wurde "Puerto Varas", auch Stadt der Rosen genannt, von deutschen Einwanderern besiedelt, deren Spuren z. B. durch viele historischen Gebäuden aus der Gründerzeit, bis heute sichtbar sind. Uns zieht es jedoch nach " Frutillar Bajo" am Westufer des "Lago Llanquihue", ebenfalls eine sehr deutschgeprägte Stadt, die vor allem durch das kulturelle Angebot mit dem Höhepunkt der "Semanas Musicales de Frutillar" bekannt ist. Das "Teatro del Lago", in dem die Konzerte des Klassik- Festivals von Ende Januar bis Anfang Februar stattfinden, gilt als die südlichste Konzerthalle der Welt. Sie besitzt einen Konzertsaal mit exzellenter Klangqualität (1.178 Plätze), ein Amphitheater (270 Sitzplätze) sowie eine Reihe weiterer Mehrzweck-Salons, Foyers, Ausstellungsbereiche, Proberäume, Konferenzräume etc. Der deutsch-chilenische Geschäftsmann "Guillermo Schiess" initiierte ab 1998- 2010 das 20 Mio. USD teure, moderne Theater, angetrieben von folgender Philosophie: "wenn Menschen und Gemeinschaften Zugang zu den Künsten haben, wird die kulturelle Vielfalt bereichert und das gegenseitige Verständnis gefördert. Dieser Zugang verringert nicht nur kulturelle Unterschiede, sondern fördert auch kritisches Denken, Empathie und Vorstellungskraft und stärkt die Kreativität als wesentliche Fähigkeit für die menschliche und kollektive Entwicklung". Uns begeistert die durchdachte, holzverkleidete Innenraumgestaltung, insbesondere die 800 gebogenen, teils beweglichen Holzpaneele des Saals, die nicht nur ästhetisch ansprechend sind, sondern auch zur außergewöhnlichen Akustik beitragen. Die Außenfassade aus Holzlatten in verschiedenen Farbtönen ist von den mit Holzschindeln verkleideter Lagerhäuser deutscher Einwanderer inspiriert und soll den natürlichen Alterungsprozess nachahmen, eine moderne Interpretation der historischen Architektur, so die architektonische Idee. Nun ja! Unübertroffen ist jedoch die spektakuläre Lage direkt am Ufer des "Lago Llanquihue" mit dem am gegenüberliegenden Ufer mächtigen "Volcán Osorno" als Kulisse. Wir spazieren die hübsche Seepromenade entlang, gönnen uns im "Club Aleman" Schnitzel mit Kartoffelpüree oder im "Biergarten" Schweinerippchen mit Sauerkraut und naschen im "Kuchenladen" Schwarzwälder Kirschtorte. Immer wieder diskutieren wir seit Reisebeginn, ob wir uns an einem der von uns besuchten Ort vorstellen könnten, auf Dauer zu leben. Das kleine, wenn auch sehr touristische und teure "Frutillar" mit seiner reizvolle Umgebung versprüht für uns eine so überzeugende Energie, dass wir seinem Flair erliegen könnten. Anscheinend teilt meine GS 1250 unsere Gefühlslage, denn am Tage der Weiterreise springt sie erst nach mehreren Startversuchen und heftigen Adrenalinschüben meinerseits stotternd an...
Die Fährenfahrt von Puerto Montt, einer lebhaften Hafenstadt, die von Bergen und dem Vulkan Osorno umgeben ist, führt nach Puerto Natales und durchquert unterwegs die atemberaubende Landschaft Patagoniens. Die ca. 30-stündige Strecke führt durch die malerischen Gewässer der chilenischen Fjorde, die von steilen Klippen, grünen (Regen-) Wäldern und zahlreichen kleinen Inseln geprägt sind. In der Ferne erheben sich die beeindruckenden Gletscher und schneebedeckten Gipfel der Anden. Die Fähre passiert verschiedene kleine Dörfer, die oft nur vom Wasser aus zugänglich sind. Mit Glück lassen sich Wale, Delfine und verschiedene Vogelarten beobachten. In Puerto Natales, dem Tor zum "Torres del Paine Nationalpark", das malerisch, oft windgepeitscht am Ufer des "Última Esperanza Fjords" liegt, endet unsere unvergessliche Schiffstour.
Wir: fühlen uns noch immer wie im Alpenvorland: auf den Wiesen zwischen großen Weizenfeldern grasen schwarzweiße Kühe, die kleinen Dörfer mit ihren oft rostrot angemalten, meist eingeschossigen Holzfassaden sind gepflegt und einladend. Kurz vor "Maullín" endet die Straße abrupt am Fährhafen. 30 min. warten wir auf die kleine Fähre, die uns in wenigen Minuten über den "Rio Maullín" transportiert. Auf die zweite Fähre über den 2 km breiten Kanal von "Chacao" zur 8.394 km² großen "Isla Grande de Chiloé" werden wir dagegen direkt draufgewunken. Die Insel gilt neben Peru als eine der möglichen Urheimaten der Kartoffel. Noch heute werden dort ca. zweihundert unterschiedliche Kartoffelsorten angebaut. 1608 erreichten Jesuiten, von denen viele aus Bayern kamen, die Insel und begannen mit der Errichtung von Kirchen zur Missionierung der "Mapuche- und Chono-Indianern" . 1767 wurden die Jesuiten von der Insel vertrieben, doch die Franziskaner setzten die Missionierungsarbeit fort. Die dauerhafte Christianisierung der Insel schlug fehl, aber 150 Holzkirchen blieben erhalten, darunter 16 Kirchen, die seit 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Die Kirchen weisen Elemente europäischer und indigener Elementen auf, sie wurden aus einheimischem Lärchen- und Zypressenholz errichtet und von Holzdübeln anstatt mit Nägeln zusammengehalten. Ihre Fassaden wurden oft in leuchtenden Farben angestrichen, auch die Innenräume sind meistens farbenfroh gestaltet. Die Dächer der Kirchen bestehen aus farbigen Holzschindeln, die teilweise besonders kunstvoll ineinander gesteckt wurden. In "Ancud" spazieren wir die belebte "Calle Pudeto" entlang und wandern von der "Plaza de Armas" vorbei an der ebenfalls besuchenswerten Markthalle bis zum Hafen und zur Uferpromenade. Auch das Schweizer Motorradpaar Beate und Fabrice hat sich weitestgehend von allem Materiellen in ihrer Heimat am Lausanner See getrennt. Die Chemie zwischen uns stimmt auf Anhieb, bis tief in die Nacht tauschen wir unsere spannenden Erlebnisse auf zwei Rädern aus. Auf der Suche nach den historischen Holzkirchen kurven wir durch eine liebliche, leicht hügelige Landschaft. Manche der nicht unter Schutz stehenden Kirchen sind frevelhaft mit Wellblech "saniert" und oft in einem erbärmlichen baulichen Zustand. Dagegen wird die schlichte, gut erhaltene ergraute Holzkirche in "San Juan" "bewacht:" drei Schiffe unter einem Tonnendach enden jeweils mit farbenfrohen Altären. Von "Prudhoe Bay" am Arktischen Ozean aus führt "die längste Traumstraße der Welt" auf 25.750 km und bis 4.700 m Höhe durch arktische Zonen, Wüsten, Regenwälder oder Hochgebirge von 14-19 Ländern (je nach Streckenverlauf), nur unterbrochen von 90 km Urwald am "Darian Gap". Im Dorf "Punta de Lapa", fünf Kilometer südlich von "Quellón", endet die "Panamericana" völlig unspektakulär mit einem Markstein Kilometer Null ("Hito Cero") und einer "Anker-Skulptur mit 4 weißen Stahlstützen, die mikadoähnlich aneinander lehnen und dringend eines neuen Farbanstrichs bedürften. Wir übernachten in "Quellón" in einer sehr schmuddeligen Wohnung und sind erleichtert, auf der monotonen "Panamerica" bei Dauerregen zurück in den Norden zu entkommen. Noch einmal überqueren wir den Kanal von "Chacao" mit der Fähre, da die Fertigstellung der 2.750 m langen Hängebrücke zwischen "Chiloé" und Festland erst für 2028 terminiert ist. In der rauen See entdecken wir 3 Brückenpfeiler, die jedoch noch weit von ihren geplanten Höhen entfernt sind. Die Hafenstadt "Puerto Montt" wurde trotz der bergigen Situation in der für koloniale Gründungen typischen schachbrettartigen Form 1853 angelegt. Fast einen Tag dauert die Beladung der Fähre "Esperanza" des Unternehmens "Navimag", bei herrlichem Sonnenschein stechen wir am Spätnachmittag des 9. Dezember endlich in See..
Wir: verlassen "Puerto Montt" mit seiner wunderschönen Kulisse der schneebedeckten Vulkane "Calbuco" und "Osorno" und schippern ruhig durch den von den Inseln des "Chiloé-Archipels" geschützten "Golfo de Ancud". 4 Tage und 3 Nächte dauert die Fährfahrt durch die Fjorde des südlichen Chiles. Nach dem "Canal Moraleda" tanzt die schwere Fähre bei Nacht durch das stürmische, offene Meer des "Golfo de Penas", bevor es wieder in den Schutz der Inselwelt zurückkehrt. Am 2. Tag durchfahren wir den mit 1.270 m tiefsten Kanal "Messier" und lauschen den Legenden, die sich um den Frachter “Capitán Leonidas” drehen, der in den 1970er-Jahren auf dem halb versunkenen Eiland “Bajo Cotopaxi” aufgelaufen ist. Wenig später kreuzen wir die Engstelle "Angostura Inglesa" und erreichen die kleine Fischersiedlung "Puerto Edén", in der die letzten Ureinwohner des Volks der "Alakalufen" leben. Am Morgen des 4. Tages manövriert der Captain im Santa María-Kanal die 10-15.000 Tonnen schwere "Estanzia" durch die nur 80 m breite Engstelle "Angostura White" mit der Marienstatue, bevor wir den Union-Sund und wenig später den Einfahrtskanal zur Stadt "Puerto Natales" erreichen. Das Anlegen im Hafen gestaltet sich wegen des starken patagonischen Windes als schwierig, mehrere Stunden kreuzen wir vor der Hafenstadt, bis der Kapitän die schwere Fähre am Betonquai verankern kann. Wir haben uns auf das langsame, aber stetige Gleiten durch diese spektakuläre, raue Landschaft der patagonischen Kanäle, vorbei an unberührten, mit Südbuchen und Patagonische Zypressen üppig bewaldete Inseln besonders gefreut. Die dichte Bewölkung, stürmischer Regen und eine niedrige Wolkendecke lässt uns die Schönheit entlang dieser grandioser Bergpanoramen durch die atemberaubenden Fjordlandschaft leider nur erahnen. Auch die Tierwelt macht sich rar: neben vielen unterschiedlichen Vogelarten zeigt sich kurz eine Gruppe Delphine, die Wale haben schon vor uns den Süden erreicht. Trotzdem entspannen wir uns bei gutem Essen, informativen Vorträgen zur Route, zur Flora und Fauna sowie bei netten Gesprächen mit den Mitreisenden aus aller Welt. "Puerto Natales" ist Ausgangsbasis für Exkursionen in die Nationalparks "Torres del Paine" und "Bernardo O’Higgins" sowie für Feuerland- und Patagonien-Touren. Neben Fischfang gehört deshalb der Tourismus zu den Haupteinnahmequellen. Um den zentralen "Plaza de Armas Arturo Prat" reihen sich Restaurants, Outdoor Shops, Souvenirläden, Reisebüros oder Kneipen dicht an dicht. Trotzdem gefällt uns die heimelige Atmosphäre des überschaubaren, sympathischen Ortes. Die ganze Nacht über hat der berüchtigte Sturm gewütet, dem wir auf der flachen patagonischen Steppe mit ihrer kargen Gras- und Buschlandschaft und kleinen Lagunen hilflos ausgeliefert sind. Weit lehnen wir uns den Böen entgegen, um nicht mitsamt dem Motorrad weggeblasen zu werden. Die vielen Schafe kuscheln sich schutzsuchen in einem großen Knäuel zusammen, nur die durch ihr graues Federkleid fast unsichtbaren Nandus trotzen der Naturgewalt gänzlich unbeeindruckt. "Puerto Arenas" liegt im äußersten Süden des Landes an der Magellanstraße und an der Ostküste der Brunswick-Halbinsel. Zunächst Strafkolonie, erfuhr sie einen ersten großen Aufschwung während des kalifornischen Goldrausches, als sie als Anlaufhafen für die Klipper-Schiffe diente. "Punta Arenas" stellt eine bunte Mischung verschiedener Kulturen und Menschen dar. Wir besuchen den "Cementerio Municipal Sara Braun" und sind erstaunt, viele deutsche, aber auch englische oder kroatische Grabinschriften zu entdecken, die von der facettenreichen Einwanderungsgeschichte der Stadt zeugen. Auf der "Plaza de Armas" steht ein Denkmal für Ferdinand Magellan, zu dessen Füßen zwei geschlagene Indigene hocken. Wir berühren den großen Zeh eines Indigenen, was der Sage nach eine Rückkehr in die Stadt sicherstellt. Spaziergänger, Radfahrer und Jogger beleben die breite Promenade "Costanera des Estrecho" oder lassen sich vor dem berühmten Magellan-Denkmal oder dem Punta Arenas Schriftzug ablichten. Auf Spielfeldern wird Basket-, Fußball oder Rollschuh-Hockey gespielt. Viele Gebäude im viktorianischen Stil sind weihnachtlich geschmückt, amerikanische Weihnachtssongs dudeln auch in unserer Trattoria, die wohl in Reiseführer empfohlen wird, da ausschließlich "Gringos" die italienischen Delikatessen mit dem kühlen Fassbier genießen. Wir besorgen uns Fährtickets und stehen am Morgen pünktlich um 7:00 am Fährhafen von "Tabsa Terminal Tres Puentes". Mehrere Overlander aus Frankreich und Italien haben auf einem kleinen Parkplatz die Nacht im Hafen gecampt. Ob wir hier auch einmal nächtigen werden? Vorsichtig manövrieren wir unsere Motorräder über die glitschige Rampe auf das Parkdeck der stark schwankende Fähre. Zwei Stunden schaukeln wir bei hohem Wellengang durch die Magellanstraße, bis wir im Hafen "Bahía Chilota" zum ersten Mal den Boden "Feuerlands" betreten. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die 1894 von kroatischen und chilotischen Goldsuchern gegründet Siedlung "Porvenir". Inmitten ihrer traditionellen, teils bunt bemalten Holzhäuschen könnte man meinen, die Zeit sei stehen geblieben. Wir wollen ein Stück der neu asphaltierte Straße Y-65 nach "Carencia" folgen und entdecken unterwegs große Herden von Guanakos, einer wildlebenden Art innerhalb der Familie der Kamele, die direkt an der Straße grasen. Der Motorenlärm unserer BMWs scheint sie besonders zu erschrecken und lässt sie elegant über die Zäune flüchten, die sich zur Markierung des Eigentums oder zum Schutz des Viehs beidseitig der Straße entlangziehen. Die oberste Drahtreihe besteht immer aus Stacheldraht, der einem jungen Guanako zum Verhängnis wird: mit seinen Hinterläufen bleibt es in den Widerhaken hängen und zappelt verzweifelt, um sich zu befreien. Brigitte fährt panisch in die endlose Ebene hinein in der irrealen Hoffnung, möglicherweise einen Viehzüchter mit Drahtschere zu finden. Doch seit Stunden sind wir keinem Auto mehr begegnet. Bis sie frustriert zurückkehrt, konnte sich das Jungtier glücklicherweise selbst freizappeln und galoppierte mit seinen Eltern scheinbar unverletzt in die weite Steppe. Auch wir haben Glück, denn das einzige Restaurant in "Porvenir" hat geöffnet, ist jedoch wegen einer Weihnachtsfeier bis auf unsere zwei Stühle ausgebucht. Die nur wenig frequentierte und etwas holperige Schotterstraße Y-71 verbindet "Porvenir" nach Osten mit dem Grenzübergang "San Sebastián" im Zentrum der Insel. Wir folgen der durch die Berge verlaufenden, zerfurchten Offroadstrecke und werden dafür mit einem phantastischen Blick auf die Bergketten im Süden von "Tierra de Fuego" jenseits der Magellanstraße belohnt. Nach 115 km Staub erreichen wir am Rande der "Bahía Inútil" den privaten "Parque Pingüino Rey", der sich seit 2012 mit dem Erhaltung und Erforschung der einzigen Königspinguine Kolonie auf dem südamerikanischen Kontinent beschäftigt. Nach einem Kurzvortrag können wir von zwei überdachten Beobachtungsplattformen aus die etwa 120 nicht flugfähigen Vögel aus sicherer Entfernung beobachten. Mit schwarz-grauem Rücken, Kopf und Flossen, weißer Brust und Bauch und orange-gelben Farbtupfern an Hals, Ohren und Schnabel erinnert das kontrastreiche Federkleid tatsächlich an einen eleganten Smoking. Was für "majestätische" Tiere. Der Grenzübertritt in "San Sebastián" von Chile nach Argentinien ist schnell und unkompliziert erledigt. Auf einem grünen Straßenschild entdecken wir zum ersten Mal "USHUAIA" (275 km), eine Welle von Gefühlen erfasst uns so kurz vor unserem finalen Reiseziel. Nach weiteren 75 km durch die patagonische Steppe erreichen wir bei "Río Grande" wieder den Atlantischen Ozean. Vor Aufregung können wir kaum schlafen und deshalb schwingen wir uns bereits frühmorgens bei kühlen Temperaturen auf unsere treuen Begleiter. Starker Wind ist angesagt, doch, oh Wunder, wir fahren nach Südosten und der Wind bläst aus Nordwesten, wir scheinen zu unserem Traumziel regelrecht zu fliegen. Auf den letzten 200 km verändert sich die Landschaft dramatisch: nach der flachen patagonischen Steppe wird das Land bergiger, eingebettet zwischen sturmgebeugten Südbuchen fließen Flüsse und leuchten glitzernde Seen. In dem kleinen Ort "Tolhuin" wärmen wir uns an der Tankstelle mit einem Cappuccino auf und ziehen unsere Winterklamotten über. Wir erreichen die Ausläufer der südlichen Anden mit ihren schroffen Berggipfeln und immergrünen Wäldern und schlängeln uns den südlichsten Gebirgsstraßenpass der Welt zum 450 m hohen "Paso de Garibaldi" hoch. Vom "Mirador del Lago Escondido" kosten wir den Panoramablick über den gleichnamigen See bis zum "Lago Fagnano" in vollen Zügen aus. Unsere "tango2south" Sticker kleben wir stolz neben hunderte anderer Aufkleber an die Leitplanke der steil abfallenden Ruta 3. Nach der Passüberquerung kurven wir voller Vorfreude ins Tal, vor uns öffnet sich der Blick auf den "Beagle"-Kanal, dahinter erhebt sich die majestätische Kulisse der schneebedeckten Andengipfel auf chilenischer Seite. Wir lassen die "Rancho Hambre" links liegen, von der aus uns die "Ruta J" in wenigen Tagen zum südlichsten, befahrbaren Ort der Welt bringen wird. Völlig überraschend taucht hinter einer hinter Kurve das "PORTAL DE USHUAIA" auf. Wir haben den südlichsten Ort unserer Reise (fast) erreicht, uns übermannen Glücksgefühle und unendlich viele Emotionen. Das Bild des Eingangsportal mit seinen signifikanten Schriftzügen tragen wir seit Jahren in uns, lange schien es in unerreichbarer Ferne zu liegen. Doch jetzt sind wir hier, sprachlos, glücklich, dankbar, nachdenklich. Mit unserer Ankunft in der südlichsten Stadt der Welt fällt auch "die Last des Erfolges" von uns ab. Zukünftiges Reisen ist Kür, das Sahnehäubchen nach dem Erreichten...
Argentinien Teil II_Patagonien
Patagonien bezeichnet historisch den Teil Südamerikas, der sich südlich der Flüsse "Río Colorado" in Argentinien und "Río Bío Bío" in Chile sowie nördlich der Magellanstraße befindet. Eine genau festgelegte Abgrenzung gibt es nicht. Es wird in drei Großlandschaften eingeteilt: Westpatagonien (Chile), das größtenteils zu Argentinien gehörende, flachere Ostpatagonien und Feuerland (Tierra del Fuego). Patagonien ist mit etwa zwei Einwohnern/km² sehr dünn besiedelt. Die Patagonischen Anden, durch die bis auf das südlichste Viertel die Grenze zwischen Chile und Argentinien verläuft, sind für das Klima und die Vegetation des südamerikanischen Horns der wesentlichste Faktor. Der Tourismus in Patagonien ist Chiles wichtigste Einnahmequelle, in Argentinien zusätzlich die Erdöl- und Kohleförderung, die Erzeugung von Strom sowie Obstanbau und Schafzucht.
Wir: erreichen Ushuaia (ca. 83.000 Ew.), die südlichste Stadt der Welt (Puerto Toro ist der südlichste dauerhaft besiedelte Ort der Welt) am 18. Dezember 2025. Die argentinische Siedlung "Puerto Almanza", 75 km südöstlich von Ushuaia, ist der südlichste, mit geländetauglichen Fahrzeugen über die malerische Küstenstraße "Corredor Costero del Canal Beagle" erreichbare Ort. Noch südlicher liegt die Estancia Moat, die südlichste Schaffarm der Welt, die wir über die ca. 130 km lange Ruta J durch abgelegene und landschaftlich beeindruckende Gebiete entlang des Beagle Kanals am 23. Dezember 2024 mit unseren Motorrädern erreichen. Nach Deadhorse/ Prudoe Bay, Alaska (24. Juli 2022) dem nördlichsten Punkt der Reise sind wir nach 53.971 km am südlichsten mit Motorrädern anfahrbarem Ort gesund, unfallfrei, glücklich und stolz angekommen.
Wir: fotografieren unsere zwei BMW's bei herrlichem Sonnenschein vor dem senkrechten "Ushuaia" Schriftzug, alleine, mit uns drauf, von links, von rechts, von oben und unten. In "Punta Arenas" haben wir uns Nikolausmützen für unseren digitalen Weihnachtsgruß aus "Ushuaia" gekauft, doch erst das Bild des 4. "Fotografen" erfüllt unsere ästhetischen Anforderungen. Das Eingangsportal liegt 8 km vor der Stadt, die sich unter uns auf dem Weg zu "Rodolfos Motoposada Las Piedras" ausbreitet. Das Hostel ist ein Treffpunkt für fernreisende Motorradfahrer, mit denen wir gemeinsam Weihnachten feiern und Erlebnisse austauschen wollen. Unser Zimmer mit Blick zum Hafen und den täglich neuen Kreuzfahrschiffen gefällt uns. Doch die öffentlichen Räume des Hostels sind abgewohnt und die Küche ist in einem sehr ungepflegten Zustand: wir sind wieder in der Realität angekommen. Vergeblich suchen wir nach einer Alternative, aber um Weihnachten sind alle Hotels mit sicherer Parkierung für unsere Motorräder ausgebucht. Zudem sind wir die einzigen Gäste, aus der Weihnachtsparty mit Gleichgesinnten wird wohl nichts werden. Und auch die Stadt gibt wenig her, sie lässt jegliche Planung und Ordnung vermissen, was zu einem unkontrollierten Wildwuchs an städtischer Architektur führt. Die "Avenida San Martin" ist das kommerzielle und teure Herz der südlichsten Stadt, durch die Heerscharen an Touristen pilgern. An ihr liegen Reisebüros, Outdoor- und Trekkinggeschäfte, Restaurants und Bars, Banken und ein Supermarkt. Entlang des "Beagle-Kanals" verläuft der zugige "Paseo Costero", von dem aus die Kreuzfahr- und Expeditionsschiffe in die Antarktis erreicht werden. Der fotogene Schriftzug "Ushuaia", das Falkland-Denkmal oder das Schiffswrack der "Saint Christopher" sind die Höhepunkte der ansonsten eher tristen Promenade. Der Parkplatz an der Bucht quillt mit "Overlander" über, denn das "Ende der Welt" ist an Weihnachten und zum Jahreswechsel ein emotional bedeutender Treffpunkt vieler Langzeitreisender. Wir interessieren uns für die Fahrzeuge, denn eines nicht zu fernen Tages wollen auch wir mit unserem Hilux "Felix" an diesem Ort "anlanden". Der 70jährige"Wolfgang" gewinnt den Sonderpreis: auf seinen Uralt-Mercedes montierte er eine "Gartenlaube" mit Minibalkon, die Fensterläden und Blumenkästen mit bunten Plastikblumen schmückt. Auf dem Anhänger stehen 3 Holzkisten mit all seinen Habseligkeiten. In einer steckt die "Waschmaschine", die über einen Riemen von der Anhängerachse angetrieben wird. Doch der stolze Besitzer ist kein Aussteiger, denn 6 Monate im Jahr verdient er sein Reisegeld in Deutschland. In dem überschaubaren Zentrum kommen wir mit manchen Reisende ins Gespräch, so wie z.B. mit Ralf und Melanie aus Aalen, Motorradfahrer, aber in Patagonien mit dem Mietwagen unterwegs. Bis tief in die Nacht schwätza wir schwäbisch", in der Heimat eine Selbstverständlichkeit, am Ende der Welt ein Genuss auf vertrauter Wellenlänge. Bei "Ushuaia-Motos" lassen wir den wohl letzten Ölwechsel auf unserer Reise durchführen. Das "Presidio" ist ein in den 20er Jahren von den Gefangenen selbst erbautes Gefängnis. Die Sträflinge, überwiegend Gewaltverbrecher, aber auch politische Gefangene, bauten die Schmalspurbahn "Ferrocarril Austral Fueguino", besser bekannt als "El Tren del Fin del Mundo", mit der wir durch den Nationalpark "Tierra del Fuego" fahren wollten. Der Bahnhof der dampflokbespannten Züge liegt an der Ruta 3, etwa 8 km außerhalb des Stadtzentrums, den wir über eine staubige Piste erreichen. Doch 2x 20 Euro Ticketpreis und 2x 40 Euro Nationalpark Eintritt ist Wucher. Wenige Meter vom Bahnhof entfernt, entdecken wir beeindruckende MAN- und Actros-Camper auf LKW-Basis, vollausgebaute Expeditionsmobile wohlhabender Langzeitreisender. Und klitzeklein zwischen diesen rollenden Häusern lugt der rote Ford Ranger mit ExKab Kabine von Anne und Bene aus Neu-Ulm hervor, die wir in der "Finca Sommerwind" in Ecuador getroffen hatten. Ihr Fahrzeug ist "mitschuldig" an unserer Entscheidung, die Weiterreise mit einem vergleichbaren Toyota Hilux mit ExKab Kabine fortzusetzen. Die Wiedersehensfreude ist riesig, die zwei jungen, sympathischen Abenteurer versorgen uns mit wertvolle Reise- und Ausrüstungstipps für unseren "Felix"...
Wir: trödeln an Heiligabend im Bett herum, telefonieren mit unseren Motorradfreunden Sabine und Steffen in Rottenburg, die uns das Hostel "Rodolfos Motoposada Las Piedras" empfohlen haben und schicken unsere digitalen Weihnachtsgrüße zu alten und neuen Freunden in der ganzen Welt. Unser winziger, leicht demolierter hölzerner Weihnachtsbaum vom Weihnachtsmarkt in Ulm, der uns seit 3 Jahren begleitet, wird von einer Kerze in ein warmes, heimeliges Licht getaucht. Wir freuen uns über den Sonnenschein und den schwachen Wind und schlendern planlos am Beagle-Kanal entlang. Auf einer Bank bei den Overlandern lümmeln wir herum und beäugen eher kritisch die großen Kreuzfahrschiffe. Wir reden über die zurückliegenden spannenden 1,5-Reisejahre seit Los Angeles und phantasieren über die Zukunft mit "Felix". Natürlich vermissen wir an Heiligabend unsere Familien und Freunde, doch nach all spannenden Abenteuern der letzten 15 Monate und der unfallfreien Ankunft an unserem so langersehnten Ziel am südlichen Ende der Welt, sind wir an diesem besonderen Tag auch mit einer große innere Zufriedenheit erfüllt. Wir vertrauen der KI, dass die Restaurants an Heilig Abend geöffnet sind und die Argentinier im großen Familienverband dort ausgelassen feiern werden. Doch die Stadt wirkt verwaist, die meisten Restaurants sind geschlossen und die wenigen offenen sind ausgebucht. Unsere anfänglich erwartungsvolle Vorfreude auf ein feierliches Weihnachtsasado trübt sich zusehends ein. Am Ende zahlen wir sogar eine Eintrittsgebühr in die "Brewery Patagonia Company", um nicht hungrig heimkehren zu müssen. Während amerikanische Weihnachtslieder und lautes Stimmengewirr den Raum mit der tollen Aussicht über den Beagle-Kanal erfüllen, verspeisen wir gierig unsere Hamburger und genießen das süffige, selbstgebraute Bier. Wir sind nicht die einzigen Gestrandeten: in fröhlicher Stimmung reden alle Gäste sprachlich bunt durcheinander, Unbekannte werden umarmt, temporäre Freundschaften geschlossen. Was für ein unerwartet fröhlicher Heiligabend am "Ende der Welt"!
Der Perito-Moreno-Gletscher ist einer der größten Auslassgletscher des Südlichen Patagonischen Eisfeldes, des größten Gletschergebietes der südamerikanischen Anden. Sein höchster Punkt beträgt 2.950 m. Von dort erstreckt sich der Gletscher über etwa 30 km ostwärts bis zum "Lago Argentino". Die dort endende Gletscherzunge und Touristenattraktion staut und entleert den See periodisch. Im Gegensatz zu den meisten Gletschern der Welt zieht sich der Perito-Moreno-Gletscher nicht zurück. Die Kalbungsfront von knapp 5 km liegt 55-77 m über der Wasserlinie, die Geschwindigkeit der Kalbung beträgt max. ca. 795 m/Jahr. Seine Gletscherabbrüche gelten als die beeindruckendsten Naturschauspiele der Welt, er ist der meistbesuchte Ort des als UNESCO-Weltnaturerbe eingestuften Nationalparks "Los Glaciares".
Wir: verlassen "Ushuaia" unter grauem Himmel, kurven durch die alpine, wilde Kulisse der kargen, steinernen Bergmassive über den "Paso Garibaldi" zurück und genießen bergab den Ausblick auf die mit Wäldern und steilen Bergketten umgebenden Seen "Lago de Escondido" und "Lago de Fagnano". Je mehr wir uns wieder der patagonischen Steppe nähern, desto böiger wird der Wind. Unsere Benzinvorräte nehmen rapide ab und mal wieder erreichen wir "mit dem letzten Tropfen" die Tankstelle in "Rio Grande" am Atlantischen Ozean. Heute ist Weihnachten (25.12.), und kein fußläufig erreichbares Restaurant ist geöffnet. Im Eingangsbereich unseres Hotels verspeisen wir statt Weihnachtsgans die Reste unserer Pizza aus "Ushuaia", trinken dazu jedoch die letzte Flasche des köstlichen Malbec's von der "Bodega San Polo". Im Bett ziehen wir uns zwei schnulzige deutsche Weihnachtsfilme rein, die eine heilige Welt in der "5-Sterne Bubble" Deutschlands suggerieren. Trotzdem überkommt uns eine gewisse Melancholie und Sehnsucht nach der Heimat. Weihnachten erinnert uns eben doch daran, dass die wahre Magie dieser Jahreszeit uns alle verbindet, egal wo wir sind: ob in der Umarmung der Familie zu Hause oder unter einem Sternenhimmel fernab von allem, was wir kennen. Bei heftigem Regen erblicken wir eine kilometerlange Autoschlange vor der Grenze "San Sebastián". Zusammen mit 3 brasilianischen Motorradfahrern drängeln wir uns bis zur Tankstelle am Schlagbaum vor und werden von den freundlichen argentinischen Zöllnern nach dem Tanken sofort durchgewunken. An der chilenischen Grenze müssen wir uns dagegen in eine lange Menschenschlange einreihen, bis wir, mit Stempeln und TIP's versorgt, auf der Ruta 3 weiter durch die patagonische Steppe bis "Bahia Azul" dem Wind trotzen. Mit der Fähre "Pinero" überqueren wir die "Primera Angostura", eine Engstelle der Magellanstraße nach "Punta Delgada" im äußersten Süden der "Valdés-Halbinsel". Wenige Kilometer später wursteln wir uns erneut routiniert durch die Grenzkontrolle von Chile nach Argentinien durch. In der menschenleeren, flachen Steppe zeichnet sich "Río Gallegos" schon von weitem am Horizont ab. Über größtenteils unbefestigte Straßen wird "Kilometer Null" der Ruta Nacional 40 in "Cabo Vírgenes", ca. 130 km östlich von "Rio Gallegos" erreicht. Doch unser Ehrgeiz nach Startpunkten hat sich gelegt, stattdessen locken uns erstrebenswertere touristische Ziele. Die flache und hügelige Landschaft mit ihrer spärlichen Vegetation aus niedrigem Buschwerk und Gräsern ist von beeindruckender Schlichtheit und Ruhe. Manche sagen, sie sei langweilig, doch uns gefallen die Gelb- und Brauntöne der Steppe, die mit dem Blau des Himmels, der zum Greifen nahe scheint, farblich auf sehr harmonisch Weise kontrastieren. Fast meditativ gleiten wir durch die Einsamkeit, selten begegnen uns andere Fahrzeuge. Stattdessen machen wir uns gegenseitig auf Guanakos, Nandus und Füchse aufmerksam, um nicht die Konzentration zu verlieren. Der Anblick der unzähligen toten Guanakos, die sich in dem Stacheldraht der endlosen Weidezäune entlang der patagonischen Straßen verfangen haben und eines qualvollen Todes gestorben sind, erschüttern und schockieren uns. Warum muss der oberste Draht immer Stacheldraht sein? In "La Esperanza" treffen Ruta Nacional 3 und Ruta Nacional 40 nach "Rio Gallegos" wieder aufeinander. Der gut gefüllte Parkplatz am Restaurant der Tankstelle bestätigt, dass der Knotenpunkt ein beliebter Szene-Treff für Abenteurer ist, die mit Fahrrad, Motorrad oder Overlander in Patagonien unterwegs sind. Die schneebedeckten Anden ragen zunehmend massiver aus der grauen Steppenlandschaft hervor, je mehr wir uns "El Calafate" nähern. In der Ferne entdecken wir die Spitze des "Fitz Roy" und vor uns glitzert das türkisfarbene Wasser des "Lago Argentino". Mit einer etwa dreifachen Größe des Bodensees ist er der größte See in Argentinien und wird von mehreren Gletschern, u.a. dem "Perito-Moreno-Gletscher" gespeist. An seinem Ufer liegt "El Calafate", Zentrum des Tourismus für den als UNESCO-Weltnaturerbe eingestufte Nationalpark "Los Glaciares" und unser Ausgangspunkt für die Besichtigung des weltberühmten "Perito Moreno Gletschers". Entlang der sehr gepflegten "Avenida de Libertador", der von Touristen überlaufenen Hauptstraße, reihen sich Dutzende von Restaurants, Bars, Reisebüros und Souvenirläden aneinander. Unser Budget wird hier rapide schmelzen, verspricht der Blick auf die Speisekarten: 2x Ravioli mit 1 l Bier: 50,00 USD, das Hammerangebot des Tages - vor 20:00 Uhr wohlgemerkt. Die argentinische und chilenische Sommerurlaubszeit lässt auch im gut besuchten Supermarkt die Preise explodieren. Bereits frühmorgens brausen wir bei kühlen Temperaturen aber strahlend blauem Himmel entlang des "Lago Argentino" zum Eingang des Nationalpark, der zu unserer Überraschung 25 km vor dem "Perito Moreno Gletscher" liegt. Unsere Motorräder stehen in Pole Position, kaum öffnet der Park um 8:00 Uhr, gewinnen wir den Sprint zum 1. Mirador. Das in der Sonne funkelnde, 254 km² umfassende Gletscherfeld auf durchschnittlich 2.000 m Höhe, wirkt bereits aus größerer Entfernung sehr imposant. Eine im "Lago Argentino" endende Gletscherzunge staut den südlichen Arm des Sees auf, der sich durch ihren Abbruch periodisch entleert. Doch dieses atemberaubende Spektakel ist uns heute leider nicht vergönnt: mit der Kamera im Anschlag, harren wir für Stunden geduldig aber ergebnislos auf den breiten Stegen und Aussichtsplattformen unter sengender Sonne aus, um unter keinen Umständen einen der spektakulären und ohrenbetäubenden Gletscherabbrüche zu versäumen. Wir sehen jedoch nur kleinere Stücke in großen Abständen in die Tiefe sausen, die dennoch beeindruckende Wellenberge erzeugen. Das in fast unwirklichem Blau schimmernde Eis zwischen den Eisspitzen ist nicht minder faszinierend. Fast wehmütig verlassen wir dieses majestätische und gleichzeitig ästhetische Spiel der Naturkräfte, um von dem tiefen Blau des glitzernden "Lago Argentino", über den die hellgelbe Abendsonne ihre Strahlen tanzen lässt, auf dem Heimweg erneut belohnt zu werden. Angesichts dieser einmaligen Naturerlebnisse verspüren wir an diesem Abend eine tiefe Ehrfurcht. Die "Reserva Laguna Nimez" mit ihren grasbewachsenen Ufern versinkt in einem wunderschönen weißen Meer von Kamillenblüten. An dem idyllisch gelegenen See am Rande des "Lago Argentino" leben rund 80 verschiedene Vogelarten. Die glatte Wasseroberfläche spiegelt zart das Rosa der stolzen Flamingos wider. Viel burschikoser und lautstärker zeigen sich dagegen die vielen Enten und Gänse in dem herrlichen Naturreservat, um das wir gemütlich herumspazieren...
Wir: fahren auf der Ruta Nacional 40 durch die typische patagonische Steppe einem pechschwarzen Himmel entgegen. Kein Windhauch ist zu spüren: ist es die Ruhe vor dem Sturm oder einfach nur Glück, den berüchtigten patagonischen Winden bisher kaum ausgeliefert gewesen zu sein? Die Ruta 23 zweigt ab und führt entlang des "Rio La Leona", der durch Gletscherschmelze gespeist wird. Er windet sich durch die Steppe und gräbt sich tief in die Landschaft ein. Die abwechslungsreiche Umgebung zeigt Spuren vulkanischer Aktivitäten mit bizarren Felsformationen und erodierten Hügeln. Dann tauchen sie am Horizont auf: die majestätischen Gipfel der südlichen "Cordillera de los Andes" mit dem "Cerro Torre" (3.128 m) einem Granitberg mit 3 Türmen, dem "Aguja Poincenot" ( 3.002 m) und ihrem 3.406 m hohen Star "Fitz Roy". In der Sprache der "Tehuelche-Indianer" heißt er wegen der oft an der Spitze sichtbaren Wolken "Chaltén", was „der Rauchende“ bedeutet. Ausgangspunkt aller Expeditionen und Wanderungen ist das kleine „Touristen-Örtchen “El Chaltén". Wir aber wollen heute Silvester feiern: bei herrlichem Sonnenschein essen wir Linseneintöpfe mit Rindfleisch, trinken Craftbier und verlieren uns im Anblick des wolkenfreien Gipfels des "Fitz Roy". Völlig hingerissen vergessen wir den Jahreswechsel in Deutschland. Doch einer alten Tradition folgend, lassen wir uns den Sketch "Der 90. Geburtstag oder Dinner for One" mit "Miss Sophie", dem Butler "James" und ihren vier Gästen nicht entgehen. Kurz vor Mitternacht stehen wir mit halbgefrorenem Cidre erwartungsvoll auf dem höchsten Punkt von "El Chaltén". Doch anstatt Raketen erblicken wir die Aalener Melanie und Ralf aus "Ushuaia", mit denen wir fröhlich unseren Cidre teilen und auf ein 2025 voller Überraschungen anstoßen. Auch in Argentinien sind Feuerwerke ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten zum „Año Nuevo“. Nicht aber in "El Chaltén", das inmitten des Nationalparks "Los Glaciares" liegt und Feuerwerk aus präventiven Brandschutzgründen verbietet. Schon am ersten Tag des noch frischen Jahres suchen wir neue Herausforderungen: gleich nach dem Ort holpern wir 37 km durch teils hohes Geröll und tiefen Sand, durchqueren Wasserläufe des "Río de las Vueltas", später des "Rio Cañadon de los Toros" zum "Lago del Desierto". Inmitten von üppigen Wäldern und hoch aufragenden Bergen ist der Gletschersee bei schönem Wetter sicherlich ein lohnenswertes Ausflugsziel mit vielen Wandermöglichkeiten. Doch leichter Nieselregen, starke Windböen und tiefe Wolken über dem Wasser veranlassen uns, nach kurzer Kaffeepause, lustlos zurück zu rumpeln. Brigitte fühlt sich angeschlagen und erschöpft. Ich suche lange nach einem offenen Supermarkt, doch die Regale sind weitestgehend leergekauft. Wieder einmal retten uns Spaghetti mit Thunfisch, ein klägliches Notessen statt Festschmaus zum Jahresauftakt. Keine Wolke trübt den tiefblauen Himmel, als wir am Ende der "Avenida San Martín" 3 km, der beliebten „Senda al Fitz Roy“ folgend, durch gelbblühenden Wiesen und lichte "Lenga-Wälder" moderat in die Höhe steigen. Die durch Abholzung bedrohten Urwälder der knorrigen und sturmgebeugten "Lenga" (Südbuche) findet man ausschließlich in Patagonien, insbesondere im "Nationalpark Los Glaciares". Mit der kristallklaren, türkisfarbenen "Laguna Capri" im Vordergrund ist der Blick auf das majestätische Granitmassiv des "Fitz Roy" absolut atemberaubend, wir können uns nicht sattsehen. Am "Fitz Roy Viewpoint trennen sich unsere Wege: während Brigitte kränkelnd den Heimweg antritt, folge ich dem Wanderweg entlang des "Río Blanco" zum "Campamento Poincenot", dem Basiscamp für Wanderungen ins "Cordón del Fitz Roy". Ich wandere unter dichtem Blätterdach, kreuze kleine Bäche und balanciere auf wackeligen Holzbalken durch sumpfige Wiesen unterhalb der mächtigen Gipfel von "Cerro Torre", "Piedras Blancas" oder "Fitz Roy". Anstatt zur "Laguna de los Tres" hochzusteigen, folge ich dem Schild "El Pilar" bergab und werde dafür mit einem phantastischen Blick auf den "Glaciar Piedras Blancas" belohnt. Gekrönt wird dieses spektakuläre Postkartenmotiv mit einem Kondor Paar, das majestätisch seine Kreise über der tiefblauen glitzernden Laguna "Piedras Blancas" dreht. Noch lange steige ich, voller Vorfreude auf ein Cola, durch den Wald bis zur bedauerlicherweise geschlossenen "El Pilar Inn" ab. Kaum recke ich wenige Minuten später meinen Daumen in die Höhe, da sitze ich auch schon in dem Auto eines schweigsamen einheimischen Hotelmitarbeiters, der mich nach 15 km an der "Avenida San Martín" überraschend freundlich verabschiedet. Mit Melanie und Ralf lassen wir die kurze, aber schöne Zeit in dieser sympathischen, aber ausgebuchten "Trekking-Hauptstadt Argentiniens" trotz schmerzender Muskeln fröhlich ausklingen. Wir werden wiederkommen...
Der Fitz Roy (Cerro Chaltén, 3.405 m) ist ein markanter Granitfelsen und Ikone des argentinischen Patagoniens. Er steht stolz am Ende einer wüstenähnlichen Steppe und markiert den Beginn des Campo Hielo Sur, einem riesigen undurchdringlichen Eisfeld zwischen Argentinien und Chile. Berühmt bei Alpinisten und Kletterfreunden, bietet der Fitz Roy auch viele Wanderwege vom touristischen Dorf "El Chaltén" aus an. Die Erstbesteigung gelang am 2. Februar 1952 Lionel Terray und Guido Magnone über den Südostgrat. Aufgrund des langen Zustiegs zur Basis, seiner Exposition und der extremen, meist unberechenbaren und oft widrigen Wetterverhältnisse mit plötzlichen Wetterumschwüngen gilt die Besteigung trotz der geringen Höhe als extrem anspruchsvoll. Knapp 60 Bergsteiger kamen durch Stürze und unerklärliches Verschwinden ums Leben.
Chile III
Wir: verlassen "El Chaltén" nahezu bei Windstille und strahlend blauem Himmel. Nur 3 Tage später hören wir, dass weder Motorradfahrer noch Camper oder Busse den Ort wegen des gnadenlosen patagonischen Westwindes verlassen können. Über uns fliegt ein Kondor Pärchen, immer wieder halten wir für "noch ein Foto"... Wieder auf der Ruta Nacional 40, steuern wir die mit Stickern anderer Reisender komplett zugeklebte Tankstelle in Tankstelle in "Tres Lagos" an. In den Foren wird häufig berichtet, dass die Tankstelle kein Benzin vorrätig hätte. Doch wir können unseren Tank gegen Bares sogar mit "Infinita" auffüllen. Vor uns liegen die aus Schotter und Kies bestehenden "Maleditos 73", ein unter Motorradfahrer berüchtigter unbefestigter, 73 km langer Abschnitt der Ruta Nacional 40, der fahrerisch alles abfordert. Wir treffen eine Gruppe brasilianischer Motorradfahrer und versuchen, sie über den Straßenzustand auszuhorchen, Doch fehlendes Internet, unverständliches Portugiesisch und nicht vorhandene Englischkenntnisse seitens der Brasilianer lassen uns ratlos zurück. Schließlich entscheiden wir uns für den etwa 150 km langen Umweg über die Ruta 288 zur "Estancia Julia", einer angeblich weniger tief geschotterten Straße. Wir folgen, bei nahezu Windstille, zuerst einer stark verdichteten Autospur durch das topfebene patagonische Niemandsland mit seinen niedrigen Büschen und gelblichen Gräsern soweit das Auge reicht. Nur Guanakos und einige Nandus fesseln unsere Aufmerksamkeit in der ansonsten eintönigen Landschaft. Der Kies wird immer tiefer und die Autospur löst sich in viele Spuren mit zunehmend weicherem Untergrund auf. Brigitte entdeckt auf der Gegenspur eine besser befahrbare Rinne, als plötzlich der einzige Truck des heutigen Tages mit hoher Geschwindigkeit auf sie zurast. Da er keinerlei Anstalten macht, abzubremsen oder gar auszuweichen, muss sie mehrere hohe Kiesrippen zu unserer Fahrspur überwinden - kein ungefährliches Unterfangen! Doch entschlossen gräbt sie sich knapp vor dem heranbretternden LKW durch die Kieshäufen, dessen Fahrer uns vielleicht wegen des blendenden Gegenlichts nicht wahrgenommen hat? Das war knapp und deshalb sind wir froh, bei der "Estancia Julia" wieder feinen Asphalt unter den Rädern zu spüren. Auch die vor uns liegenden etwa 100 km auf der Ruta 73 nach "Gobernado Gregores" sollten laut Karte unbefestigt sein. Doch auf nahezu perfektem Fahrbahnbelag erfreuen wir uns an skulpturalen und farbigen Felsformationen als Teil der "Cueva de las Manos Provincial Parks", in dem prähistorische Felsmalereien zu besichtigen wären. Doch der schwarze Himmel kündigt Regen an, deshalb kommt der sicherlich besuchenswerte Park auf unsere "To-do-Liste" und wir fahren weiter, um bald darauf die grüne Oase von "Gobernado Gregores" zu erreichen. Bereits in den 1920er Jahren wurde in der Stadt ein Bewässerungssystem mit einem Netz aus Kanälen angelegt, um landwirtschaftliche Flächen und Weideland mit dem Flusswasser des "Río Chico" zu bewässern. Inmitten der ansonsten wüstenähnlichen Steppe Patagoniens grasen Schafe und gedeiht Gemüse. 427 km wollen wir zum "Lago General Carrera" zurücklegen, deshalb verlassen wir frühmorgens das bis auf die Polizei nahezu ausgestorbene "Gregores". Für Stunden durchqueren wir die menschenleere, endlose Steppe auf der Ruta Nacional 40, die über Hunderte von Kilometern beidseitig mit Drahtzäunen begrenzt wird, in denen viel zu häufig die verwesten Gerippe von Guanakos wie stumme Boten in den Drähten hängen. Hinter den Einzäunungen weiden selten Schafe, noch seltener Pferde oder Kühe, und etwa alle 50 Kilometer taucht das Eingangstor zu einer Estancia und danach ein staubiger Weg auf. Hin und wieder überraschen uns kleine Lagunen, an denen meist viele unterschiedliche Arten von Vögeln Zuflucht suchen. Am fernen Horizont tauchen im Dunst schemenhaft die schneebedeckten Andengipfel auf. Tiere wie Guanakos, Nandus, Gürteltiere oder Hasen unterbrechen die Monotonie unseres fast meditativen Dahingleitens. In "Baja Caracoles" steht inmitten der grenzenlose Weite die einzige, ebenfalls mehrschichtig mit Stickern überzogene Tankstelle der Region. Sie scheint, zusammen mit der "Pulperia" (eine Mischung aus Laden, Kneipe und Treffpunkt), einem kleinen Hostel und einem baumlosen Campingplatz, die einzige Einnahmequelle des winzigen Dorfes zu sein. Für Fernreisende ist der Halt an dieser Tankstelle nahezu unverzichtbar. Zu unserer großen Überraschung begegnen wir in dieser grenzenlosen Einöde dem Japaner Naoya, der auf seinem Fahrrad die Welt umrunden möchte und den wir an einer Tankstelle irgendwo in Kolumbien zum ersten Mal getroffen haben. Der Tante-Emma-Laden verkauft zwar viele Souvenirs, aber keine kohlehydratreichen Lebensmittel, weshalb wir dem hungrigen Naoya unsere Notration aus Spaghetti und Chips liebend gerne überlassen. Wir erreichen den gigantisch großen "Nationalpark Patagonia" mit seinen trockenen Steppen, tiefen Tälern, farbigen Hügeln und malerischen Seen. Berühmt ist der Park u.a. für die "Cañadón Pinturas", einer beeindruckenden Schlucht, die vom "Rio Pinturas" geformt wurde und in der sich Natur und prähistorische Kunst aus ikonischer Höhlenmalereien in einer spektakulären Landschaft vereinen. Mit dem Park soll auch das patagonische Ökosystem erhalten und wenn notwendig, wieder hergestellt werden, u.a. durch Eliminierung invasiver Pflanzen, um die ursprüngliche Flora, aber auch Fauna zu fördern. Im malerischen "Perito Moreno" verlassen wir die "Ruta Nacional 40" in der Hochebene der patagonischen Steppe und kurven auf der "Ruta Provincial 43" in Richtung Chile. Bergab steuern wir durch die mit niedrigen Büschen und Grasbüschel sehr karge und oft windgepeitschte Landschaft auf die mächtigen Anden und den von steilen Bergen umgebenen, 1.850 km² großen "Lago Buenos Aires/Lago General Carrera" zu. Sein aufgewühltes türkisfarbenes Wasser schwappt unruhig gegen felsige Klippen, feine Felsstrände und sanfte Buchten des idyllischen Ufers. Am "Paso Río Jeinemeni" befindet sich der Grenzübergang, der die argentinische Stadt "Los Antiguos" mit der chilenischen Schwesterstadt "Chile Chico" verbindet. Während uns die argentinischen Zöllner quasi durchwinken, überprüfen die chilenischen Kollegen intensiv unser Gepäck. Das Ticketoffice für die Fähre von "Chile Chico" nach "Puerto Ingeniero Ibáñez" auf der nördlichen Seeseite ist (zum Glück) geschlossen. Denn das von Schweizern geführte, europäisch ausgestattete Hotel "Patagonia" am Stadtrand spricht uns so sehr an, dass wir uns spontan dazu entschließen, eine weitere Nacht zu buchen. Vom "Mirador del Viento" (Aussichtspunkt des Windes) verlieren wir uns bei wolkenlosem Himmel, aber böigem Wind in der Aussicht über die Stadt, den herrlichen See und den schneebedeckten Andengipfeln. Als wir frühmorgens zur Fähre aufbrechen wollen, springt meine 1250 GS sehr unwillig an. Brigitte flucht plötzlich hinter mir, denn sie hat vor dem Losfahren vergessen, ihr Bremsscheibenschloss zu entfernen und prompt wirft sie ihr Motorrad um. Das Startpech vergessen wir rasch, als wir den Schweizer Daniel mit seiner chilenischen Freundin Pilar am Hafen mit einer fetten GS 1250 Adventure kennenlernen. Wie so oft zwischen Motorradfahrern sind wir sofort auf auf einer gemeinsamen Wellenlänge und während der wunderschönen Fährfahrt über das bewegte türkisfarbene Wasser in lebhafte Gespräche vertieft. Wir erreichen den Hafen von "Puerto Ingeniero Ibáñez", doch mein Motorrad gibt keinen Mucks mehr von sich - zu geringe Bordspannung steht auf der Anzeige. Daniel schiebt mich von der Fähre und Brigitte gibt mir anschließend routiniert Starthilfe -weiter geht's...
Argentinien III_Chile IV_Argentinien IV
Wir: finden auch nach mehrmaligem Fragen in der Nachbarschaft des völlig heruntergekommenen Gewerbegebiets keine "BM Garage", wo Batterie und Hinterreifen auf uns warten sollen. Erst eine freundliche Mitarbeiterin eines Möbelgeschäftes finden das Unternehmen samt Telefonnummer im Internet. Der höfliche Chef holt uns mit seinem Pickup ab und wir folgen ihm durch mehrere staubige Hinterhofsträßchen zu einer unscheinbaren Halle, die von zwei bedrohlich wirkenden Doggen bewacht wird. Im Inneren entdecken wir mehrere alte BMW's (Fahrzeuge), aber keine Hebebühne. Meine GS steht daher provisorisch auf dem Betonboden der Halle, aufgebockt auf den Hauptständer und rasch wird die defekte Batterie aus und die neu eingebaut. Das schafft Vertrauen, auch wenn die Demontage des Mitas 07 mit 15.050 km Laufleistung weniger effektiv verläuft. Der Pickup verschwindet samt Hinterrad, wir spielen mit den zutraulichen Hunden und warten. Nach knapp einer Stunde kehrt der Pickup zurück und kurze Zeit später ist mein Motorrad wieder reisetauglich. Die Preise sind inklusive 25% Importsteuern mit deutschen durchaus vergleichbar. Nach 5 Wochen kehren wir in ein völlig verändertes "Frutillar" zurück. An dem Anfang Dezember noch leeren Badestrand des "Lago Llanquihue" herrscht jetzt Hochbetrieb, jeder Fleck ist belegt und auch vor den Restaurants bilden sich lange Schlangen von überwiegend chilenischen Feriengästen. Nicht nur wir schätzen "Frutillar" wegen seiner idyllischen Lage am See, der deutschen Kolonialgeschichte und des hohen kulturellen Niveaus, sondern auch für die Chilenen ist es ein beliebtes Reiseziel während der 2-2,5 Monate langen Sommerferien. Wir schlemmen im Biergarten, genießen die entspannte Atmosphäre mit dem nationalen Sommerdrink "Pisco Sour" auf der Theaterterrasse und planen die letzte Etappe nach "Valparaiso", wo wir in zwei Wochen unsere Motorräder abgeben werden. Durch eine ländliche Idylle mit grünen Feldern, Viehweiden, kleinen Dörfern mit alten Bauernhöfen im europäischen Architekturstil und liebevoll gepflegte, blühende Bauerngärten erreichen wir wieder "Entre Lagos". Wir winden uns auf vielen Kurven die sanierungsbedürftige RN 231 hoch und durchqueren den "Puyehue Nationalpark" mit seiner beeindruckenden Kulisse aus Bergen, immergrünen Wäldern und Seen. Die Bäume um den steinigen "Paso Fronterizo Cardenal Samoré" (1.300 m) sind wegen des Vulkanausbruchs des "Puyehue-Cordón Caulle" in 2011 abgestorben und glänzen silbrig-schön im Sonnenlicht. Die Zollformalitäten in Chile sind in wenigen Minuten erledigt. Doch vor der argentinischen Grenze müssen wir uns in eine lange Schlange von Sonntagsausflüglern einreihen. Dichte Wälder, durch die hin und wieder blaues Wasser oder ein schneebedeckter Gipfel blitzt, begleiten uns bis "Villa La Angostura" am nordwestlichen Ufer des "Lago Nahuel Huapi". Die Architektur des touristischen Bergdorfs ist ebenso im alpinen Holzstil gestaltet wie in der Stadt "San Carlos de Bariloche", die uns am gegenüberliegenden Seeufer des "Nahuel Huapi" empfängt. Die Stadt könnte auch einer Alpen-Postkartenidylle der Schweiz entspringen: ihr Beiname, Schweiz Argentiniens, hat mit dem Berg-und-Seen-Panorama, den spitzen Gletschern im Hintergrund, den grünen Wiesen, Zypressen- und Myrtenwälder und den klare Bergseen sowie der alpenländische Chalet-Architektur nach Schweizer Vorbild durchaus seine Berechtigung. Auch punktet das teure Fremdenverkehrszentrum, das etwa 1 Mio. Touristen/Jahr empfängt, mit seiner Schokolade, die entlang der Hauptstraße "Calle Mitre" verkauft wird. Doch "Bariloche" weist durch das "Asyl" für mehrere Mitglieder der SS auch eine sehr unrühmliche Vergangenheit auf, u.a. führte die Deutsche Schule "Bariloche" noch bis Ende der 1950er Jahre AH's "Mein Kampf" in den Regalen. Wir werden überredet, in den roten Gondeln zum 5 km entfernten "Cerro Otto" (1.405 m) hochzuschweben. Der Panoramablick auf die Stadt, die Seen "Nahuel Huapi" und "Gutiérrez" sowie die Anden wäre beeindruckend, doch eine Baustelle um das Drehrestaurant und Herden von Touristen lassen uns rasch zurück in die Stadt und zur neugotischen Betonkathedrale "Catedral de Nuestra Señora del Nahuel Huapi" (1942) mit ihrem ca. 50 m hoher Glockenturm flüchten. Am windigen Ufer naschen wir noch die süße Verführung der örtlichen Schokolade, doch in der aktuellen Ferienzeit ist "Bariloche" einfach zu überlaufen und zu hochpreisig. Wieder sind Berge, Seen, kristallklare Flüsse und spektakuläre Wälder die Essenz der "Ruta de los Siete Lagos", die sich auf 110 km durch die Nationalparks "Lanín" und "Nahuel Huapi" zwischen "Villa La Angostura" und "San Martín de los Andes" schlängelt. Wir machen an einigen Aussichtspunkten Halt, doch Abstecher zu den in dichten Wäldern eingebetteten, blau glitzernden Seen und die Motorräder dabei unbeaufsichtigt zurückzulassen, sind uns zu unsicher. Mehrere Campingplätze liegen direkt am Wasser, deshalb freuen wir uns bereits darauf, diese wundervolle Landschaft mit "Felix" bei besserem Wetter intensiver erforschen zu können. Doch heute ist der Himmel bewölkt, immer wieder tröpfelt es und frierend erreichen wir das gleichfalls sehr touristische "San Martín de los Andes" (960 m) am "Lago Lácar". Die 1898 gegründete Stadt wird stark von europäischen Einflüssen geprägt, insbesondere durch die deutschen und schweizerischen Siedler. Ausgehend vom zentralen "Plaza San Martín" folgen die Straßen dem spanisch-kolonialen, regelmäßigen Rastermuster. Die an alpine Dörfer erinnernden Fassaden sind bis heute entweder aus Holz(-schindeln) oder aus lokalen Steinen mit Holzverkleidung unter Satteldächern und tragen dadurch zu einem harmonischen Stadtbild bei. Mit seinen zahlreichen Souvenir-, Outdoor-, oder Schokoladenläden, Kunstgalerien, Cafés, vielen kleineren Plätzen und seinen von Rosen und alten Bäumen gesäumten Straßen entlang der gepflegten chaletartigen Häusern gehört "San Martin de los Andes" sicherlich zu einem der schönsten Orte in den südargentinischen Anden. Direkt neben der reizvollen Uferpromenade mit vielen Ruhebänken liegt ein einladender Parkplatz für Camper. Je mehr wir uns dem Ende unserer Motorradreise nähern, desto öfters phantasieren wir über Orte, die wir "beim nächsten Mal" ausgiebiger besichtigen wollen, wenn wir mit unserem Expeditionsmobil "Felix" wieder in Patagonien unterwegs sein werden...
Wir: schlängeln uns zum "Paso de Mamuil Malal" durch die von Araukarienwäldern geprägte, mit einem gelben Blumenteppich überzogene, hügelige Steppenlandschaft der trockenen patagonischen Voranden. Vor uns dominiert der inaktive Vulkan "Lanín" mit seiner schneebedeckten Spitze und der perfekten Kegelform schon von weitem die Landschaft des gleichnamigen Nationalparks. Der schlafende Gigant, der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit dem Berg Fuji als schönster Berg Argentiniens gilt, wirkt als Solitär mit seinen "nur" 3.747 Metern unglaublich mächtig. Zum letzten Mal auf unserer Reise quälen wir uns die letzten Kilometer auf einer staubigen Schotter- und Sandpiste bis zur argentinischen Grenze. Wie in der Vergangenheit: schnelle Kontrolle auf argentinischer Seite, langwierige Durchsuchung einschließlich Röntgen unserer Taschen durch die stets freundlichen chilenischen Zöllner, die uns in perfektem Deutsch mit "Gute Reise" grinsend verabschieden. Auf perfektem Belag brausen wir durch enge Kurven in ein saftig grünes Tal, das sich diametral von der kargen argentinischen Steppe unterscheidet. In "Pucón" erhalten wir von einem Notar innerhalb von wenigen Minuten ohne Termin eine "Carta de Poder", ein Bevollmächtigungsschreiben, das dem Transportunternehmen "InTime" die Befugnis gibt, in unserem Namen die Motorräder von Chile nach Hamburg zu verschiffen. Die Stadt ist auf Grund ihrer attraktiven Lage am 165 m tiefen "Lago Villarrica", mehreren Thermalquellen und der Nationalparks "Villarrica" und "Huerquehue" mit vielen malerischen Seen und Wäldern in Sichtweite des 2.840 m hohen, aktive Vulkans "Villarrica" ebenfalls sehr touristisch. Am Strand herrscht dichtes Gedränge unter bunten Sonnenschirmen und im bis zu 22° C warmem Wasser wird fröhlich und laut geplanscht. Sommerferien-Feeling eben! Entlang des "Lago Villarrica" nach "Villarrica" ist vom See wenig zu sehen, nur selten funkelt durch schmale Lücken zwischen den unzähligen Ferienhäusern mit teils hohen Zäune das blaue Wasser hindurch. Der braungelbe Weizen steht kurz vor der Ernte, auf grünen Wiesen grasen schwarzweiße Kühe und Schafe, doch dann verlassen wir diese Idylle und knallen uns auf die Ruta Nacional 5. Immer wieder verengen Baustellen die Fahrbahn, wegen eines verunglückten Omnibusses stehen wir lange im Stau. Auf dem öden, autobahnähnlichen Abschnitt der "Panamericana" nach Norden nehmen wir von der von Wein- und Obstanbau geprägten, fruchtbaren Ebene kaum etwas wahr, denn heute hauen wir ordentlich Kilometer bis "Talca" weg. Die Pazifikküste, die wir Ende November auf dem Weg zur Fähre in "Puerto Montt" erkundet haben, liegt nur knapp eine Stunde westlich von uns. Etwa 90 km südlich der Stadt liegt die berüchtigte deutschsprachige Siedlung "Colonia Dignidad" und 250 km nördlich erwartet uns bereits "Santiago de Chile". Wir aber biegen nochmals nach Osten ab und schrauben uns durch die beschauliche Landidylle mit vielen Weingütern, hügeligen Wald- und Kulturlandschaften in das beeindruckende, felsige Hochgebirge der Anden um den "Paso Pehuenche" (2.553 m) hoch. Unterhalb der Passstraße können wir uns an der hinreißenden "Laguna del Maule" erneut kaum sattsehen, deren türkisfarbenes Gletscherwasser so surreal mit den gedämpften Farben der sie umgebenden beige-grauen Vulkane und Basaltsteinformationen kontrastiert. Eine atemberaubende Kulisse, die viele Fotostopps verdient. In den Medien wird über einen bevorstehenden Supervulkan-Ausbruch spekuliert, da größere Bodendeformation von bis zu 25 cm Höhe/Jahr um die Caldera beobachtet werden können. Wir aber gelangen unversehrt zur chilenischen Grenze, die wir in einer Rekordzeit von nur 15 min. passieren. Auf herrlichen Kurven fahren wir entlang der heute schwarzen, im November noch schneebedeckten Spitze des "Volcán Campanario" (4.049 m) ins Tal des "Río Grande". Unterwegs stehen wir lange vor dem Container des argentinischen Zolls, um das vorläufig letzte argentinische TIP in Empfang zu nehmen. Der schwarze Himmel wirkt immer bedrohlicher: zügig durchfahren wir die wüstenähnliche und vulkanisch geprägte Landschaft mit ihrer niedrigen Vegetation von Sträuchern und Gräser und den teils bizarr geformten Felsformationen nach "Malargüe". Die Touristenstadt liegt in einer bewässerten Oase mit den fast 5.000 m hohen Gipfeln der Anden im Westen und bietet das ganze Jahr über für Naturliebhaber und Abenteuerlustige gleichermaßen eine Vielzahl an touristischen Attraktionen an. Für uns ist sie jedoch nur eine nächtliche Zwischenstation, auf der teils kerzengeraden Ruta Nacional 40 brausen wir durch die Pampa mit ihrer charakteristischen Flora. Der "Río Atuel" hat tiefe Schluchten mit teils farbenfrohen Felsformationen in die Trockensteppe reingefressen. In der Ferne erahnen wir das nahezu menschenleere, 4.500 km² große UNESCO-Bioreservat "Payunia", dessen schwarze und rote Erde mit Hunderten nicht mehr aktiver Vulkane fasziniert und zu zukünftigen Erkundung einlädt. Je mehr wir uns der Weinbauregion vor "Mendoza" nähern, desto grüner wird die bewässerte Landschaft vor der postkartenreifen Kulisse der majestätischen Anden im Westen. Die Provinz "Mendoza" ist das Herz des argentinischen Weinbaus. Als einer der neun großen Weinbauplätze der Welt produziert die Region bei über 320 Sonnentagen etwa 70% der gesamten Weinproduktion Argentiniens. Bereits im 16. Jh. brachten die Spanier die ersten Reben in die Gegend, im 19. Jh. revolutionierten europäische Einwanderer den Weinbau, insbesondere durch die Einführung der Malbec-Traube aus Frankreich. Das Wasser zur Bewässerung der Reben wird durch ein Jahrhunderte altes System von Schmelzwasserkanälen, das ursprünglich von den "Huarpe" erbaut und später weiterentwickelt wurde, zugeführt. Die bekanntesten Weinsorten sind, neben dem Malbec, die Rotweine Cabernet Sauvignon, Syrah, und Chardonnay und die Weißweine Chardonnay und Torrontés. Die Stadt "Mendoza" (1561) prägen breite, schattige Alleen, die von modernen oder Art-déco-Gebäuden gesäumt werden. Viele kleinere, gepflegte Plätze rund um die von Cafes und Restaurants eingerahmte "Plaza Independencia" laden zum Verweilen, Beobachten oder Nachdenken ein. Wir spazieren zum "Parque General San Martin", einer wunderschönen Parkanlage, die 1896 im Stil Englischer und Französischer Gärten mit See angelegt wurde. Dort erhebt sich der "Cerro de la Gloria" mit dem "Monumento al Ejército de Los Andes" zu Ehren der "Andenarmee", die unter der Führung von "José de San Martín" 1817 die Anden von Argentinien aus überquerte, um die Spanier aus Chile zu vertreiben und das Land in die Unabhängigkeit zu führen. Am Abend gönnen wir uns im feinen Restaurant "El Asadito" "Lomo de Ojo" (Ribeyesteak) und erliegen dem riesigen, aber äußerst schmackhaften Berg aus gegrilltem, saftigen Fleisch. Vor dem farbig erleuchteten Schriftzug "Mendoza" auf dem "Plaza Independencia" schwingen Tanzwütige jeglichen Alters, manche sehr ernsthaft und konzentriert dreinblickend, ihr Tanzbein zu Tango, Chacarera oder Zamba. Mit dem Hopp on/off Bus lassen wir uns durch die sympathische, ursprünglich im Schachbrettmuster angelegte Metropole chauffieren, spazieren durch die "Calle Aristides", an der sich unzählige Restaurants reihen und schlemmen ein auf den Punkt gegrilltes "Ojo de Bife" (Rumpsteak) mit Salzkartoffeln, gegrilltem Gemüse und ausdrucksstarkem Malbec. Mit dem City Bus passieren wir die mächtigen, schmiedeeisernen Eingangstore des "Portones del Parque General San Martin", die mit goldfarbenen Ornamenten aufwendig verziert sind und das Stadtwappen sowie einen mächtiger Andenkondor zeigen. Im Herzen des Parks plätschert der "Fuentes de los Continentes", der 1911 in Paris erworben wurde und die vier Kontinente: Amerika, Afrika, Asien und Europa darstellt. Wir schlendern um den künstlich angelegten "Lago Regatta", in dem trotz schweißtreibender Temperaturen verbissen gerudert wird. Wir erfreuen uns am blühenden Rosengarten und organisieren zwischendurch die KFZ-Versicherung für "Felix". Dem grünen und charmanten "Mendoza" sagen wir auf Wiedersehen, aber nicht Lebwohl, denn die sympathische Weinstadt hat unsere Herzen mit ihrer vielfältigen Mischung aus Natur, Kultur, Kulinarik und gelassenem argentinischen Lebensgefühl im Sturm erobert..
WIR: packen unsere Motorräder für die letzte Etappe. Das ist schon ein eigenartiges und auch wehmütiges Gefühl. Was haben unsere treuen zweirädrigen Gefährten und wir nicht alles gemeinsam erlebt! Das vielleicht letzte Abenteuer beginnt gleich außerhalb von "Mendoza", als wir auf der Ruta 82 doch nochmals durch eine kilometerlange, unbefestigte und sehr staubige Baustelle rollen. Nachdem wir uns etwa 40 km entlang des "Rio Mendoza" durch die Berge geschlängelt haben, überrascht uns nach einer Tunneldurchfahrt der spiegelglatte, wie ein Juwel tief blau schimmernde "Embalse Potrerillos". Der von schneebedeckten Bergen und Zypressenwäldern eingerahmte Wasserspeicher staut den "Rio Mendoza" auf, um etwa 20 % des jährlichen Stromverbrauchs der Provinz "Mendoza" in den zwei Wasserkraftwerken in "Cacheuta" und "Álvarez Condarco" zu erzeugen. Die "Lebensader Río Mendoza" wird vom Schmelzwasser der Anden gespeist und versorgt nicht nur die Städte "Mendoza" und "Luján de Cuyo" mit Trinkwasser, sondern auch die Weinbaugebiete um Mendoza mit dem notwendigen "Nass" in der ansonsten trockenen Halbwüste. Auf der "Ruta Internacional" (Ruta 7) zwischen Mendoza und der chilenischen Grenze folgen wir weiterhin dem "Rio Mendoza" zuerst durch grüne Weinberge und Olivenhaine. Zwischen "Potrerillos" und "Uspallata" (1.750-2040 m), einem Versorgungszentrum für Aconcaguabesteigungen, steigt die Straße kurvenreich in die kargen, felsigen Hänge der Anden empor. Deutlich alpiner mit schroffen, spitzen Gipfeln präsentiert sich die Landschaft nach "Puente del Inca", ein durch Erosion natürlich gebildeter, rotgelb gefärbter, 53.4 m langer und 27,6 m breiter Felsbogen, der in 19,2 m Höhe den Fluss "Río de las Cuevas" überspannt. Das Highlight der Route ist jedoch der Blick auf den kurzzeitig wolkenlosen Gipfel des "Cerro Aconcagua", der mit 6.961 m der höchste Berg Amerikas und der höchste außerhalb Asiens ist. Der Bergführer Matthias Zurbriggen aus Saas Fee erreichte im Januar 1897 als erster den Gipfel. Auch mein Vater hat Ende der 70er Jahre den für die Inkas heiligen Berg erfolgreich erklommen. Durch die extreme Höhe und Sonneneinstrahlung ist er schneeblind geworden und konnte nur mit der Hilfe seines Bergfreundes mühsam zurück ins Tal begleitet werden. Es gibt zwei Routen nach Chile: auf asphaltiertem, aber unglaublich löchrigem Belag durch den "Túnel del Cristo Redentor" oder offroad über zahlreiche Spitzkehren auf den "Paso de la Cumbre" (auch "Paso Libertadores" ) zur Christusstatue "Cristo Redentor de los Andes" auf 3.834 m Höhe. Wir entscheiden uns für Asphalt und fragen uns und andere Reisende, wo denn die Grenze sei? Hinter dem Tunnel, ist die einheitliche Antwort, doch als wir das große Grenzgebäude erreichen, informiert uns der Einweiser, dass der argentinische Grenzübertritt bereits 20 km hinter uns läge. Schlechtgelaunt kehren wir um und entdecken ein imposantes, mit chilenischen und argentinischen Fahnen beflaggtes Gebäude und davor, zu unserem Schreck, eine endlose, mehrspurige Schlange an Fahrzeugen. Der Grenzübertritt könnte Stunden dauern! Zum Glück spricht uns ein freundlicher Zöllner an, der uns darüber aufklärt, dass jedes der zwei Zollgebäude die Aus- und Einreise regle, jedoch in dieser Schlange die Ausreise aus Chile und Einreise nach Argentinien stattfände. Also brausen wir zum dritten Mal über die völlig marode Schlaglochpiste zurück und parken in einer riesigen Halle mit etwa einem Dutzend eingestellter Container, in der die Ausreise aus Argentinien und Einreise nach Chile abgewickelt wird. Trotz der Routine vieler Grenzübertritte fühlen wir uns zwischen diesem Containerwald völlig verloren. Doch die freundlichen Zöllner nehmen uns unter ihre Fittiche, nach der letzten Durchsuchung unseres Gepäcks, dem finalen Check unserer TIP's mit Einreisenummern und der Reisepässe mit Stempeln erwartet uns "Los Caracoles", der "Schlangenpass". Absolut spektakulär windet sich die Ruta CH-60 in 29 engen Haarnadelkurven von 3.200 m durch das extrem steile Gelände der Kordillere in Richtung "Juncal" ins Tal nach "Los Andes" auf 800 m. Jede Kurve ist nummeriert und die Kurve 17, die die meisten Menschenleben gefordert hat, wird als „Curva de la muerte“ (Todeskurve) bezeichnet. Als kürzeste Strecke zwischen dem Hafen von "San Antonio" westlich von "Santiago de Chile" und der Gegend um Mendoza – und weiter bis nach Brasilien – ist die trans-andische Strecke "Los Caracoles" von größter Bedeutung für die Logistik zwischen den Staaten. Waren aus der ganzen Welt, von Bananen aus Ecuador bis hin zu fabrikneuen Autos aus Asien, werden auf dieser gefährlichen und von LKW's heftig frequentierten Straße befördert. Der Wind aus dem Tal weht so kräftig, dass wir uns nicht trauen anzuhalten, um zu fotografieren. Auch auf der nachfolgenden, mautpflichtigen Ruta 60 sind wir extrem böigem Gegenwind ausgesetzt. Wir füllen die Inhalte unserer Ersatzkanister in den 17 l Tank der F 750 GS und müssen trotzdem unterwegs nochmals nachtanken. Am frühen Abend quetschen wir unsere Motorräder zwischen die enggeparkten Autos der mit Glassplitter und Nägeln verunreinigten Hotelgarage in der Hafenstadt "Valparaiso". Uns mit knapp 75.000 km noch einen platten Reifen zu holen, wäre wahrlich fatal...
Die Hafenstadt Valparaiso (902.000 Ew.) liegt an einer offenen Bucht des Pazifischen Ozeans. Vor der Eröffnung des Panamakanals war Valparaíso der erste größere Hafen, den Schiffe nach der Umfahrung von Kap Hoorn erreichten. Die Stadt wurde mehrfach (1822, 1851, 1906) durch Erdbeben schwer beschädigt. Trotzdem ist der historische Stadtkern mit seiner Architektur aus dem 19. und 20. Jh. seit 2003 UNESCO Weltkulturerbe. Im Altstadtviertel und den angrenzenden, pittoresken Hügeln "Cerro Alegre" und "Cerro Concepción" finden sich viele Cafés, Restaurants,Hotels und kleinere Boutiquen. 16 noch erhaltenen Standseilbahnen fahren auf die wichtigsten Hügel. Am 24. Februar 2025 liefern wir unsere zwei treuen Begleiter nach 74.930 km bei InTime zur Verschiffung nach Hamburg ab, wo wir sie am 02. April 2025 wohlbehalten übernehmen werden.
Wir: packen um: was bleibt auf den Motorrädern, was kommt ins Fluggepäck? Im nahen Supermarkt finden wir einen günstigen Koffer, der hoffentlich unsere Flugreise mit 3-maligem Umsteigen überleben wird. Am Morgen des 24. Januar werfen wir unsere Motorräder zum letzten Mal an, folgen, ohne die bereits verpackte Schutzkleidung, der Ruta 60 und melden uns um 9:30 pünktlich beim Pförtner des Container-Logistikzentrums. Wir, Kai aus Gießen sowie Udo aus Graz begleiten Ronny von der Transportfirma "InTime" zu einer Halle, in der etwa 20 Motorräder bereits auf den Rücktransport nach Hamburg warten. Auch die zwei Abenteurer starteten in Kanada (Anchorage bzw. Toronto) und reisten in nur 7 Monaten in den Norden bis "Deadhorse, Alaska" und anschließend zum südlichsten Punkt nach "Ushuaia". Während wir die letzten Kleidungsstücke, Helme und Motorradstiefel verstauen und die Batterien abklemmen, tauschen wir uns interessiert über unsere Abenteuer aus. Ronny kümmert sich in der Zwischenzeit um die Verzollung sowie die Ausfuhrgenehmigungen für unserer vier "Schätzchen". Ein kurzer Blick des Zöllners auf unsere (Fake-)Nummernschilder, ein letztes Abschiedsfoto, nach einer stillen Gedenkminute sitzen wir wehmütig in Ronny's Pickup, um uns am Busbahnhof absetzen zu lassen. Die zwei Jungs reisen mit dem Bus direkt nach "Santiago de Chile" weiter, während wir noch "Valparaíso" erkunden wollen. Vor der Eröffnung des Panamakanals 1914 war sein Hafen der erste größere, den Schiffe nach der Umfahrung von "Kap Hoorn" erreichten und neben "San Francisco" einer der beiden bedeutendsten Häfen an der Westküste Amerikas. Heute ist er nicht einmal mehr der größte Hafen Chiles. Mit einem Touristenboot tuckern wir durch den Hafen und bestaunen vom Wasser aus die mächtigen mehrgeschossigen Containeranlagen sowie den Stadtteppich, der die Hügel mit einer dichten Bebauung aus bunten Häusern überzieht. Wir bewegen uns (noch) mit den grünen Oberleitungsbussen "Trolebús de Valparaíso", die, von der "Pullman Palace Car Company" konstruiert, im Dezember 1952 ans Netz gingen und seitdem mehrere Betriebseinstellungen und Bankrotterklärungen überlebten. Im Drei-Minuten-Takt auf 4,5 km befördern sie uns in Ost-West-Richtung entlang der "Avenida Pedro Montt" zur "Plaza Aduana" und zurück zum Hotel, nahe der "Estación de Trolebúses". Im Juli 2003 wurde der historische Stadtkern mit seiner Architektur aus dem 19. und 20. Jh. und den Kopfsteinpflasterstraßen samt kaputter Gehwege zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Die historisch mit Dampf betriebene Standseilbahn "Ascensor El Peral" (1902), vor 20 Jahren zum Nationaldenkmal Chiles erklärt, transportiert uns für 100 Pesos vom "Plaza de la Justicia" zum Aussichtspunkt "Paseo Yugoslavo" mit schönem Blick auf die Bucht und die Berge. Von den ursprünglich 16 Standseilbahnen sind noch 9 in Betrieb, verteilt über die ganze Stadt, um den Aufstieg auf die Hügel zu erleichtern. Zwischen den kunterbunten Häusern mit ihrer teils haushohen, schrillen Graffiti schlendern wir durch die steilen und verwinkelten Gassen des pittoresken Hügels "Cerro Alegre" mit der farbigen "Templeman-Treppe". Der "Cerro Concepción" mit der "Paseo Gervasoni", in der viele Häuser heruntergekommen und verarmt wirken, besticht durch stilvolle Straßenkunst, die dem Viertel einen einzigartigen Charme verleiht. Der "Cerro Bellavista" mit seinem kleinen Souvenirmarkt bietet den schönsten Aussichtspunkt mit dem bunten Container Hafen und der Bucht von "Valparaíso" im Vordergrund und dem mondänen Urlaubsort "Viña del Mar" und seinen vielen Hochhäusern am Horizont. Der beliebte Wohnort von Künstlern und Studenten, die vielen Cafés, Kneipen, Restaurants und Hotels sowie Kunsthandwerkerläden und kleine Galerien ziehen seit den 1990er Jahren viele Touristen an, seit 2010 zusätzlich auch Tagesausflügler der großen Kreuzfahrschiffe. Wir schlemmen frischen Fisch und lauschen den traditionellen Liedern der Combo aus Gesang und Gitarre in einem der herrlichen Innenhöfe. Was haben wir doch für ein Glück! Viele der Graffitis auf Hauswänden, Treppen, Dächern, Straßenlaternen und Mauern zeigen in dem labyrinthartigen Gassennetz Bilder der Stadt selbst, eine Liebeserklärung an "Valpo", wie die Einheimischen ihre Stadt nennen. Die meisten Graffitis entstehen mit Erlaubnis oder gar auf Wunsch der Stadt beziehungsweise der Hausbesitzer und drücken nicht Protest, wie während der Militärdiktatur in Chile, als Graffiti offiziell verboten war, sondern pure Lebensfreude aus. Die Hafenstadt wirkt chaotisch ohne herausstechende Sehenswürdigkeiten, sie ist nicht steril restauriert, sondern rau, bunt, authentisch und voller Widersprüche. Das "Konklomerat" aus einem Mosaik von Hügeln, alten Häusern, Aufzügen, Gassen, Märkten, Graffitikunst und Menschen unterschiedlichster Herkunft erscheint uns wie ein lebendiges Museum mit immer wieder unerwarteten Überraschungseffekten, Höhen und Tiefen, Schönem und Hässlichem, manchmal auch Gefährlichem. Wiederholt raten uns die Einheimischen, auf unsere Handy's und Rucksäcke aufzupassen, nach Einbruch der Dunkelheit nur in den touristischen Gegenden unterwegs zu sein und das Hafenviertel zu meiden. Auf die Minute pünktlich verlassen die klimatisierten Busse den "Terminal Rodoviario Valparaíso", um ca. 80 min. später an der Metrostation "Pajaritos" im westlichen Stadtzentrum von "Santiago de Chile" einzutreffen..
Santiago de Chile (ca. 5,3 Mio. Ew.) ist Hauptstadt und das bedeutendste Wirtschafts-, Medien- und Kulturzentrum Chiles mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Knapp 40 % der Wirtschaftsleistung des gesamten Landes wird in Santiago erbracht. Die Stadt liegt in einem Talkessel am "Río Mapocho", umgeben von Küstengebirgen und den Anden. Die schlechter Luftqualität stellt eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Die 1975 eröffnete Metro erschließt große Teile der Hauptstadtregion. Am zentralen "Plaza de Armas" liegen zahlreiche Regierungsgebäude, die "Catedral Metropolitana de Santiago" (1800) und nahebei der "Mercado Central" (1872). In einem Radius von etwa 100 km liegen die Badeorte "Viña del Mar" und "Valparaíso" sowie zahlreiche Skigebiete der Anden.
Wir: spüren auch während der Busfahrt, dass wir kaum noch aufnahmefähig sind. Auf der Ruta 68 durchqueren wir das malerische "Valle de Casablanca", in dem exquisite und preisgekrönte Weine aus den Chardonnay und Sauvignon Blanc Trauben produziert werden. Der Bus transportiert uns durch die sanften Hügel der Küstenkordillere mit großen Olivenplantagen, bevor er in den Tunnel "Lo Prado" eintaucht. Doch die Landschaft fliegt vorbei, ohne dass wir ihr noch allzu große Aufmerksamkeit schenken. Das Metrosystem überzeugt wieder einmal durch Simplizität: wir kaufen uns eine Karte, laden sie auf und effizient landen wir mit den Linien 1 + 4 in der Station "Quilin". Ich rufe meinen Schulfreund Claus-Peter ("CP") an, der keine 500 m entfernt in einer "Gated Community" der Gemeinde "Peñalolén" wohnt. Die prosperierende Kommune weist eine breite Mittelschicht auf, auch wenn weiterhin die sogenannten „poblaciones“ (Armenviertel) einen prägenden Bestandteil des Ortes einnehmen. Das erklärt, warum nicht nur der Wohnkomplex aus mehreren 2-geschossigen Einfamilienhäusern, sondern auch jedes einzelne Gebäude mit hohen Zäunen und Kamera bewacht umschlossen ist. Wir werden von Claus-Peter's Frau Martha, Tochter Natalie und Schwiegermutter Cristina empfangen und die nächsten 9 Tage mit einer überwältigenden Gastfreundschaft getragen und berührender Herzlichkeit umsorgt. Jeden Morgen steht das fertig gerichtete Frühstück mit selbstgebackenen Laugenbrötchen auf dem Tisch, am Abend überrascht uns der Hobbykoch CP mit immer neuen kulinarischen Kreationen. Zusammen mit CP fahren wir mit der Metro zur "Plaza de Armas de Santiago", Schmelztiegel von Geschichte, Kultur und Leben, gleichzeitig auch Kern des historischen Zentrums der Hauptstadt Chiles. Wir besichtigen die historische "Catedral Metropolitana de Santiago" (1775), das Hauptpostamt, das Nationale Historische Museum und die berühmte Stadtverwaltung von Santiago. Wir bummeln durch die belebte Einkaufsstraße "Paseo Puente" zum "Mercado Central", unter dessen gusseiserner Markthallenstruktur, die im Juni 1984 zum nationalen historischen Denkmal erklärt wurde, insbesondere Fische und Meeresfrüchte angeboten werden. Die gastronomischen Angebote locken nicht nur uns, sondern auch viele andere Touristen an, die sich von der typisch nationalen Küche Chiles verwöhnen lassen wollen. In CP's Lieblingsrestaurant "Pailas Blanca" teilen wir uns als Vorspeise ein "Cerviche de marisco", als Hauptspeise schlemmen wir "Pescado reineta" bzw. "Marisol PinPin" und trinken dazu einen herrlich kühlen Sauvignon Blanc aus dem "Valle de Casablanca". CP stellt uns seinen Freund Mathias vor, mit dem er in den 80er Jahren einen Unimog von "Toronto, Kanada" nach "Santiago de Chile überführt hat, um sich anschließend aus Liebe für immer in dieser Stadt niederzulassen. Mathias Vater gehörten einst über 6.000 Hektar, von denen 3/4 unter der Militärdiktatur von Augusto Pinochet 2/3 enteignet wurden, um u.a. das stadtnahe Skigebiet "Farellones" zu vergrößern. Der Vater verdiente sein Geld mit dem Verkauf und Wartung von Unimogs. Mathias bewohnt das Haus seiner Großeltern auf dem immer noch stattlichen Grundstück von 2.000 Hektar, die sich immerhin noch über zwei Höhenrücken erstreckten. Gerd, deutschstämmiger Argentinier aus "Buenos Aires", gibt sein Bestes, aus einem schlecht abgehangenen Stück Rindfleisch aus Mathias Rinderherde ein "Asado" zu grillen. Wir mühen uns mit jedem Bissen redlich ab und spülen die zähe Schuhsohle mit viel Rotwein und anzüglichen Witzen in fröhlichen Runde runter. Wir sind für diese Ablenkung durch die gut gelaunten, deutschstämmigen Chilenen sehr froh, denn seit Abgabe unsere Motorräder verspüren wir einerseits Erleichterung vermischt mit Trauer, andererseits aber auch eine große Energielosigkeit. Bei CP stehen wir jedoch unter keinerlei Leistungsdruck, wir schlafen lange, plantschen gemütlich in seinem kleinen Swimmingpool im Minigarten, nippen "Pisco Sour" am Beckenrand oder verfolgen die Fußballspiele des VBF Stuttgart auf Sky. Noch einmal raffen wir uns auf und besuchen den beliebten Aussichtspunkt "Cerro Santa Lucía" mit seinen Denkmälern, seiner kolonialer Architektur und dem "Castillo Hidalgo" (1820). Wir besichtigen die "Biblioteca Nacional de Chile" (1813) mit ihren prachtvollen Lesesälen und bummeln zum neoklassizistischen "Palacio de La Moneda", einstige Münzprägeanstalt und heutzutage chilenischer Präsidentenpalast (1786-1812). Er wurde als Schauplatz des blutigen Militärputsches vom 11. September 1973 gegen Salvador Allende durch den General und späteren Diktator Augusto Pinochet bekannt. Gemütlich schlendern wir durch das belebte Zentrum, trinken Cappuccino oder Frappé und beobachten das emsige Treiben in den schattigen Fußgängerzonen - unsere Lieblingsbeschäftigung in kleinen wie in großen Städten. Auf einem Markt der "Mapuche" erwirbt Brigitte ein Lama mit echter Wolle für ihre Enkelin Elise. Die "Mapuche", ein indigenes Volk in Südamerika, widersetzten sich der spanischen Kolonisation im Gegensatz zu den meisten anderen indigenen Völkern Amerikas über 300 Jahre lang erfolgreich. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an etablierten die "Mapuche" einen eigenen Staat (zum Teil nach spanischem Vorbild), der bis 1883 Bestand hatte. Seitdem besteht unter den ca. 1,7 Mio. "Mapuche" die Bestrebung, wieder die Unabhängigkeit zu erlangen, was bis heute zu Konflikten mit der Polizei und dem Militär in Chile führt. Auch unseren letzten Tag in "Santiago de Chile" verbringen wir mit Sightseeing: die Kleinkabinenumlaufluftseilbahn "Teleférico de Santiago" transportiert uns auf den 880 m hohen "Cerro San Cristóbal" im "Parque Metropolitano" mit seiner 22 m hohen Statue "Virgin de la Inmaculada Concepción Maria". Von dort oben wäre der Blick über die Stadt bis zu den Anden überwältigend gewesen, doch wegen des Smogs der am stärksten verschmutzten Hauptstadt Lateinamerikas versinken Häusermeer und Berge in einer dichten grauen Schicht. Mit der Standseilbahn "Funicular de Santiago" gleiten wir in das trendige und ausgelassene Künstlerviertel "Barrio Bellavista" hinab. Der Stadtteil ist für seine vielen Restaurants, Bars, Theater und Partys bis früh in den Morgen sowie seiner bunten Street Art Kunst von Comic-Elementen über große Graffiti- und Cartoon-Wände bis hin zu eindrucksvolleren Kunstwerken bei Einheimischen wie Touristen gleichermaßen beliebt. Wir durchqueren das charmante "Barrio Lastarria" das dazu einlädt, sich gemütlich bei einer Tasse Kaffee zu entspannen, sich vom hippen Flair der hübschen Gässchen mit vielen kleinen Boutiquen verzaubern zu lassen oder den kreativen Straßenkünstlern zuzuschauen. Über die "Plaza de Armas" erreichen wir nochmals den "Mercado Central" und das Restaurant "Pailas Blanca", in dem wir eine Fischsuppe und ein weiteres "Cerviche de marisco" schlemmen. Von der nahen Station "Cal y Canto" aus transportiert uns die Metro zurück zu CP, wo wir unsere Reisekoffer zu packen...
Am 05. Februar 2025, 22:45 Uhr verlassen wir von Santiago de Chile aus mit United 846 den südamerikanischen Kontinent und fliegen nach Houston TX. Nach einem 11-stündigen Zwischenstopp erreichen wir am 07. Februar Heathrow, GB und landen um 11.20 Uhr pünktlich in Stuttgart-Echterdingen. Unser Freund Detlef B. transportiert uns nach Nürtingen, wo uns Freund Steffen F. das Expeditionsmobil Toyota Hilux mit ExKab Kabine (Bj. 2015) übergibt. Mit ihm wollen wir unsere Reise ab August 2025 von Montevideo, Uruguay aus auf vier Rädern fortsetzen. Wir sind wieder mobil und beziehen unser AirBnB in Hochdorf nach 689 Reisetag und 74.930 MTR-km seit Halifax, Kanada, wo unsere Reise am 03. Mai 2022 begann. Wir bedanken uns bei allen, die unsere Reise interessiert begleitet haben.: "Es ist nicht das Ende- es ist der Anfang eines neuen Weges"...bis bald!
Wir: verabschieden uns von Cristina und Natalie mit größter Herzlichkeit, CP und Martha chauffieren uns im dichten Feierabendverkehr zum "Aeropuerto internacional". Am 5. Februar 2025, kurz nach 23:00 überfliegen wir das endlose Lichtermeer Santiago de Chiles" und erreichen nach 32 Stunden und zwei Zwischenlandungen in Houston, Texas und London am Morgen des 7. Februar 2025, nach insgesamt 689 Tagen und 74.930 km wohlbehalten aber unendlich müde den Flughafen in Stuttgart. Unser Freund Detlef B. erwartet uns und begleitet uns zu unserem Hilux "Felix". Werden wir mit ihm ab August 2025 unsere Reise von Montevideo, Uruguay aus fortsetzen können? Noch ahnen wir nicht, wie viele Hindernisse uns bis dahin erwarten werden...
Projekt: Geschätzt 4,5 Mio. Kinder in Bolivien leben in Armut. Laut Unicef vegetieren ca. 3.000 Kinder und Jugendliche unter 18 auf der Straße. Von 1.000 Kindern sterben 75 vor ihrem 5. Lebensjahr. Gründe sind u.a. Armut und Mangelernährung. Ca. 1/3 der Minderjährigen (> 300.000 Kinder) müssen arbeiten, um zu überleben. Ca. 10% der wirtschaftlich tätigen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche. Der deutsche Pfarrer Josef M. Neuenhofer gründete 1994 in La Paz das soziale Hilfswerk "Fundacion Arco Iris" (Regenbogen). Es bietet Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen in kritischen Lebenssituationen u.a. ein Zuhause an. Bitte unterstützt das Projekt von tang2south. Vielen Dank für Eure Spenden, ob groß oder klein. Die Bereitschaft zur Hilfe zählt und wir zählen auf Euch!!!
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